AMAT - Test


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Gruenspan:

AMAT - Test

 
11.02.02 21:48
Schaut dieser Chart gut aus?        AMAT - Test 573420
     
Antworten
Gruenspan:

Heute nachbörslich Zahlen.

 
12.02.02 19:05
Info unter
www.bigcharts.com
MarketPulse
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Gruenspan:

Die waren gut.

 
13.02.02 17:54
2 Cent Gewinn gemacht.
Das waren genau 2 besser, als der Markt erwartete.
AMAT ist heute ne Stütze der Nasdaq.
;-)
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Gruenspan:

Wieso

 
13.02.02 21:43
rede ich eigentlich fast immer mit mir selber?
Antworten
Gruenspan:

Ist schon verwunderlich,

 
14.02.02 18:00
daß keiner ein Wort zu AMAT übrig hat.
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Gruenspan:

Aber echt mal!

 
05.03.02 18:32
°
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Hiob:

Für die, die im Oktober gekauft haben,

 
05.03.02 18:37
sieht er gut aus. Für mich sieht er so aus, daß sich ein Einstiegt wahrscheinlich nicht lohnt. Einfach deshalb, weil ich keine Werte mehr kaufe, die schon gut gelaufen sind.
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Gruenspan:

Für die besonders,

 
05.03.02 18:47
daß ist richtig.
Aber auch einiges später ging noch was, wie der Chart zeigt.
Sollten sich die Zeiten erst richtig bessern, dann ......
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ribald:

in the long run?

 
05.03.02 18:48
AMAT - Test 598991cchart.yimg.com/z?s=amat&a=v&p=m50,m200,s&t=5y&l=on&z=m&q=l" style="max-width:560px" >
Antworten
Hiob:

Im "long run" sind wir alle tot, wie der alte

 
05.03.02 18:56
Keynes schon sagt. Und er hat recht!
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ribald:

korrekt:

 
05.03.02 19:06
"à la longue" sagte John Maynard Keynes.

KEYNES, John Maynard: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. Berlin 1983.

