25.5.2009 12:34Die taktischen Spielchen von Eick und Cordes
Störmanöver von Metro oder ernsthaftes Angebot, Hinhaltetaktik von Arcandor oder zaghaftes Interesse? Die Planspiele um eine Fusion der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof taugen zum Lehrstück über PR-Strategien – und nähren Spekulationen über die wahren Motive der Kontrahenten.
Für seinen ersten Schlag hatte Metro-Chef Eckhard Cordes eine eher beschauliche Kulisse gewählt: Die Düsseldorfer Stadthalle. Dort hatte Deutschlands größter Handelskonzern am 13. Mai seine Hauptversammlung abgehalten. Und fast schon beiläufig, gegen Ende seiner Rede, ließ der Metro-Vorsteher einen Satz fallen, der als Kriegserklärung interpretiert werden kann: Für Kaufhof seien die Weichen gestellt, Dank harter Arbeit sei das Unternehmen profitabel geworden, sagte Cordes, „vor diesem Hintergrund würden wir staatliche Eingriffe bei Wettbewerbern als eine uns benachteiligende Intervention betrachten“.
Gemeint war der Erzrivale Arcandor, mit seinen Handelstöchtern Karstadt und Quelle sowie dem Reiseunternehmen Thomas Cook. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte zuvor sein Interesse an Staatsbürgschaften für den klammen Konzern bekundet. Bis 12. Juni muss Arcandor seine Banken davon überzeugen Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro zu verlängern. Die Staatsbürgschaften sollen die gesamte Summe umfassen, zudem hat Eick einen 200-Millionen-Euro Kredit bei der staatlichen Förderbank KfW beantragt.
Störfeuer auf politischer Bühne
Bis zur Cordes-Intervention sah es für die Genehmigung der Arcandor-Hilfen nicht schlecht aus. Im staatlichen Hilfsgemenge vor der Bundestagswahl schien auch die Arcandor-Stütze die politischen Gremien zu passieren. Doch Cordes legte nach. Auf der Hauptversammlung versuchte er noch den Eindruck zu vermeiden, konkrete Pläne zur Übernahme von Karstadt zu haben. Auf die Frage, ob er bereits mit Eick gesprochen habe, gab der Metro-Manager zu Protokoll: „Das letzte Gespräch, das ich mit Herrn Eick geführt habe, war, dass wir uns über die Skipisten in Lech ausgetauscht haben, wo er und ich Ski laufen.“
Anschließend folgte eine mediale Schussfahrt. Am Wochenende nach der Hauptversammlung wurde ein Brief von Cordes an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Darin erklärte Cordes seine Bereitschaft zu Gesprächen „über eine privatwirtschaftliche Lösung“, die auch „einen möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof beinhaltet“. Kurz: Die Metro-Tochter Kaufhof und der Arcandor-Ableger Karstadt sollten in einer neu zu gründenden Deutschen Warenhaus AG zusammengelegt werden.
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