Der Abacho AG, manchen vielleicht noch aus Zeiten des Neuen Markts als Endemann!! Internet AG bekannt, ist nach langen Jahren mit zum Teil hohen Verlusten endlich der Sprung in die Gewinnzone gelungen. Dazu beigetragen hat insbesondere der überragende Start des Portals für Handwerker-Auktionen "My-Hammer.de", das nach Überzeugung der Verwaltung für die Zukunft noch erhebliches Potenzial eröffnet.
Mitgeteilt wurde dies den Aktionären auf der Hauptversammlung, die am 26.5.2006 im Zeughaus am Sitz der Gesellschaft in Neuss stattfand. Dort hatten sich mehr als 100 Aktionäre und Gäste eingefunden, unter ihnen auch Matthias Wahler von GSC Research, als der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Gereon Mertens die Veranstaltung um 11:30 Uhr eröffnete. Nach der Erledigung der Formalien übergab Dr. Mertens das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Ingo Endemann.
Bericht des Vorstands
"2005 war ein sehr erfolgreiches Jahr für die Abacho", begann Herr Endemann seine Ausführungen. Die Produkte und die Geschäftsfelder wurden weiterentwickelt, und es wird erstmals ein positives Jahresergebnis ausgewiesen. Dies ist nach seiner Aussage deshalb ein ganz besonderer Erfolg, weil gleichzeitig mit My-Hammer.de ein neues Geschäftsfeld gestartet wurde, das natürlich zunächst Ausgaben verursacht hat. Herr Endemann sieht die Abacho AG heute stabil aufgestellt und gut positioniert.
Das Flaggschiff der Gruppe, die Suchmaschine Abacho, wurde nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden von Grund auf neu gestaltet und weist nun eine verbesserte Nutzerführung und ein neues Design auf. "Abacho.de hat sich im Top-Umfeld der Suchmaschinen bewährt", erklärte er. Angeboten wird neben der Seite abacho.de, die eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen wie aktuelle Nachrichten und verschiedene Services bietet, auch die Plattform abacho.com, die sich auf die reine Suchmaschinenfunktion konzentriert und dafür deutlich schnellere Ladezeiten aufweist. Durchgesetzt hat sich auch bereits das neue Angebot abacho4you.de, mit dem sich eine Websuche auf der eigenen Homepage installieren lässt.
Gut entwickelten sich laut Herrn Endemann aber nicht nur der Portalbereich und die Suchmaschinen, sondern auch die Chats. Dabei hat vor allem das österreichische Angebot "chat.at" stark an Beliebtheit gewonnen. Erfolgreich waren außerdem die Mobilen Dienste, wenngleich das Wachstum hier sich wegen eines verschärften Wettbewerbs etwas abgeschwächt war.
Herr Endemann kam dann zum Angebot My-Hammer.de, das über eine Entwicklungszeit von zwölf Monaten aufgebaut wurde und in das hohe Vorleistungen investiert wurden. Die Auktion funktioniert nach dem Prinzip "Wer bietet weniger", was den Preis für die nachgefragten Dienstleistungen drastisch reduzieren kann. Mit diesem einzigartigen Konzept ist My-Hammer.de sehr schnell der Marktführer geworden und wächst nun rasant weiter. Jeden Tag werden laut Herrn Endemann 400 neue Nutzer gewonnnen und mehr als 1.500 neue Gebote abgegeben. Inzwischen konnte die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck als Partner gewonnen werden, die nun mit einer Minderheitsbeteiligung investiert ist und die weitere Entwicklung durch Kapital und Know-how unterstützt.
Um die Bekanntheit der einzelnen Marken und damit die Nutzerzahl zu steigern, soll künftig noch verstärkt auf TV-Werbung zurückgegriffen werden. Zwei neue Spots für www.abacho.de und www.my-hammer.de, die in Kürze auf RTL 2 und Pro 7 ausgestrahlt werden, wurden auf der Hauptversammlung als Premiere gezeigt und von den Anwesenden mit viel Beifall bedacht.