KEYNES, John Maynard, englischer Wirtschaftswissenschaftler, * 5.6. 1883 in Cambridge, + 21.4. 1946 in Ripe/Sussex, ältester Sohn des Dozenten für Logik und politische Ökonomie, John Neville K. (Kanzler der Universität Cambridge 1910-1925) und Florence Ada K. (Stadträtin und Bürgermeisterin). - Ab 1897 besuchte K. das Eton College, ab 1902 gehörte er dem King's College an. 1905 bestand er das Tripos-Examen in Mathematik. Im gleichen Jahr begann der hochtalentierte und vielseitig interessierte K. das Studium der politischen Ökonomie in Cambridge. Zu seinen Lehrern zählten Alfred Marshall und Alfred C. Pigou. 1906 bestand er die Prüfung für den höheren Verwaltungsdienst als zweitbester von 104 Kandidaten und trat in das Indian Office ein. Während der beiden folgenden Jahre erhielt er so Einblicke in den Verwaltungsablauf von Regierungsbehörden. 1908 bewarb sich K. vergeblich mit einer Dissertation über Wahrscheinlichkeitsrechnung um ein Fellowship am King's College. W. E. Johnson, ein Mathematiker und Logiker, und Alfred North Whitehead waren die Gutachter, die eine Überarbeitung der Dissertation für notwendig erachteten (sie erschien schließlich 1921 nach mehrfacher Überarbeitung und Erweiterung). 1909 erfolgte dann die Ernennung zum Fellow. 1911-1945 war K. Herausgeber des angesehenen »Economic Journal« sowie Sekretär der »Economical Society«. Sein erstes Buch »Indian Currency and Finance« (1913) ging aus den beim Indian Office gewonnenen Erfahrungen hervor. Es wurde sofort sehr beachtet. 1915 folgte die Kriegsdienstversetzung in die Treasury, das britische Schatzamt. K. fungierte dort bereits vorher als Berater. 1917 erhielt der grundsätzlich pazifistisch eingestellte K. den Orden eines Commander of Bath. Damit zeichnete die Regierung den Mann aus, dessen währungspolitische Kenntnisse und Ideen dem Land den infolge der immensen Kriegskosten drohenden Zusammenbruch ersparten. In die Zeit des Ersten Weltkriegs fiel auch der Beginn der privaten Kunstsammlung, die später Berühmtheit erlangen sollte. 1919 vertrat K. das Schatzamt als Beauftragter bei den Verhandlungen in Versailles. Als Folge unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten mit anderen Vertretern der Siegermächte trat K. von diesem Posten zurück, da er die Reparationsforderungen an Deutschland wirtschaftlich nicht für vertretbar hielt (vgl. sein Buch »The economic consequences of the peace«, 1919). Nach seiner Rückkehr nach Cambridge übernahm K. bei eingeschränkter Lehrtätigkeit das Amt des Schatzkanzlers des King's College. Nebenher betrieb er erfolgreich Börsenspekulationen. Durch eine umfangreiche wirtschaftsjournalistische Tätigkeit wurde K.s Name weit bekannt. Niemals zuvor hatte ein einzelner einen solchen Einfluß auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik der wichtigsten Industrienationen besessen. Auch in der Privatwirtschaft reüssierte K. 1921 wurde er Präsident der National Mutual Life Insurance Company (bis 1938) und 1924 Generalmanager des Independent Investment Trust in London. 1923 erschien »A tract on monetary reform«, ein Buch zu Fragen und Problemen der Währungsreform. 1930 erschien schließlich die bis zu diesem Zeitpunkt umfassendste Abhandlung zur Währungstheorie: »A treatise of money«. Gemeinsam mit der 1936 publizierten »The general theory of employment, interest and money« sollte dieses Buch K.s Stellung als berühmtester und einflußreichster Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts begründen. Die »General Theory« revolutionierte die theoretischen Grundlagen der Nationalökonomie. K. forderte die Ergänzung der Selbststeuerung der Marktwirtschaft durch staatliche Lenkungsmaßnahmen. Auf diese Weise ließen sich die Fehler vermeiden, die an bisherigen Marktmodellen aufgetreten waren. Die staatlichen Steuerungsmaßnahmen sollten abzielen auf ein stetiges Wirtschaftswachstum, auf Vollbeschäftigung, Einkommensgerechtigkeit und Geldwertstabilität. K.s Gegner warfen ihm vor, er überfordere durch solche Postulate den Staat, dieser könne nicht zu einer »sozialen Glücksmaschine« (W. Hankel) konstruiert werden. Der sogenannte Keynesianismus versuchte denn auch später, dem makroökonomischen Lehrbuch-Modell der »General Theory« eine entsprechende mikrotheoretische Begründung an die Seite zu stellen, ein Vorhaben, das jedoch bis heute nicht befriedigend realisiert worden ist. 1925 hatte K. die Tänzerin Lydia Lopokova geheiratet. Mehrere Reisen in ihr Heimatland, die UDSSR, führten K. den Umgestaltungsprozeß der russischen Gesellschaft vor Augen. Eine gewisse Faszination übte dieser neue Gesellschaftsentwurf mit seiner säkularisierten Religiosität auf K. aus. 1938 zog sich K. aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. 1940 erfolgte dann der Wiedereintritt in die Treasury als ehrenamtlicher Chefberater. 1941-46 fungierte K. als Chef-Unterhändler der Lend-Lease-Abkommen mit den USA; bei den Konferenzen von Bretton Woods und Savannah konnte er sich jedoch nicht mit seinen Vorstellungen durchsetzen. Die Schaffung eines Internationalen Währungsfonds und einer Weltbank bzw. deren Realisierung entsprach nicht den von ihm erarbeiteten Vorschlägen. An den Folgen seines zweiten Herzinfarktes starb K. auf seinem Landsitz in Sussex. Erst allmählich wurde nach dem Tode die homoerotische Veranlagung von K. bekannt. Die jüngst erschienene Biographie Charles Hessions untersuchte den Zusammenhang zwischen dieser Anlage und der ungewöhnlichen Kreativität von K.

 
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Hiob:

Danke, das liest man doch immer wieder gern,

 
05.03.02 19:11
auch wenn über seinen ausschweifenden Lebenswandel in der "Bloomsbury"-Szene nur wenig gesagt wird. Aber vielleicht steht  ja mehr davon in der erwähnten Biographie.
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ribald:

Bloomsbury-Gruppe

 
05.03.02 19:17
Während seines Studiums, traf der freundliche, wahrheitsuchende, streitlustige, Keynes, u.a. mit Lytton Strachey, Leonard Woolf, Adrian und Thoby Bell zusammen, alle zu den "Apostles" (einer "geheimen Gesellschaft") angehörend, dem späteren Kern der "Bloomsbury-Gruppe".

