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Trotz nur knapp verfehlter Umsatzerwartungen ($2,05 Mrd. statt $2,08 Mrd.; -1%) und mehr Gewinn ($395 Mio. statt $377 Mio.; +3,5%) als erwartet im 1. Quartal 2015 bekommt die Aktie heute ordentlich eins auf den Deckel. Nun ja, im Gegensatz zu Amazon kommt es halt nicht so gut an, wenn die Marge aufgrund von Investitionen in den mobilen Markt nicht ganz so toll ausfällt, wie gemeinhin erwartet. Nur wenn Amazon oder Twitter Geld in die Zukunft investieren, ist das gut für deren Aktienkurs. Chinesische Unternehmen müssen aber ihre Vorgaben deutlich übererfüllen, um an der Wall Street nicht abgestraft zu werden (aktuell -6%) ...
http://finance.yahoo.com/q?s=BIDU
In dem Thread, aus dem Du zitierst, ist auch ein Beitrag vom Juli 2012 enthalten, der den baldigen Zerfall der dortigen Wirtschaft vorhersieht. Natürlich hast Du Recht, wenn Du ein paar unhaltbare Umstände (Plagiate, Umweltverschmutzung, Ausbeutung) anprangerst, aber vielleicht hast Du auch nur einen eher einseitigen Blick auf die Dinge!?
Erst kürzlich habe ich hier einen Artikel eingestellt, in dem berichtet wurde, dass bei Amazon-Testkäufen 13 von 13 gekauften Handyakkus gefälscht waren (in Deutschland!). Vielleicht ist Dir nicht bewusst, dass immer mehr Deutsche (und insbesondere Kinder) von Armut bedroht sind, weil sie trotz eines Einkommens (der Eltern) nicht über die Runden kommen, während andere in Saus und Braus leben und sich die von Dir aufgezählten Automobilmarken in die Garage stellen. Im Bereich des Umweltschutzes ist Deutschland wirklich ein Vorzeigebeispiel, aber schaue Dir die Zustände in Teilen der USA an, wo nach wie vor unsortierte Müllberge weiter vor sich hinwachsen, Flüsse mit Abwässern von Industrieanlagen belastet werden oder (wie in Kalifornien) die wichtigen und knappen Wasserreserven von der Ober- und Mittelschicht zum Bewässern ihrer Vorgärten verwendet werden, während andernorts gar kein Wasser mehr in den Häusern (bzw. Barracken) der ärmeren Bevölkerungsschichten ankommt.
Wir (im Westen) sind keinen Deut besser als die Chinesen, aber immer ganz vorne dabei, mit dem Zeigefinger auf deren Versäumnisse zu zeigen, um von den eigenen Verfehlungen abzulenken. Lasse uns also erst einmal hier mit den Halsabschneidern und Verbrechern anfangen, bevor wir ein Beispiel für diejenigen sein können, die es (noch) nicht so gut machen wie wir! Ich selbst bin in den 1970ern aufgewachsen und ich kann Dir sagen, dass Deutschland nicht immer so schön grün und blau war wie heute. Auch in Deutschland mussten wir durch einen harten Lernprozess, bevor wir uns so um die Umwelt kümmern konnten, bis die Schlote der Fabriken nicht mehr den ganzen Müll herausblasen konnten, wie noch vor 40 Jahren "üblich". Auch wir hier in Deutschland hatten tote Flüsse und Seen im Überfluß. Warum also den Chinesen diese "Erkenntnisse" vorenthalten!? Wir hier haben uns diese Sauereien auch herausgenommen und jetzt sind es eben die Chinesen, die in ihrem eigenen Dreck baden müssen; sie werden es noch lernen, genauso wie wir hier in Westeuropa es auch lernen mussten.
