Quelle: www.boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_458594
Meldung 23.08.2010 09:55
§Arques auf Versöhnungskurs?
§Die verlustreiche Beteiligungsgesellschaft Arques schöpft im Dauerstreit mit dem Dax-Konzern Siemens neue Hoffnung. Der Lohn der Börse: ein äußerst versöhnlicher Wochenbeginn für die Arques-Aktie.
§Die Arques-Aktie schießt zu Handelsauftakt bis zu 8,4 Prozent in die Höhe auf 1,80 Euro. Anleger honorieren damit die Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens, wonach Arques und Siemens "konstruktive Gespräche über die Beilegung der zwischen den Parteien anhängigen Schiedsverfahren und anderen Streitigkeiten" führen.
Siemens sei gar bereit, den Verkauf des Telefonherstellers Gigaset durch Arques zu unterstützen – bislang ein absolutes "No-go". Die Beteiligungsgesellschaft, die mehr als 80 Prozent an Gigaset hält, kündigte an, die Verhandlungen mit einem Interessenten befänden sich bereits in einem "weit fortgeschrittenen" Stadium.
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§Ende des Dauerclinchs?
Siemens, früher Eigentümer von Gigaset und jetzt noch mit knapp 20 Prozent beteiligt, ist laut Arques bereit, den Prozess zu unterstützen, wenn dadurch für Gigaset eine langfristig tragfähige Lösung gefunden werden könne. Ein Siemens-Sprecher bestätigte dies: Siemens sei bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten, wenn damit für Gigaset eine langfristige wirtschaftliche Absicherung und strategische Ausrichtung gewährleistet werden könne.
Bislang galten die beiden Gigaset-Eigentümer als hoffnungslos zerstritten. In den vergangenen Monaten hatte es zwischen den Firmen immer wieder Unstimmigkeiten gegeben über Personalien, die Auslegung des Vertrags und Geldforderungen gegeben.
BenQ-Desaster als mahnendes Beispiel
Der Streit dreht sich unter anderen um den Vorwurf, Arques habe den Gigaset-Preis von mehr als 45 Millionen Euro nicht komplett gezahlt. Siemens will zudem verhindern, dass Arques mit einer Call-Option auch noch die restlichen Gigaset-Anteile zum Schnäppchenpreis von 5.000 Euro übernimmt. Dazu sind auch Schiedsverfahren bei Gericht anhängig.
Der Hintergrund: Der Dax-Konzern will auf alle Fälle eine erneute Pleite wie Jahre zuvor beim glücklosen Verkauf des Handygeschäfts an die taiwanische BenQ vermeiden.
Vergiftetes Klima
Wie vergiftet das Klima zwischen den beiden Gigaset-Eigentümern ist, wurde vor wenigen Wochen klar. Damals erstattete Siemens Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen den früheren Gigaset-Geschäftsführer Michael Hütten, der weiterhin als Vorstand bei Arques fungiert.
Umso überraschender dürfte für einige Investoren die heute verkündete Annäherung zwischen den beiden Parteien sein. Was der neue Versöhnungskurs wirklich taugt, wird sich aber erst dann zeigen, wenn es um das konkrete Einverständnis Siemens' zu einem konkreten Käufer für Gigaset gehen wird.