Nach dem Tod ihres Vaters (1904) mieteten die Stephen Kinder, Virginia, Thoby und Vanessa ein Haus am Gordon SquareNr. 46 , im Bloomsbury Viertel, London. Im Februar 1905 gab Thoby diese Adresse als sein offizielles Zuhause bekannt, wo ihn seine Freunde jeden Donnerstag Abend besuchen könnte, und damit begann die "Bloomsbury Gruppe" ihre öffentliche Wirksamkeit.

Die Mitglieder der "Bloomsbury Gruppe" teilten oder entwickelten ähnliche kunstlerische-und, Lebensverhalten. Zum Kreis gehörten Clive Bell einer der führender Kritiker, Keynes selbst, Leonard Wollf, jetzt unfairereweise immer nur als Mann von Virginia bekannt, - die auch dazu gehörte, Lytton Strachey - später beruhmt für seine Biographien, und Duncan Grant. Verbunden mit der Gruppe waren auch Bertrand Russell, der grosse Philosoph und späterer Friedenskämpfer, und der Schriftssteller E. M. Forster . Strachey, Forster, Grant, und Keynes waren alles Männer, die liebten Männer.

Die diskutierten nicht nur über Gott und die Welt, sondern lasen Stücke zusammen - von Shakespeare bis Ibsen. In der "Bloomsbury Gruppe" entwickelte sich eine Offenheit über Sexualität, die Virginia ein paar Jahre zuvor noch schockiert hätte. Keynes, der aus Indien zurück und in Cambridge tätig war, schrieb an Duncan Grant (1908):

" Lytton (Strachey) ... hat Vanessa (Schwester von Virginia) seine besonders unanständigen Gedichte gezeigt. Sie war entzückt, lernte sie auswendig, und fertiogte Kopien für Virginia und die anderen her. "

Lytton, als der "Super-sodomite von Bloomsbury" bekannt, riß eines Tages mal die Zimmertür auf, bemerkte einen Weißen Fleck auf Vanessas Rock und fragte bloß, "Sperma?" Allgemeine Gelächte. Leonard Woolf bemerkt dazu wie gehemmt sie alle vorher waren: "Mit diesem einen Wort fielen alle Schranken und Zuruckhaltung. ... Sex durchdrang alle unsere Gespräche. Das  Wort 'Sodomite' ("Bugger" - in seiner richtigen Bedeutung, kein Schimpfwort. CMS) war oft auf unseren Lippen. ... Man wundert sich, wie lange wir so zurückhaltend waren."



Duncan Grant (später ein bekannter britischer Maler) wird als der charakteristsiche "Bloomsbury Maler" betrachtet, trotz seines späten "Eintritts" in die Gruppe. Keynes sexuelles Verhältnis mit Grant dauerte nur etwa 4 Jahre, aber ihre enge Freundschaft hielt bis zu Keynes' Tod im Jahre 1946. In 1909 teilte Keynes eine Wohnung am Fitzroy Square Nr. 21 mit Duncan Grant. Grant war die emotionale Schlußstein der Bloomsbury Gruppe. Er war charmant, sympathisch, und nett. Keynes schrieb über Duncan: "In Duncan könnte sich jeder verlieben."

Im Februar 1910 besuchte der Kaiser von Äthiopien das neueste und großte Schiff der Königlichen Flotte, man zeigte ihm alle Geheimnisse des Schiffes. Der Kaiser von Äthiopien war aber in Wirklichkeit Anthony Buxton ein Freund des Bloomsbury Gruppe; Adrian Bell, der Dolmetscher, sprach ein Gemisch von Latein und Unsinn, Virginia (noch nicht Woolf), und Duncan Grant mimten mit geschwärzten Gesichtern die Gefolgschaft. Als der Jux bekannt wurde, lachte die ganze Nation, und um die Ehre des Schiffsoffiziere (unter ihnen ein Cousin der Stephens) zu retten, haben sie Grant gekidnappt und eine Jux-Strafe auferlegt.

Ein Jahr nach dem "Dreadnought" Spektakel lief der Vertrag für das Haus am Fitzroy Square aus, und Virginia Stephen übernahm ein vierstöckiges Haus am Brunswick Square Nr. 38 und teilte es unter ihre Freunde auf. Maynard Keynes und Duncan Grant nahmen das Erdgeschoß in Besitz. Virginia den 3. Stock, und ihre zukunftiger Mann Leonard Woolf einige Zimmer im 4. Stock.