Im Folgenden erläuterte der Vorstand dann einige Positionen der Bilanz, in der sich insgesamt nur geringe Veränderungen ergeben haben. Die Bilanzsumme liegt wie im Vorjahr bei 6,4 Mio. EUR, und auch das Eigenkapital notiert mit 2,9 Mio. EUR praktisch auf dem Stand des Vorjahres. Nach wie vor ist mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht, das zum Bilanzstichtag 12,2 Mio. EUR betrug.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wurde dann eine Kapitalerhöhung durchgeführt, über die 1,2 Millionen Aktien zu 2,80 EUR ausgegeben und liquide Mittel im Volumen von gut 3 Mio. EUR eingesammelt wurden. Dies stärkt nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden die Position des Unternehmens bei Verhandlungen bezüglich der weiteren Entwicklung von My-Hammer.de. "Wir stehen finanziell auf soliden Beinen", so Herr Endemann. Die Bankverbindlichkeiten von 2,9 Mio. EUR stammen nach wie vor ausschließlich aus der langfristigen Immobilienfinanzierung und werden mit 3 Prozent pro Jahr getilgt.
Der Umsatz hat sich, wie Herr Endemann weiter berichtete, im vergangenen Jahr von 3,6 auf 3,2 Mio. EUR ermäßigt. Deutlich gestiegen sind dagegen die sonstigen betrieblichen Erträge von 0,1 auf 0,6 Mio. EUR. Die Kostenstrukturen konnten auf allen Ebenen verbessert werden, und so liegen Material- und Personalaufwand und auch die Abschreibungen zum Teil deutlich unter dem Vorjahreswert. Der Fehlbetrag des Vorjahres in Höhe von 0,4 Mio. EUR konnte deshalb in einen kleinen Gewinn von 58 TEUR verwandelt werden. Alle Geschäftsbereiche steuern dabei ihren Teil zu dem positiven Ergebnis bei. Die einzige Ausnahme ist der Immobilienbereich mit Umsätzen von 38 TEUR und einem Verlust von 48 TEUR. Noch immer ist es nicht gelungen, den geplanten Verkauf (siehe hierzu auch den HV-Bericht 2005 von GSC Research) zu akzeptablen Bedingungen durchzuführen. Laut Herrn Endemann wurden aber vielversprechende Gespräche geführt und außerdem die Büroflächen renoviert, um auf diese Weise die Einnahmen zu erhöhen. In Erwägung gezogen wird inzwischen auch ein Teilverkauf.
Große Freude macht Herrn Endemann das Portal My-Hammer.de, das bei einem vermittelten Auftragsvolumen von 10 Mio. EUR bereits nach sechs Monaten Erlöse von 200 TEUR und ein Ergebnis von 110 TEUR beisteuert. In 2006 wird sich der Umsatz in diesem Bereich nach seiner Überzeugung mindestens verdreifachen.
Allgemeine Aussprache
Als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) meldete sich wie in den Vorjahren Herr Marc Tüngler zu Wort. Dieser zeigte sich hocherfreut, dass das lange Tal der Tränen nun endlich durchschritten scheint, denn diesen Erfolg hat er zumindest nicht so schnell erwartet. "Es sieht nach einem Neuanfang aus", so der Redner. Dargestellt sieht er dies auch an der fulminanten Entwicklung der Aktie, die mit der Meldung über die positive Entwicklung von My-Hammer zwar gewaltig an Wert gewonnen, davon bis heute aber schon wieder viel abgegeben hat und sich sehr volatil zeigt.
Aufgefallen war Herrn Tüngler, dass in den sonstigen betrieblichen Erträgen periodenfremde Erträge in Höhe von 0,5 Mio. EUR enthalten sind. Ohne diese Einnahmen wäre das Ergebnis demnach überhaupt nicht positiv ausgefallen. Deshalb erkundigte er sich nach der Herkunft dieser Position und wollte wissen, ob diese Einnahmen denn auch wiederholbar sind oder wie die entstehende Lücke alternativ im laufenden Jahr geschlossen werden soll. Bei diesen periodenfremden Erträgen handelt es sich laut Herrn Endemann um Auslandsumsätze, die über den französischen Partner abgewickelt worden waren. Dieses Unternehmen wollte einen langfristigen Vertrag nicht mehr erfüllen, wogegen die Abacho geklagt und gewonnen hat. "Es handelt sich dabei um Umsatz", betonte der Vorstandsvorsitzende. Inzwischen wurden neue Verträge mit anderen Vermarktern geschlossen, die vernünftige Zahlen vorweisen, weshalb hier also keine Lücke entstehen wird.
