27.09.2010, 18:56 Schriftgröße: AAA
Southwest
Mutter aller Billigflieger packt die Kauflust
Sie ist das Vorbild für Spar-Airlines wie Ryanair oder Easyjet. Deshalb schaut die Branche genau hin, wenn Southwest etwas macht, was man als Billigflieger eigentlich nicht tut: einen Milliardenzukauf wagen. von Annette Berger (Hamburg) und Oliver Forrer (New York)
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British Airways und Iberia, Air France und KLM: Bisher war Fusionieren vor allem etwas für die großen, etablierten Fluglinien. Für Billigflieger galt - bis auf kleinere Ausnahmen - die Faustregel: Wachsen aus eigener Kraft ist die Devise.
Southwest startete vor gut 40 Jahren. Heimat der Fluglinie ist Dallas Doch die Regel wird jetzt gebrochen. Denn aus den USA kommt die Nachricht von einem Zusammenschluss, der die Brache aufhorchen lässt. Southwest, die Mutter aller Billigflieger, kündigte am Montag an, den kleineren Rivalen AirTran zu schlucken.
US-Presseberichten zufolge ist es der erste Deal unter amerikanischen Billigfliegern in dieser Größenordnung. Die Börse reagierte euphorisch: Um 62 Prozent schossen Papiere von AirTran im frühen New Yorker Handel in die Höhe. Aber auch für den Käufer gab es einen deutlichen Zuwachs: Die Aktie von Southwest verteuerte sich um zwölf Prozent.Kursinformationen und Charts
SOUTHW. AIRL. CO. DL 1 14 USD [1.72] +14,01%
1 Tag5 Tage3 Monate1 Jahr3 Jahre
AIRTRAN HLDGS DL-,01 7,4 USD [2.85] +62,64%
1 Tag5 Tage3 Monate1 Jahr3 Jahre
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Für den Zukauf zahlt die im texanischen Dallas beheimatete Fluglinie 1,4 Mrd. Dollar in bar und eigenen Aktien. Das AirTran-Management unterstütze das Geschäft.
Die Fusionswelle in der Luftfahrtbranche gewinnt damit noch einmal an Dynamik. In den USA schließen sich gerade Continental und United Airlines zur größten Fluggesellschaft der Welt nach Passagieren zusammen. In Europa hatte sich British Airways die spanische Iberia einverleibt. Air France-KLM sind inzwischen ein gemeinsames Unternehmen.
Auch im Fall von Air Berlin gab es zuletzt Spekulationen, dass British Airways Interesse habe. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold widersprach jedoch.
In allen diesen Fällen versuchen die Gesellschaften, durch ein Zusammengehen ihre Marktpositionen zu sichern oder auszubauen. Keiner einziger dieser Akteure ist ein Billigflieger, auch nicht die zweitgößte deutsche Fluglinie Air Berlin.
Die großen Fluglinien lernen von der günstigen Konkurrenz
Die Günstig-Flieger blieben beim Konsolidieren bisher meist außen vor. Auch Southwest verfolgte bisher vor allem die Strategie, sich aus eigener Kraft auszudehnen. Ihre letzte große Akquisition stemmten die Texaner vor fünf Jahren.
Fachleute warnen seit einiger Zeit, das Geschäftsmodell der Billigflieger stoße an seine Grenzen. Zwar hatten sie während der Wirtschaftskrise von preisbewussten Geschäftsreisenden profitiert und den großen Fluglinien Kunden abgejagt. Doch die Etablierten lernen auch hinzu und versuchen, Teile der schlankeren Kostenstrukturen der Billigkonkurrenz auf ihre eigenen Geschäftsmodelle zu übertragen.
Auf die Billigflieger steigt daher der Druck zu reagieren und sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. In den USA wird daher die Flugline Jet Blue als möglicher Kandidat für einen Zusammenschluss gehandelt.Teil 2: Auch Ryanair versuchte einmal einen Groß-Zukauf