Fast alle Männer der Bloomsbury Gruppe waren pazifistisch orientiert, obwohl es nicht alle ablehnte in der Armee zu dienen. Duncan Grant wurde freigestellt, mußte aber ii der Landwirtschaft arbeiten, und zwar auf einer Farm in Sussex, deren Nachbarfarm Vanessa Bell gemietet hatte.

Ab 1916 mietete Keynes das Haus am Gordon Square Nr. 456; dort traf sich eine "erweiterte Bloomsbury Gruppe" häufig zu gemütlichen Runden. Unter ihnen war Lydia Lopokova, Prima Dona bei der Diaghilev Tanz Company.



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Hiob:

Schade, daß ich jetzt außer Haus gehen muß.

 
05.03.02 19:23
Ich glaube, das wäre noch ein ganz unterhaltsamer Abend für mich geworden, zumal ich viel über die Leute (Lytton Strachey) und von diesen Leuten (Virginia Woolf) gelesen habe. Ich werde mich aber morgen wieder einklinken. Vorher aber noch ne Frage: wo hast Du das alles nur so schnell hergeholt?
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ribald:

Lytton Strachey in einem Brief an

 
05.03.02 19:25
Lytton Strachey in einem Brief an Roger Senhouse:

“May I have the little snapshot of you with the pipe & handkerchief ... if it´s not destined for someone else?”

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ribald:

Lytton Strachey und Dora Carrington probten

 
05.03.02 19:27
Lytton Strachey und Dora Carrington probten zu Beginn des Jahrhunderts in Bloomsbury, was Berkeley 1968 fortsetzte - den Aufstand gegen die Väter
VON THOMAS MEDICUS

Michael Holroyd: Carrington. Eine Liebe von Lytton Strachey.

Wer Biographien lesen will, ist mit Lytton Strachey gut beraten. Wer wissen möchte, wer Lytton Strachey war, liegt bei Michael Holroyd richtig. Vor fast dreißig Jahren verfaßte Holroyd ein zweibändiges Werk über Strachey, den bedeutendsten englischsprachigen Erneuerer des biographischen Genres in diesem Jahrhundert. Eine hochgelobte Pionierarbeit, die 1995 in Großbritannien als revidierte Neuauflage im Taschenbuch erschien, erweitert um Material, das bis dahin unzugänglich war. Für verhältnismäßig wenig Geld erhielt der Leser mit 780 Seiten nicht nur sehr viel Buch, sondern auch ein bis heute unerreichtes Standardwerk. Fast vierzig Schwarzweißfotografien dokumentieren darin die Lebensstationen dieses außergewöhnlichen Intellektuellen und Schriftstellers. Ein Angebot, das dank Holroyds gut lesbarem Text, geschrieben wie ein Roman, und dem reichhaltigen fotografischen Material instruktive, unterhaltsame Lektüre im Höchstmaß bot.

In der deutschen Ausgabe kann davon freilich kaum noch die Rede sein. "Gekürzt", heißt es auf der Rückseite des Vorsatzblattes. "Verstümmelt" wäre passender, "gemordet" träfe die Sache am besten. Von den ursprünglich 17 Kapiteln sind fünfeinhalb übriggeblieben; die Hälfte des Textumfanges blieb auf der Strecke. Mit der englischen hat die deutsche Ausgabe hauptsächlich das Titelbild gemeinsam. Rowohlt überließ offenbar allein den Product-Placement-Strategen der Marketing-Abteilung das Regiment: halber Text, farbige Stand- anstelle der schwarzweißen Dokumentarfotos, neuer Titel, bunte Hülle - fertig ist das Buch zum Film.

"Carrington" in der Regie von Christopher Hampton mit Emma Thompson in der Hauptrolle kam Ende '95 in unsere Kinos. Von dort ist der Film ebenso schnell wieder verschwunden wie das Buch in die hinteren Regale der Buchhandlungen wanderte. Ein Verlust, der im Fall des Films zu verschmerzen ist. Im Gegensatz zu Holroyds vorzüglicher Biographie, die Regisseur Hampton auf die Liebesgeschichte zwischen Lytton Strachey und der Malerin Dora Carrington einschränkte. Auf der Strecke blieb bei diesem sentimentalen Konzentrat, was die ungekürzte Biographie Holroyds zustandebringt: am exemplarischen Fall Lytton Stracheys mit einer Epoche bekanntzumachen, die unter dem Namen des Londoner Bohemeviertels Bloomsbury in die englische Literatur- und Kulturgeschichte eingegangen ist.