Also immer schön cool bleiben und auch anderen Fehler zugestehen! Wir (im fortschrittlichen Westen) hätten es mit einer offeneren und globaleren Politik sicherlich auch anders steuern können, aber wir haben (damals) lieber eiserne Vorhänge errichtet und uns abgeschottet vor dem, was auf der anderen Seite passierte. Auch deswegen konnten wir nichts voneiander lernen und jetzt kannst Du mit dem Finger auf die zeigen, die genau dafür verantwortlich waren und damit eine Mitschuld an dem tragen, was in China in punkto Umweltschutz gerade passiert. Hauptsache Du sitzt bequem in Deinem Ohrensessel und lässt es Dir gutgehen. Für Dich haben nämlich die Generationen vor Dir den Dreck weggeschafft, von dem Du heute nichts (mehr) wissen willst...
... entspricht 1:1 derjenigen bei Alibaba vor einem Quartal. Bis auf die Zahlen könnte man das gerade so in die Vergangenheit kopieren und es würde millimetergenau passen. Deshalb denke ich auch, dass man nicht ganz so einfallslos sein wird, sollte Alibaba tatsächlich erneut "abgestraft" werden (sollen). Meiner Meinung nach hatten die Argumente damas schon keinen echten Bestand und durch das Herabsetzen der Erwartungen ist die Luft für Enttäuschungen doch schon arg dünn geworden.
Dennoch könnte man sagen, dass jedes Unternehmen nach ganz unterschiedlichen Maßstäben beurteilt wird. Bei dem einen ist es der Umsatz, bei dem anderen das EBITDA, beim nächsten der Überschuss nach Steuern und beim übernächsten die Marge. Bei Twitter (weil nichts vom genannten irgendwie Substanz hat) ist es die Nutzerzahl, und auch die wird dann noch in aktive und inaktive unterschieden. Man kannst es inzwischen drehen und wenden, wie man will: Es gibt keine einheitliche und somit eine vollkommen willkürliche Betrachtung der Unternehmenskennziffern. Damit lassen sich auch kaum noch sinnvolle Branchenvergleiche anstellen oder Unternehmen gegenüberstellen. Es ist wie ein Spiele-Quartett, bei dem auf jeder Karte andere Werte stehen und wer gewinnt, entscheidet ein Gremium von "Fachleuten" an der Börse, das die Zahlen im Vorfeld der Veröffentlichungen "prüft" und Reuters (oder wem auch immer) einen ersten Kommentar in den Notizblock diktiert. Der Rest läuft dann von ganz alleine, man könnte es auch auswürfeln...
... in dem es darum geht, wie man den Einstellungsstop bei Alibaba zu interpretieren hat, nämlich als Zeichen dafür, dass die Kosten stärker wachsen als die Umsätze und dadurch die Gewinnsituation belasten. Als ähnliches "Beispiel" wird der Verkaufsstop von Aktienanteilen der Vorstände bei Twitter erwähnt, um beim Anleger ein Zeichen für das Halten der Aktien zu setzen:
http://www.usatoday.com/story/tech/columnist/...aba-jack-ma/26640223/
Mit solchen Meldungen setzt man natürlich die Ziele unter Druck: Wachsen die Kosten tatsächlich schneller als Umsätze, wovon man bei Wachstumsunternehmen naturgemäß ausgehen muss, reicht das alleine (als Argument) dafür aus, den Kurs in Richtung Süden zu schicken. Dann ist es auch ganz gleich, ob und wie stark man letztlich wächst. Selbst (sehr) gute Zahlen könnten auf dieser Argumentationslinie ins Gegenteil verkehrt werden.
