Völkermord im Südsudan
30 Jahre Krieg im Südsudan: Nahezu drei Millionen Schwarzafrikaner starben durch Hunger, Krieg, Flucht, Massaker oder Massenvertreibungen.
Der Vernichtungsfeldzug der Regierungen des arabischen Nordsudan gegen die schwarzafrikanischen Völker des Südens, die zu einem Drittel christlichen Glaubens und zu zwei Dritteln Anhänger traditioneller Religionen sind, ist eines der schlimmsten Völkermordverbrechen der Gegenwart.
Seit der Unabhängigkeit des Sudan 1955 soll den Südsudanesen mit aller Gewalt das politische System des islamisch-fundamentalistischen Nordens aufgezwungen werden. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden im Südsudan ganze Dorfgemeinschaften liquidiert, christliche Gemeinden in ihren Kirchen verbrannt, Führungskräfte systematisch ermordet und unzählige Menschen zu Tode gefoltert. Die südsudanesische Widerstandsbewegung handelte 1972 mit dem Norden ein Autonomieabkommen aus. Doch die Regierung in Khartum unterhöhlte die Übereinkunft und setzte sie schließlich außer Kraft.
1983 brach der Bürgerkrieg wieder aus. Von der Armee bewaffnete Milizionäre verübten mehrfach Massaker an der südsudanesischen Zivilbevölkerung, bei denen Tausende ums Leben kamen. Dörfer wurden geplündert, Frauen vergewaltigt und Männer erschlagen oder schwer gefoltert. Einige wurden lebendig verbrannt, anderen Ohren und Genitalien abgeschnitten. Mehr als 10 000 Frauen und Kinder wurden entführt und auf lokalen Märkten zum Kauf angeboten.
Die Militaärjunta hat den Völkermord an den Südsudanesen 1992 zum "Heiligen Krieg" (Jihad) erklärt. In der Nähe der von der Armee kontrollierten Städte steht kein Stein mehr auf dem anderen: Alle Dörfer im Umkreis von 15 Kilometern sollen dem Erdboden gleichgemacht werden. Mehr als 200 Ortschaften wurden durch diese Politik der verbrannten Erde bereits zerstört.
Regierung blockiert Hungerhilfe
Planmäßig behinderte die sudanesische Regierung immer wieder Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung. Allein 1988 mußten 250 000 Südsudanesen sterben, da die Hungerhilfe sie nicht rechtzeitig erreichte. Hunderttausende Südsudanesen flohen vor Hunger, Krieg und Menschenrechtsverletzungen in die Nachbarstaaten, mehr als eine Million suchten mangels anderer Alternativen im Nordsudan Zuflucht. Doch selbst die Flüchtlinge sind nicht sicher vor Verfolgung. Sudanesische Kampfflugzeuge bombardierten 1991 Flüchtlingslager im sudanesisch-äthiopischen Grenzgebiet. Mehr als 100 000 Menschen mußten erneut fliehen. In der Umgebung der Hauptstadt Khartum wurden seit 1990 zahlreiche Flüchtlingslager und Slumsiedlungen, in denen Südsudanesen notdürftig untergekommen waren, zwangsweise aufgelöst. Zehntausende wurden in die Wüste deportiert oder ohne Obdach ihrem Schicksal überlassen.
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