Die "Bloomsberries" - die ersten Sonderlinge fanden sich schon vor dem Ersten Weltkrieg zusammen waren eine amorphe Gruppe. Zu ihr gehörten Schriftsteller wie Virginia und Leonard Woolf, E. M. Forster, Maler wie Duncan Grant, David Garnett, Virginia Woolfs Schwester Vanessa und deren Mann Clive Bell, Intellektuelle wie der Ökonom Maynard Keynes oder der Ästhetiker Roger Fry. Lytton Strachey war Bloomsbury-Mitglied der ersten Stunde.

Dem Leser der deutschen Ausgabe wird dieser Anfang vorenthalten. Sie setzt erst 1915 ein, mit dem Jahr, in dem Lytton Strachey Dora Carrington im Landhaus von Virginia und Leonard Woolf kennenlernte. Die Bedeutung dieser Bekanntschaft wird jedoch nur verständlich, wenn nicht die Hälfte von Stracheys Lebensgeschichte amputiert wird. Bloomsburys Keimzelle war das Trinity College in Cambridge, wo Strachey, Keynes und Leonard Woolf studiert hatten; ein größerer Kreis traf sich später am Gordon Square in London oder in den Landhäusern von Sussex oder Surrey. Bloomsbury probte, was Berkeley 1968 fortsetzte: Geisteshaltung und Lebenspraxis einer jungen Generation, die - wie Leonard Woolf rückblickend meinte - "gegen die sozialen, politischen, religiösen, moralischen, intellektuellen und künstlerischen Einrichtungen, Überzeugungen und Maßstäbe unserer Väter und Großväter" antrat. Bloomsbury war Protest, antiviktorianische Revolte, die Konventionalität und Normativität durch Individualismus und Nonkonformismus ersetzen wollte. Als philosophischer Gewährsmann galt G.E. Moore, dessen Freundschafts- und Schönheitskult dazu verhalf, individuelle Bewußtseinszustände und deren künstlerischen Ausdruck zum Lebensmittelpunkt zu machen. Kein Wunder, wenn sich die Porträtbildnerei - Seelenchiffren in der Malerei wie im biographischen Genre - zur bevorzugten Kunstform des Kreises entwickelte.

Moores theoretische Versuche, den zeittypischen Widerstreit von Kunst und Leben in der je individuellen Biographie praktisch aufzuheben, lieferten jedoch auch die Munition, mit der die zeitgenössische viktorianische Moral unter Beschuß genommen wurde. Eine impressionistische Lebensphilosophie, die ästhetische, vor allem aber auch sexuelle Reize zur Grundlage ihrer Ethik machte, war das geeignete Instrument, eine individualistische Sexualmoral jenseits von Tabu und Konvention zu rechtfertigen. Der Bloomsbury-Kreis trat auch als sexuelle Avantgarde auf den Plan. Libertinage - am eigenen Leib exerziert. Nachdem mit den viktorianischen Idealen einmal die traditionellen Geschlechterrollen preisgegeben waren, ließen sich Weiblich- und Männlichkeit nicht mehr dem biologischen Geschlecht zuordnen. Den intellektuellen begleitete ein sexueller Liberalismus, der Trieben wie Gefühlen freien Lauf lassen wollte. Ob hetero-, homo- oder bisexuell: Androgynie entwickelte sich zum Hauptmerkmal der psychosexuellen Verfassung Bloomsburys. Ein Großteil solcher Informationen wird den Lesern der deutschen Übersetzung von Holroyds Biographie vorenthalten. Der weitgehende Verzicht der Kurzfassung auf die kulturgeschichtlichen Herkünfte des Protests macht Lytton Stracheys und Dora Carringtons Lebensläufe zu isolierten Einzelschicksalen. Aber was ist von einer Ausgabe anderes zu erwarten, die im Anhang die Besetzungsliste des Films abdruckt, den durch das Labyrinth Bloomsbury weisenden Index der Originalausgabe aber kurzerhand wegfallen läßt.