Ich selbst bleibe positiv eingestellt, was die zukünftigen Alibaba-Ergebnisse angeht. Nüchtern betrachtet werden die Zahlen sicherlich die Erwartungen (bezüglich Umsatz und Gewinn) erfüllen können. Es wäre aber ein kleines Wunder, wenn die Umsatzsteigerungen die Kostensteigerungen übertreffen sollten, daher wird es spannend sein zu beobachten, ob man diesen "vorbereiteten Trumpf" tatsächlich ziehen wird oder doch stecken lässt. Unter normalen Umständen müsste man dieses Vorhaben eigentlich umgehend honorieren und den Kurs stärken. Letztlich macht es ja durchaus Sinn, sich für bevorstehende Aufgaben das geeignete Personal zu besorgen, bevor die eigentliche Arbeit anfällt, die man sonst womöglich nicht (rechtzeitig und qualitativ hochwertig) bewältigen könnte.
Es ist so, wie ich es schon vor einiger Zeit im Yahoo!-Forum geschrieben habe: Aus einem Sammelsurium von Nachrichten fischt man sich tagtäglich einfach die heraus, die einem gerade gut in den Kram passen. Vielleicht wollte man damit vor den Zahlen noch ein paar Investoren mit zittrigen Händen aus der Aktie jagen, vielleicht will man diese Karte erst dann groß ausspielen, wenn die Zahlen kommende Woche präsentiert werden. Im positivsten Fall wird man diese Nachricht (zusammen mit guten Zahlen) dazu verwenden, dem Kurs wieder auf die Beine zu helfen und eine gute Zukunftsperspektive auszumalen.
Kleiner Zusatz am Rande: Aus irgendwelchen Gründen scheint der Autor dieses "Specials" davon auszugehen, dass Alibaba seine Zahlen bereits am kommenden Dienstag veröffentlichen wird. Wenn man schon so "tiefgreifend" recherchiert, sollte wenigstens eine banale Information wie diese korrekt wiedergegeben werden. Er geht auch zweimal auf diesen (falschen) Termin sein, so dass man nicht mehr von einem Versehen sprechen kann. Für mich ein Indiz dafür, dass die Meldung schon etwas länger in der Schublade von USA Today herumliegt und dem aktualisierten "Zeitplan" nicht angepasst wurde:
Alibaba meldet seine Zahlen am kommenden Donnerstag, den 07.05.2015 um 13:30 MESZ, also 2 Stunden vor Börsenbeginn!
... Mehrbelastungen (für aktuell 3.000 Mitarbeiter über dem Soll) in absoluten Zahlen bei gerade einmal $30 bis $40 Mio. pro Quartal liegen. Das ist ein Wert, der den Hasen ganz sicher nicht fett macht! Trotzdem wird es vermutlich die Karte sein, die man (als erstes) ausspielen wird, wenn die Kosten höher als erwartet liegen werden. Es geht ja gar nicht um die Zahlen. Das war auch bei den letzten Zahlen größtenteils Augenwischerei. Es geht darum, wohin "Smart Money" die Aktie schicken will. Der jetzige Zeitpunkt (nahe am Tief und kurz vor den Zahlen) könnte ein Hinweis dafür sein, dass man noch das letzte Stück Saft aus dem Wert pressen will, bevor man ihn wieder in Ruhe machen lässt...
Alibaba hat sicherlich mehr Strom- und Wartungskosten für seine (neuen) Rechenzentren als Mehrkosten durch sein "überschüssiges" Personal. In 3 Monaten ist die Aussage von Ma vergessen und Ende des Jahres haben sie 37.000 Leute auf der Lohn- und Gehaltsliste.
Er hat ja auch nicht gesagt, dass er die jetzige Belegschaft nicht braucht. Ganz im Gegenteil möchte er jeden ausscheidenden Mitarbeiter sofort ersetzen, aber er sieht wohl auch Einsparungsmöglichkeiten, die er bisher außer Acht gelassen hat. Womöglich werden auch einige Mitarbeier im Jahresverlauf von Alibaba zu Ant Financials oder anderen Ausgliederungen wechseln (müssen), was die Umsetzung des Programms zusätzlich erleichtert. Wir haben einfach zu wenig Informationen, um seine Ziele korrekt zu deuten.
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