DIE TELEBÖRSE SEPT. 2001
DEN ZUSCHLAG ERHALTEN
Das erste Fax von Vancouver nach London versandte er im Februar 2001. Sechs
Monate und viele Faxe später steht Ron Miller, Finanzvorstand von Ableauctions, kurz davor, den transatlantischen Deal perfekt zu machen. Für 14 Millio -
nen Dollar in Aktien will Ableauctions, ein Spezialist für Bankrott-Auktionen, den englischen Kunstauktionator Icollector übernehmen. Bis zum 5. September
haben die Aktionäre von Icollector Zeit, das Angebot anzunehmen.
Da die Briten im Falle der Ablehnung den Gang zum Konkursrichter antreten müssten, haben sie im Prinzip keine andere Wahl, als die Übernahme abzunicken.
Ron Millers Ziel: Innerhalb eines Jahres will er aus dem britischen
Geldverbrenner ein profitables Unternehmen formen – wahrlich eine schwierige Aufgabe, denn bisher hatte Icollector jeden Monat ein Minus von 200 000 Pfund in den Büchern.
Seit Miller im Vorgriff auf die Akquisition
das Kommando übernahm, hat er diese Rate auf 50 000 Pfund reduziert. Dass
Icollector trotzdem sein Geld wert ist, zeigt die Partnerschaft mit Ebay. Seit Januar verbindet Icollector den amerikanischen Internet-Auktionator mit der eigenen, dem Kunstmarkt verbundenen Klientel . – für beide ein gutes
Geschäft.
MASSE BRINGT KASSE
Dass Auktionshäuser Kontakt zum Internet-Publikum suchen, ist sinnvoll. Selbst wenn die per Mausklick mitbietenden Interessenten nicht den Zuschlag erhalten: allein durch ihre Teilnahme und das eine oder andere Gebot treiben sie den Verkaufspreis um durchschnittlich 20 Prozent nach oben. Für Auktionatoren ist das natürlich Musik in den Ohren. Gekauft wird aber auch online: Nach Angaben von Ebay machen Auktionshäuser, die per Internet mitbieten lassen, rund 20
Prozent ihrer Umsätze mit Geboten, die per Mausklick übermittelt wurden.
Icollectors Wert ergibt sich vor allem aus seinem Netzwerk. Die vom französischen Milliardär Bernard Arnault geförderten Briten unterhalten Beziehungen zu mehr als 300 Auk tionshäusern.
Die will Miller mit einer von Ableauctions entwickelten Software ausrüsten, die es den angeschlossenen Kunsthäusern erlaubt, das Millionenpublikum von Ebay an ihren Auktionen teilnehmen zu lassen. Darin liegt auch die Synergie der beiden ungleichen Auktionatoren. Sollte die transatlantische Zusammenarbeit wie geplant klappen, dann verdient Miller doppelt: zunächst an Software-Lizenzen, dann an Kommissionen, die über Ebays Auktionen entstehen.
Hauptinvestor von Icollector ist mit Schroders eine renommierte britische Investmentbank – sie begleitet auch den Aktientausch.
Kein Zufall, dass das Management von Ableauctions als Sanierer der Kunstauktions-Site ausgewählt wurde. Allein im vergangenen Jahr akquirierte Ron Miller acht Auktionshäuser und bewies dabei bis auf eine Ausnahme (Surplus Office) immer ein gutes Gespür. Alle schreiben im operativen Geschäft schwarze Zahlen. Belastend auf das Ergebnis von Ableauctions wirken sich jedoch die Entwicklungskosten für die Übertragungs-Software aus. Deshalb wird Miller
in diesem Jahr auch keine schwarzen Zahlen präsentieren können.
Was im Moment jedoch zählt, ist die Chance, das Geschäft auszuweiten. Denn dank Icollectors Verbindungen könnten sich für Ableauctions beim US-Unternehmen
Ebay weitere Türen öffnen.
FAZIT: Konzept und Unterstützung von Banken stimmen positiv. Weiter Kaufen.
BJÖRN GODENRATH
Genau auf die Partnerschaft mit eBay setzte auch die Telebörse. Und diese wurde gerade im ersten Zug am vergangenen Freitag public gemacht. Jetzt gibt es meiner Meinung nach die größten Chancen, die wir jemals hatten.