Dennoch wird Holroyds Perspektive, die Antiviktorianer seien selbst von der viktorianischen Krankheit befallen, als deren immoralistische Diagnostiker sie auftraten, sogar noch in der deutschen Kurzfassung deutlich. Dabei ist Autor Holroyd durchaus kein Fanatiker psychogrammatischer Zuspitzung. (Im Gegensatz zum Bloomsbury-Vordenker Strachey, der in seinen Biographien Denkmäler stürzte, indem er die Moral Queen Victorias oder anderer "Eminent Victorians" auf deren psychosexuelle Motivationen hin befragte.) Dem Biographen des Biographen geht es vielmehr darum, den tragischen Grundzug der hedonistischen Selbstbefreiungsversuche transparent zu machen. Bewundernswert sind dabei zwar auch seine plastischen Personen- und Charakterdarstellungen. Diese Biographie besitzt aber nicht nur psychologisches, sondern auch kultursoziologisches Gespür - der diskretesten Art. Strachey und Carrington werden als typische Repräsentanten eines epochalen Wandlungsprozesses im Geschlechterverhältnis kenntlich, das immer dasselbe soziale Grundmodell aufweist. Ihre Freundschaft prägte die libidinöse Ökonomie, der Bloomsbury schon vor dem Ersten Weltkrieg folgte. Kein Liebespaar, zu dem sich nicht prompt ein Dritter gesellte, der jedesmal eine Kettenreaktion hochdramatischer, hysterischer Gefühle in Gang setzte.

So war das, zum Beispiel, mit Duncan Grant, Keynes' auch von Lytton Strachey begehrtem Freund vor dem Ersten Weltkrieg, der sich in den Zwanzigern zum Liebhaber der verehelichten Vanessa Bell mauserte, mit der er dann sogar eine Tochter zeugte. Ähnlich erging es dem Psychoanalytiker James Strachey, Lyttons Bruder, der um 1912 hinter dem bildschönen Lyriker Rupert Brooke her war, der seinerseits der blutjungen Noel Olivier verfallen war. Nach dem Tod des Poeten pflegte der inzwischen verheiratete James Strachey ein jahrelang währendes Verhältnis mit ebenjener Noel, deren Triebleben nun endlich erwachte. Kaum weniger verwickelt war die Freundschaft des homosexuellen Lytton Strachey mit der zwischen Bi- und Asexualität schwankenden Dora Carrington. In ihrem westlich von London liegenden Landhaus Ham Spray kultivierten sie, die ohne einander nicht leben konnten, eine jahrelange menage a trois mit dem baumstarken Ralph Partridge, in den Lytton verliebt war und den Carrington heiratete. Ein "komplexes Molekül", dem "immer wieder neue Atome hinzugefügt wurden", kommentiert Bloomsbury-Kenner Holroyd diesen Reigen. Dramatisch erschüttert wurde das Gefüge besonders dann, wenn weitere Liebhaber dazu kamen, das Dreieck zum Vier-, Fünf- oder Sechseck erweitert wurde...

Mit nonkonformistischer Boheme-Programmatik hatten diese Liaisons nur bedingt zu tun. Man schlug sich eher mit jenem verhaßten Viktorianismus herum, dessen zwangsneurotische Erbschaften erst jetzt in aller Bizarrerie zutage traten. Bei Lytton Strachey äußerte sich das in der Exzentrik eines ironiegesättigten Gelehrten, der sich hinter Zwicker und langem Bart verbarg, untrügliche Zeichen dafür, daß er mit seiner in einem überlangen, dürren Körper steckenden Männlichkeit kaum zurechtkam. Freilich war sich der Intellektuelle mit dem man, wie Holroyd ihn schildert, gerne Bekanntschaft geschlossen hätte - seiner nevrosites und der ödipalen Grundlagen seiner Homosexualität sehr bewußt. Seine schriftstellerische Arbeit gab ihm die Möglichkeit (in Gestalt splendider Biographien, dank derer er zum begüterten Mann wurde), den im eigenen Leib steckenden Viktorianismus auf Umwegen zu bearbeiten. Eine Fähigkeit zu Analyse und Selbstkontrolle, von der die schwermütige Dora Carrington derart abhängig wurde, daß für sie ein Leben ohne Lytton unvorstellbar war. Wenige Tage, nachdem ihr Gefährte 52jährig an Magenkrebs gestorben war, erschoß sie sich mit einem Jagdgewehr, erst 38 Jahre alt. Eine bis in den Tod reichende Verbundenheit, die mehr als nur tiefromantische Verschmelzungssehnsüchte offenbart. Mit ihrer Weiblichkeit hatte die Malerin ähnliche Probleme wie Lytton mit seiner Maskulinität. Früh schon hatte sie den Vornamen abgelegt und sich Carrington rufen lassen. Ausdruck eines weiblichen Selbsthasses, der einige ihrer Liebhaber fast den Verstand kostete. Von solchen Nervositäten blieb die Beziehung zwischen Carrington und Lytton verschont. Bloomsbury lebten sie auf ihre Weise - als spirituelle, von sexuellen Querelen freie Androgynie.

