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4. April 2011, 12:59 Uhr
Quelle: Financial Times Deutschland
Erneuerbare sind ein Schwerpunkt der Hannover Messe. Von dem deutschen Kernkraftmoratorium werden verstärkt auch exotisch anmutende Technologien profitieren - und können sogar auf den Durchbruch hoffen.
Alternativen zu Kernkraft und Öl zählen zu den gefragtesten Technologien, die die Hannover Messe in diesem Jahr zu bieten hat. Bei der Ausstellung finden sich nicht nur die etablierten und staatlich üppig geförderten Techniken Solar- und Windenergie. Anbieter von Kleinwindanlagen und anderen alternativen Energieerzeugungstechniken hoffen auf den großen Durchbruch - und neuen Schwung durch steigende Energiepreise wegen der Krisen in Japan und Libyen.
Kleinwindanlagen
Bisher spielen Miniwindräder für das Hausdach, Boote, Wohnwagen oder für den Garten kaum eine Rolle. Doch die Nachfrage in Deutschland und auch weltweit steige, heißt es bei Southwest Windpower, einem der weltweit größten Anbieter von kleinen Windanlagen von 400 bis 3000 Watt, der auf der Messe ausstellt. Die Geräte seien eine Alternative oder Ergänzung zu Fotovoltaikmodulen.
An windreichen, schattigen Standorten produzieren Miniwindmühlen mehr Strom als Solaranlagen. Sie kosten zwischen 3000 und 5000 Euro pro Kilowatt Leistung, also in etwa genauso viel wie die Fotovoltaik. Vor allem sinnvoll sind die Windräder, wenn der Strom nicht ins Netz eingespeist, sondern selbst verbraucht wird, etwa wenn kein Stromanschluss vorhanden ist. In guten Lagen rechnet sich die Investition nach rund zehn Jahren.
Im Moment erhalten Windmüller für den eingespeisten Strom nur knapp 9 Cent je Kilowattstunde- genauso viel wie Riesenwindparks. Außerdem gibt es rechtliche Hindernisse, vor allem bei Baugenehmigungen. Die Hersteller rechnen dennoch mit einem Boom. Allein in Großbritannien würden bis 2020 1,2 Millionen Anlagen in Betrieb gehen. Weil die Massenproduktion beginnt, erwartet der Bundesverband Kleinwindanlagen stark fallende Preise.
Wärme aus dem Fluss
Ein bislang kaum genutztes Prinzip zur Energiegewinnung ist die Nutzung von Umweltwärme aus Gewässern. Einer der wenigen Einsatzorte ist eine kleine Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Dort heizt die Lauter - ein im Jahresmittel zehn Grad warmer Fluss - die wichtigsten Gebäude.
Eine Hochtemperaturwärmepumpe des Freitaler Unternehmens Thermea macht die Heizkraft des Flusses nutzbar. Mit einer Pumpe wird dem Flusswasser Wärme entzogen und ins Heizsystem der Gebäude eingespeist. Nur im tiefsten Winter ist der Fluss zu kalt, und ein Teil der Wärmeenergie muss über einen Brennwertkessel zugeführt werden.
Im Schnitt hilft der Fluss, drei Viertel der elektrischen Energie, die normalerweise benötigt würde, zu sparen. Die Technik funktioniert ähnlich wie die vergleichsweise etablierten Wärmepumpen, die der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme entziehen.