Aktien kleiner Technologieunternehmen mit viel Geld in der Kasse trotzen der Krise.
Andrea Lengeling will es tun. Gilles Martin auch. Die Vorstandsvorsitzende der Marler TFG Venture Capital und der Chef der französischen Eurofins Scientific sind auf der Suche nach günstig bewerteten, kleinen Unternehmen am früheren Neuen Markt fündig geworden. Lengeling will den Frankfurter Softwareanbieter I:fao aufkaufen, Martin das Freiburger Biotech-Unternehmen Genescan. Beiden Unternehmen gemein ist ein hoher Kassenbestand in der Bilanz, der den Aufkauf für Schnäppchenjäger aus der Risikokapitalszene oder der Industrie lukrativ macht (WirtschaftsWoche 39/2002).
Anleger, die rechtzeitig auf die beiden Aktien setzten, liegen seit der Ankündigung der Übernahmen im Februar deutlich im Plus. Mehr Cash in der Kasse als Börsenwert auf dem Kurszettel – von den Aktien, die diesem Kriterium genügen, sind einige uninteressant, weil das Geschäftsmodell des Unternehmens zu schwach ist oder sein Geldverbrauch zu hoch. Andere Cash-Könige bieten durchaus noch Chancen. Beim Ein- und Ausstieg können sich Anleger an der Risikokapitalszene orientieren. Die lebt – allen erlittenen Niederlagen zum Trotz. Häufiger Knackpunkt für die Profis ist bei avisierten Übernahmen das Management des Wunschkandidaten: Halten die Vorstände zu viele Aktien, winken die Kaufinteressenten ab.
Wie bei dem Münchner Unternehmen Atoss Software, das Computerprogramme für Krankenhäuser entwickelt. Mehr als die Hälfte der Aktien liegt in den Händen der Gründer. Im vergangenen Herbst war das schwarze Zahlen schreibende Unternehmen an der Börse weniger wert, als es netto in der Kasse hatte. Seither ging der Kurs um 50 Prozent nach oben, die Lücke hat sich geschlossen – auch ohne realistische Übernahmefantasie. Die Ankündigung von Atoss, im Herbst 1,50 Euro je Aktie als Dividende auszuschütten, sichert den Kurs nach unten ab – gemessen am aktuellen Niveau winken 14Prozent Ausschüttungsrendite. Anleger sollten bei weiteren Kurszuwächsen Gewinnmitnahmen ins Auge fassen. Schließlich fließen die sechs Millionen Euro für die Dividenden aus dem Kassenbestand.
Spekulation für Wagemutige
Ähnliches gilt für den israelischen Druckindustriezulieferer Advanced Vision Technology (AVT). Aus dem üppigen Barbestand will AVT den Aktionären ein Drittel ihrer Papiere abkaufen – zu acht Dollar je Stück (7,30 Euro). Aktuell kostet die Aktie 3,80 Euro, das Angebot liegt also 90 Prozent über dem aktuellen Kurs. Anleger sollten jedoch bedenken, dass das Angebot nur für jedes dritte AVT-Papier gilt und sich das Management einen Teil der Ausschüttung in die eigene Tasche steckt. Denn ein Drittel der mehr als 700.000 ans Management ausgegebenen Aktienoptionen werden ebenfalls bedient. Vor der Transaktion müssen zudem noch die Hauptversammlung und der District Court in Tel Aviv grünes Licht geben. Anleger sollten Kursaufschwünge über die vier Euro zum Ausstieg nutzen – gegenüber dem Herbst ein stolzes Plus von 50 Prozent.
Noch besser hat sich der Aktienkurs von Heiler Software entwickelt. Nachdem sich der Börsenwert auf gut 20 Millionen Euro fast verdoppelt hat, liegt er exakt so hoch wie der Kassenbestand. Doch Heiler ist mit einem Jahresumsatz von 4,7 Millionen Euro nicht gerade ein Weltmarktführer. Vorsichtige nehmen deshalb jetzt Gewinne mit.