Ein später weiblicher Shelley, ein urromantischer Charakter, wie er im Buche steht, war Carrington dennoch. Die vollkommene Hingabe an neue Empfindungen sei neben dem Malen das Wichtigste für sie gewesen, wird sie in Jane Hills Monographie zitiert. Ein Bekenntnis, das schlagartig ihre zwiespältige Attraktivität verdeutlicht, mit der sie auch Frauen in Bann schlug. Vor allem ihre suggestiven, von tiefem Schweigen erfüllten Bilder - Porträts, Landschaften, Blumenstilleben - legen den Eindruck nahe, daß Ichverlust die Hauptquelle ihrer Produktivität war. Als ob Carrington zeitweise Empfindung, nichts als Empfindung gewesen wäre... Ihre zahllosen Briefe illustrierte sie mit Skizzen, Zeichnungen, Miniaturen. Nichts, was nicht in ihrer Umgebung in ichauflösende ästhetische Sphären überführt worden wäre. Ins Innere der Bloomsbury-Gruppe wurde Carrington trotz soviel zivilisiertem Schönheitssinn dennoch nicht vorgelassen. Für Virginia Woolf gehörte sie zum weiteren Dunstkreis der "Bloomsbury bunnies". In den Genuß höherer Weihen kam Carrington nicht, weil sie als zu wenig intellektuell galt. Auch Bloomsbury kultivierte seine Doppelmoral, die wohl auch misanthropische Zickigkeit war. Davon berichtet einer, der es wissen muß: als Sohn Vanessas, der Schwester Virginia Woolfs, war Quentin Bell Augenzeuge.

Vor Jahren schon hatte Bell eine viel gerühmte Biographie über seine Tante Virginia vorgelegt, jetzt ist er, wie er gesteht, beim Versuch, seine Autobiographie zu schreiben, gescheitert. An die Hoch- und Tiefpunkte der Bloomsberries, seine "elders and betters" erinnert er sich stattdessen in Gestalt von 17 Porträts der wichtigsten Mitglieder. Zwar sind diese so unterhaltsamen wie informativen Kurzbiographien vornehmlich verlängerte Fußnoten zur überbordenden Bloomsbury-Literatur.

Faszinierend allerdings ist, daß hier einer spricht, der sein Leben aus einer Vielzahl solcher Schicksale webt, die auf ein ganzes Jahrhundert zurückblicken lassen. Ein Blick zurück nach vorn: Neubestimmung des Geschlechterverhältnisses, des sozialen und politischen Standortes der Intellektuellen - womit sich Bloomsbury auseinandersetzte, steht auch jetzt wieder auf der Tagesordnung. Briefzeichnungen von Dora Carrington aus dem Buch von Jane Hill.
Antworten
Gruenspan:

Up, wegen der

 
08.03.02 17:33
schönen Lektüre und natürlich AMAT.
Antworten
Gruenspan:

Heute 90-Day-High bei 53,40 Dollar erreicht.

 
08.03.02 22:10
Schöne News bei
www.bigcharts.com
MarketPulse
;-)
Antworten
Gruenspan:

R. Acampora von Prudential Sec. setzt auf AMAT

 
10.03.02 12:44
und Adobe Systems.
Beide Werte sehen technisch gut aus, und der SOX hat sein Januar-Hoch übertroffen, was ein weiters positives Signal ist.
Der SOX zählt nämlich zu den Frühindikatoren der Hightech-Branche.
;-)
Antworten
Gruenspan:

Achtung:

 
31.03.02 10:10
AMAT - Aktiensplit am 17.04.02 im V. 2:1 !!!
Antworten
Gruenspan:

Der

 
02.04.02 19:34
Chart von AMAT stimmt mich weiterhin optimistisch.
Antworten
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