Auch Herr Tüngler hegte große Erwartungen bezüglich der Plattform My-Hammer.de. Diese könnte seiner Meinung nach die nächste Zündungsstufe für die Abacho bedeuten. Wissen wollte er in diesem Zusammenhang, ob diese Software komplett selbst entwickelt wurde oder ob für die Nutzung Lizenzzahlungen geleistet werden müssen. Nicht nachvollziehen konnte der DSW-Sprecher, warum die Holtzbrinck-Gruppe mit ins Boot geholt wurde. Diesbezüglich fragte er nach den Konditionen und, wie später auch noch zwei Kleinaktionäre, nach der Höhe der Beteiligung. Unklar war ihm, wie die neue Plattform schon nach wenigen Monaten der Marktführer sein kann, was nach seiner Überlegung nur bei einem sehr kleinen Markt so schnell erreicht werden kann. Zudem erkundigte er sich nach dem konkreten Marktanteil und dem Wettbewerbsumfeld.
In seiner Antwort legte der Vorstandsvorsitzende dar, dass sich Holtzbrinck in einer Zeit als strategischer Investor beteiligt hat, als es darum ging, die neue Auktion groß und bekannt zu machen, was von Seiten Abacho sehr begrüßt wurde. Über die Einzelheiten des Vertrags wurde Stillschweigen vereinbart, die Konditionen sind laut Herrn Endemann aber durchaus attraktiv für die Abacho. Abgegeben wurde nur eine Minderheitsbeteiligung, die genaue Höhe konnte der Vorstandsvorsitzende nicht nennen, die Abacho hat aber, wie er ausdrücklich betonte, nach wie vor das Sagen.
Für die Abacho hat die Beteiligung dieses Investors nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden gleich drei Vorteile. Erstens wurde Geld eingebracht für die weitere Entwicklung, ohne die Fäden aus der Hand zu geben, zweitens kann Holtzbrinck einiges an Know-how beisteuern und nicht zuletzt auch noch eine erhebliche Medienpräsenz ermöglichen. Entwickelt wurde das Produkt ganz allein von der Abacho, es müssen also keine Lizenzzahlungen geleistet werden.
Zum Markt wollte der Vorstandsvorsitzende, da sich auch Wettbewerber im Raum befanden, nicht viel sagen. Der Markt für Handwerksdienstleistungen ist nach seiner Aussage riesig, und selbst das Erreichen eines Marktanteils von 1 Prozent, was er für problemlos möglich hält, würde für My-Hammer.de ein ganz erhebliches Potenzial bedeuten. Die Zahl der Wettbewerber schätzt er auf etwa 50, und neue kommen noch hinzu. So macht sich auch Ebay Gedanken über dieses Metier, My-Hammer nimmt nach seiner Aussage aber ganz klar die führende Position ein.
Den verstärkten Einsatz von Werbung zur Steigerung der Bekanntheit empfand Herr Tüngler grundsätzlich als den richtigen Weg, er bat jedoch inständig darum, mit dem nun wieder reichlich zur Verfügung stehenden Geld mit Augenmaß zu arbeiten. Einen nochmaligen Vertrauensverlust dürfte das Unternehmen seines Erachtens nicht verkraften. In diesem Zusammenhang interessierte den DSW-Vertreter auch der aktuelle Kassenbestand. "Sie können sicher sein, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben", entgegnete hierauf Herr Endemann. Zur Verfügung stehen nach seiner Aussage rund 6,3 Mio. EUR, die zurzeit festverzinslich angelegt sind.
Wissen wollte Herr Tüngler außerdem, ob sich im Zuge der Kapitalerhöhung Veränderungen in der Aktionärsstruktur ergeben haben, was er vermutete, nachdem Herr Endemann offenbar 700.000 Aktien verkauft hat. Aktionär Kurt Fiebich wollte in diesem Zusammenhang wissen, zu welchem Kurs sich der Vorstandsvorsitzende von seinen Papieren getrennt hat. Laut Herrn Endemann hat es in der Aktionärsstruktur nur minimale Verschiebungen gegeben. Er selbst hat einige Aktien an interessierte Investoren abgegeben, die an ihn mit dieser Bitte herangetreten sind. Der Preis richtete sich nach dem damaligen Börsenkurs rund eineinhalb Wochen nach der Kapitalerhöhung und lag damit in der Region um 2,80 EUR. Wie er ergänzte, hält er aber weiterhin die Mehrheit am Unternehmen.