Wagemutige dürfen jedoch auf eine Übernahme zu noch höheren Kursen spekulieren. 20 Millionen Euro Börsenwert – damit liegt Heiler noch in der Gewichtsklasse, die ein Risikokapitalgeber wie beispielsweise TFG stemmen kann. „Wir schauen uns Unternehmen bis 20 Millionen Euro Marktkapitalisierung an“, so Lengeling. Die TFG-Vorstandsvorsitzende plant für dieses Jahr noch „zwei Deals“. Nicht ausgeschlossen, dass sie es tut.
www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/cn/...depot/0/index.html
Andrea Lengeling will es tun. Gilles Martin auch. Die Vorstandsvorsitzende der Marler TFG Venture Capital und der Chef der französischen Eurofins Scientific sind auf der Suche nach günstig bewerteten, kleinen Unternehmen am früheren Neuen Markt fündig geworden. Lengeling will den Frankfurter Softwareanbieter I:fao aufkaufen, Martin das Freiburger Biotech-Unternehmen Genescan. Beiden Unternehmen gemein ist ein hoher Kassenbestand in der Bilanz, der den Aufkauf für Schnäppchenjäger aus der Risikokapitalszene oder der Industrie lukrativ macht (WirtschaftsWoche 39/2002).
Anleger, die rechtzeitig auf die beiden Aktien setzten, liegen seit der Ankündigung der Übernahmen im Februar deutlich im Plus. Mehr Cash in der Kasse als Börsenwert auf dem Kurszettel – von den Aktien, die diesem Kriterium genügen, sind einige uninteressant, weil das Geschäftsmodell des Unternehmens zu schwach ist oder sein Geldverbrauch zu hoch. Andere Cash-Könige bieten durchaus noch Chancen. Beim Ein- und Ausstieg können sich Anleger an der Risikokapitalszene orientieren. Die lebt – allen erlittenen Niederlagen zum Trotz. Häufiger Knackpunkt für die Profis ist bei avisierten Übernahmen das Management des Wunschkandidaten: Halten die Vorstände zu viele Aktien, winken die Kaufinteressenten ab.
Wie bei dem Münchner Unternehmen Atoss Software, das Computerprogramme für Krankenhäuser entwickelt. Mehr als die Hälfte der Aktien liegt in den Händen der Gründer. Im vergangenen Herbst war das schwarze Zahlen schreibende Unternehmen an der Börse weniger wert, als es netto in der Kasse hatte. Seither ging der Kurs um 50 Prozent nach oben, die Lücke hat sich geschlossen – auch ohne realistische Übernahmefantasie. Die Ankündigung von Atoss, im Herbst 1,50 Euro je Aktie als Dividende auszuschütten, sichert den Kurs nach unten ab – gemessen am aktuellen Niveau winken 14Prozent Ausschüttungsrendite. Anleger sollten bei weiteren Kurszuwächsen Gewinnmitnahmen ins Auge fassen. Schließlich fließen die sechs Millionen Euro für die Dividenden aus dem Kassenbestand.
Spekulation für Wagemutige
Ähnliches gilt für den israelischen Druckindustriezulieferer Advanced Vision Technology (AVT). Aus dem üppigen Barbestand will AVT den Aktionären ein Drittel ihrer Papiere abkaufen – zu acht Dollar je Stück (7,30 Euro). Aktuell kostet die Aktie 3,80 Euro, das Angebot liegt also 90 Prozent über dem aktuellen Kurs. Anleger sollten jedoch bedenken, dass das Angebot nur für jedes dritte AVT-Papier gilt und sich das Management einen Teil der Ausschüttung in die eigene Tasche steckt. Denn ein Drittel der mehr als 700.000 ans Management ausgegebenen Aktienoptionen werden ebenfalls bedient. Vor der Transaktion müssen zudem noch die Hauptversammlung und der District Court in Tel Aviv grünes Licht geben. Anleger sollten Kursaufschwünge über die vier Euro zum Ausstieg nutzen – gegenüber dem Herbst ein stolzes Plus von 50 Prozent.
Noch besser hat sich der Aktienkurs von Heiler Software entwickelt. Nachdem sich der Börsenwert auf gut 20 Millionen Euro fast verdoppelt hat, liegt er exakt so hoch wie der Kassenbestand. Doch Heiler ist mit einem Jahresumsatz von 4,7 Millionen Euro nicht gerade ein Weltmarktführer. Vorsichtige nehmen deshalb jetzt Gewinne mit.
Wagemutige dürfen jedoch auf eine Übernahme zu noch höheren Kursen spekulieren. 20 Millionen Euro Börsenwert – damit liegt Heiler noch in der Gewichtsklasse, die ein Risikokapitalgeber wie beispielsweise TFG stemmen kann. „Wir schauen uns Unternehmen bis 20 Millionen Euro Marktkapitalisierung an“, so Lengeling. Die TFG-Vorstandsvorsitzende plant für dieses Jahr noch „zwei Deals“. Nicht ausgeschlossen, dass sie es tut.
www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/cn/...depot/0/index.html
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