Argentinische Regierung zögert Peso-Bewährungsprob


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sir charles:

Argentinische Regierung zögert Peso-Bewährungsprob

 
10.01.02 16:36
Argentinische Regierung zögert Peso-Bewährungsprobe hinaus

Der Devisenhandel bleibt einen weiteren Tag lang untersagt. Am Donnerstag wird sich zeigen, ob der abgewertete Peso vor einem Sturz ins Bodenlose bewahrt werden kann.

BUENOS AIRES (goe/ag). Die Ruhe vor dem großen Sturm wurde um einen Tag verlängert: Die argentinische Regierung erklärte in letzter Minute auch den Mittwoch zum Bankfeiertag; somit wird es am Donnerstag erstmals seit der am Sonntag verkündeten Abwertung des Peso wieder Devisenhandel und Zugang zu den Bankkonten geben. Beobachter erwarten mit Spannung, wie sich der Peso-Kurs auf dem Markt entwickeln wird.


Für Exportgeschäfte, strategisch wichtigen Handel, den Interbank-Verkehr, Gehälter, Renten und Mieten gilt ja der von der Zentralbank neu fixierte Kurs von 1,40 Peso pro Dollar. Für den Bargeldverkehr, den Tagesbedarf und private Abmachungen gilt der Dollarkurs, wie er sich auf den Devisenmärkten bilden wird. Obwohl derzeit noch der Tausch von Devisen ausgesetzt ist, kann man auf dem Schwarzmarkt die "Greenbacks" gegen Pesos tauschen, der Kurs lag bei rund 1,55. Mit einem solchen Kurs rechnet auch der Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov.

Stürmen jedoch die Argentinier am Donnerstag die Wechselstuben und pushen den Dollar-Kurs auf über 1,60 Peso, wird es eng. Mit rund zwei Mrd. Dollar (2,22 Mrd. €/30,54 Mrd. S) flüssigen Devisenbeständen könnte die argentinische Zentralbank sofort in den Kreislauf eingreifen. Das ist kein sehr hoher Betrag, aber angesichts des Bargeldumlaufs von acht Mrd. Peso im Lande dürfte er ausreichen. Zumal Dollarkäufe nur gegen Bargeld gestattet sind.


Die makroökonomischen und haushaltstechnischen Details oder die Frage der Auslandsschulden - das interessiert die Argentinier allerdings zur Zeit wenig. Für viele geht es schlicht ums Überleben. Nach Schätzungen von Fachleuten dürfte durch die Peso-Abwertung Kapital in Höhe von 180 Mrd. Dollar vernichtet werden. Banken und Industrien werden Konkurs anmelden müssen, viele tausend Familien in den Ruin getrieben.

Preise steigen schon jetzt

Zu den jetzt schon 14,5 Mill. Argentiniern, die man zu den Armen zählt, werden schätzungsweise weitere 1,7 Mill. kommen. Das wären dann fast schon die Hälfte aller 36 Mill. Staatsbürger. Aber Argentinien kann schon froh sein, wenn der Handel und Warenverkehr nicht vollständig zusammenbricht. Um die Abwertung zu kompensieren, zeichnen die Supermärkte ihre Waren mit immer neuen, höheren Preisen aus. Brot kostet 15 Prozent mehr, Haushaltsgeräte sind um rund 30 Prozent gestiegen, Medikamente teilweise ganz verschwunden. Alle Preise für Importwaren werden mit dem Dollar-Kurs steigen. Repsol-YPF hat allerdings bis jetzt auf eine Erhöhung der Benzinpreise verzichtet.


Die Investmentbank UBS Warburg rechnet für heuer mit einer Inflationsrate von 15 Prozent, J. P. Morgan erwartet gar 55 Prozent - in den vergangenen Jahren hatte es eine Deflation gegeben, in den Achtzigern lag die Teuerung hingegen bisweilen über 20.000 Prozent pro Jahr.


Ob der Motor der argentinischen Wirtschaft, völlig abgewürgt, nun wieder stotternd in Gang kommt, hängt nun wesentlich davon ab, ob die Argentinier ihr Geld in den Konsum stecken (und nicht etwa ins Ausland schmuggeln). Für Luxuswaren, Reisen und Vergnügen ist jedenfalls kein Geld mehr da. Alle Urlaubsorte im Lande wie bei den Nachbarn Uruguay und Brasilien sind, mitten in der Sommer-Hochsaison, von Argentiniern leergefegt.



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