Bezüglich des Immobilienverkaufs fragte der DSW-Sprecher dann, welche Angebote bereits vorliegen. Zu große Hoffnungen auf hohe Erträge wollte er sich nicht machen, schließlich müsse auch noch der Kredit dagegen gerechnet werden. Wie ihm der Vorstandsvorsitzende darlegte, besteht weiterhin die Absicht, zumindest einen Teil des Grundstücks oder der Immobilien zu verkaufen, wenn ein vernünftiger Preis geboten wird. Der Mietmarkt gestaltet sich allerdings etwas schwierig, und außerdem werden auch Flächen für die weitere Entwicklung von My-Hammer benötigt, die rasant wächst. Insofern besteht hier kein Zeitdruck. Zu möglichen Erlösen machte Herr Endemann keine Angaben.
Des Weiteren interessierte den Redner die Höhe der Verlustvorträge. Nach seiner Einschätzung müssten es einige Millionen Euro sein, weshalb ihm die aktivierten latenten Steuern mit nur 182 TEUR sehr gering erschienen. In diesem Zusammenhang war auch die spätere Frage von Herrn Fiebich nach einer Erklärung für die negativen Gewinnrücklagen zu sehen, die dieser so noch nie gesehen hat. "Wir hätten die latenten Steuern nach Gutdünken aufblähen oder reduzieren können", so der Vorstandschef in seiner Antwort. Man habe sich aber entschieden, diese einfach auf dem Stand des Vorjahres zu belassen, um die solide Bilanzstruktur zu erhalten. Dass die Gewinnrücklagen negativ sind, hängt nach seiner Aussage mit der Rechnungslegung nach IFRS zusammen. Eingeflossen ist in diese Position auch der Bilanzverlust von knapp 16 Mio. EUR, insofern handelt es sich bei dieser zum größten Teil um Verlustvorträge.
Schließlich fragte Herr Tüngler noch nach einer Prognose für das laufende Jahr, die ihm Herr Endemann aber nicht geben konnte. Gerade im Bereich My-Hammer.de lässt sich die Entwicklung nach seiner Aussage überhaupt nicht abschätzen. Abhängig sei diese vor allem von der Steigerung der Bekanntheit, die durch die Werbemaßnahmen erreicht werden kann. Die Rendite sei in diesem Bereich auf jeden Fall enorm.
Abstimmungen
Die Präsenz wurde mit 4.802.426 Aktien oder 35,81 Prozent des Grundkapitals ermittelt. Alle Beschlüsse wurden dann mit großer Mehrheit wie vorgeschlagen gefasst. Im Einzelnen waren dies die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Bestellung der Warth & Klein GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 4), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals (TOP 5), die Änderung der Schreibweise von "ABACHO AG" in "Abacho Aktiengesellschaft" (TOP 6) und der Verzicht auf die individualisierte Offenlegung der Vorstandsvergütung (TOP 7).
Fazit
Endlich ist es der Abacho AG gelungen, das tiefe Tal der Tränen zu verlassen und in die Gewinnzone vorzustoßen. Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung im Februar 2006 ist das Unternehmen auch wieder solide finanziert und verfügt über einen Cashbestand in Höhe von 6,3 Mio. EUR. Ein Teil der Mittel soll nun für gezielte Werbeaktionen eingesetzt werden, um den Erfolg der Suchmaschine www.abacho.de und vor allem der neuen Auktionsplattform für Handwerk und Dienstleistung www.my-hammer.de zu steigern. Letztere entwickelt sich rasant und hat sich schon ein halbes Jahr nach dem Start zur führenden Plattform in diesem Segment gemausert.
Die Aktie hat auf diesen Erfolg mit einem deutlichen Kurssprung reagiert, von dem allerdings schon wieder einiges verloren gegangen ist. Trotzdem ist das Unternehmen an der Börse noch mit rund 26 Mio. EUR bewertet, womit die erwarteten Erfolge zum Teil schon vorweggenommen sind. Noch ist ein Gewinn in Millionenhöhe schließlich nicht konkret absehbar. Sollte sich My-Hammer aber wirklich dauerhaft als die Top-Seite in diesem Bereich durchsetzen, dürfte tatsächlich ein enormer Gewinnsprung bevorstehen.