Leute, die (wie Du) teils im Minuten-Takt traden, haben grundsätzlich eine andere Sicht der Dinge als Leute (wie ich), die sich mit grundsätzlichen Problemen der Überschuldungswirtschaft befassen und daraus Schlüsse für die vermutliche Entwicklung der Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnte ableiten. Wenn man Letzteres macht, heißt das keinesfalls, dass man dementsprechend via "Dauer-Short" positioniert ist.
Du machst mMn den Fehler, makroökonomische Langfristanalyse und Kurzfrist-Trader-Kriterien fehlzudeuten. Es sind zwei grundlegend unterschiedliche Herangehensweise, wobei meine sehr viel weniger Trading-orientiert ist als Deine. Die in Deinem Posting latent rüberkommende "Runtermache" meines Ansatzes verkennt dies.
Meine Prognose Anfang 2007 (Eröffnung der USA Bärenthread) war und IST, dass die seit 30 Jahren mehr oder minder funktionierende Schuldenwirtschaft an ihre Grenzen gestoßen ist. Dies hat sich nicht nur im Banken-Crash 2008 bewahrheitet (der auf Überschuldung bzw. zu hohen Hebeln beruhte), sondern auch in der nachfolgenden, sich im Zuge der "alternativlosen" Bankenrettungen ergebenden - heutigen - staatlichen Überschuldungskrise. Diese Staatenkrise hatte ich übrigens im BT bereits Ende 2010 vorangekündigt - und sie hat sich bislang in den PIIGS bewahrheitet: Spanien leidet unter der "Verstaatlichung" zu hoher privater Überschuldung - und wurde dafür heute von S&P auf eine Stufe über "Junk" runtergestuft.
In USA glaubt Bernanke, durch hohe Aktienstände, an denen er mittels QE ja auch gehörig schraubt, via "Stimmung"/Sentiment die real im Untergrund schlummernde Deflationskrise (Rewind der Überschuldungsblase) "übertünchen" zu können. Dabei stieg aber auch die US-Schuldenquote drastisich - sie ist kurz davor, die 100 % Marke nach oben zu durchbrechen.
Wer davon ausgeht (Chartis wie Du), dass die Aktienstände die Realität abbilden - das versucht ja auch Bernanke den Leuten unentwegt einzubläuen - , verkennt die sich in der Realwirtschaft verbergenden Probleme.
Als Trader ist es richtig und sogar überlebenswichtig, auf das zu achten, "was man sieht". Wenn es steigt, bringt es nichts, "aus Überzeugung" mit Puts oder Shorts dagegen zu halten. Dies wird umso wahrer, je kürzer der Zeithorizont ist.
Man sollte sich jedoch hüten, die Realwelt und die Traderwelt in einen Topf zu werfen.
Es ist ein Trugschluss, die Aktienerholung als Wirtschafterholung fehlzudeuten, wie Du es offenbar tust. Um die Gesamtlage zu beurteilen, braucht es mehr als kurzfristige Chartanalysen, die sich an den von Bernanke "programmatisch" gehievten Börsenkursen orientieren.
Hoffe das hilft, die Divergenzen in unserer Sicht zu klären.