Aus der Mittelbayrisxhen Zeitung vom 21.03.2002
Frankfurter SPS schnappt sich die «schlafende» Adori AG
Zukunft als Telekom-Anbieter? / Übernahme für 2,50 Euro pro Aktie
Von Kai Gohlke und Bernhard Fleischmann, MZ
REGENSBURG. Die Regensburger Adori AG hat einen neuen
Mehrheitsaktionär. Wie der am Neuen Markt notierte, brach liegende InternetDienstleister per Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab, hat die Frankfurter SPS Vermögensverwaltung GmbH 53 Prozent der Adori-Aktien übernommen.
SPS hat demnach die Anteile folgender Aktionäre zum Preis von 2,50 ¬ pro Aktie erworben:
Theo Lieven (22,6 Prozent), Brainpool (7,5), Stadtsparkasse Köln (7,5), KDV (7,5),
PlugIn-Equity (6,8) und Haubrok (1,1). Damit bezahlt SPS ziemlich exakt den Preis je Aktie, den Adori rein nach dem Kassenbestand (derzeit 26,4 Millionen ¬) wert ist. Den Börsenmantel gibt es kostenlos dazu.
Der Kurs der Adori-Aktie hatte in den vergangenen Tagen
bereits leicht angezogen, nachdem schon am Freitag in
einschlägigen Internet-Foren kolportiert worden war, dass es am Dienstag eine Ad-hoc-Meldung geben solle, die eine «Abfindung der Altaktionäre zu 2,50¬» in Aussicht
stelle. Hier muss ein Insider geplaudert haben wohl ein gravierender Verstoß gegen einschlägige
Gesetze und somit ein Fall für die Börsenaufsicht. Am Dienstag legte der Kurs von 1,79 auf 1,92
zu bevor die Übernahme bekannt gegeben wurde. Gestern zog
der Kurs sofort nach Handelsbeginn kräftig an auf rund 2,35
Der erst Ende Februar neu gewählte Aufsichtsrat der Adori AG trat sofort zurück. Das Kontrollgremium solle «durch
gerichtlichen Beschluss» mit Ulrich Altvater, Hubert Hesse und Uwe Gabbert neu besetzt werden. Den Vorstandsposten
werde sich der bisherige Adori-Chef Martin Kagerer ab sofort mit Paul Kößler teilen.
Sammelbecken für WLL-Lizenzen
Kagerer war gestern auf Nachfrage der MZ noch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Er verwies auf den Hinweis in der Ad-hoc-Meldung, dass Adori «in den nächsten Wochen» über die
weiteren Schritte im Zuge der Neuausrichtung informieren werde. Auch von der SPS Vermögensverwaltung waren gestern keine konkreten Aussagen zu erhalten, was man mit Adori
vor habe. «In zehn bis 30 Tagen», so sagte Ralf Hamm von der PR-Agentur des Frankfurter Unternehmens, solle es ausführliche Informationen geben.
Nach zuverlässigen MZ-Quellen will die SPS die Adori zum Telekommunikationsanbieter im Massenmarkt machen. Dabei geht es um die «letzte Meile» in den lokalen Netzen. SPS verfügt
einem Insider zufolge über WLL-Lizenzen, die einen Breitbandzugang unabhängig vom Festnetz über Funk ermöglichen (Siehe «Stichwort»). Der neue Mehrheitseigner wolle mehrere Gesellschaften mit WLL-Lizenzen in die Adori einbringen. Dazu passt auch, dass der Name eines der neuen Aufsichtsräte Altvater für das Systemhaus WIMAN im baden-württembergischen Bad Rappenau steht. Und WIMAN verkündet online: «Wir streben nach der weltweiten
Marktführerschaft im Wireless Local Loop (WLL).»
Artikel von jkirschn - überstellt am 21.3.2002
Quelle: www.donau.de/mzonline