Hallo an Eisbär und alle Foristen.
Vielen Dank für Deine Einschätzung der Lage, die ich teile. Vor ein paar Tagen habe ich meine Einschätung in einem anderen Forum gepostet, und freue mich darüber, daß wir sehr nah beianderliegende Berechnungen und Schätzungen gemacht haben. Das spricht womöglich dafür, daß wir im Wesentlichen richtig liegen.
Hier mal der Beitrag, den ich meine:
Grober Überblick
Ich möchte hier mal nach langem Mitlesen meinen Senf dazugeben. Mir ist klar, daß das nichts grundlegend Neues ist, aber vielleicht hilft es, mal wieder einen groben Überblich zu erhalten.
Datengrundlage ist im Wesentlichen der Geschäftsbericht 2022 sowie die entsprechende Präsentation. Cash, Immobilenwert etc. haben sich seit dem Bericht sicher etwas verändert.
1. Ausgangslage für aroundtown SA:
a) Immobilienwert (Buchwert): ca. 30 Mrd. (siehe S. 75 des GB 2022)
b) Cash: ca. 3 Mrd. (wohl inkl. der zum Verkauf bestimmten Immobilen);
dazu noch einige Assets wie goodwill etc. (siehe Seite 70 f d. GB)
c) Schulden (Anleihen mit Laufzeitbegrenzung, Bankkredite usw.): ca. 15 Mrd., also LTV ca. 40 %
d)) Perpetual notes (zählt als Eigenkapital, sind aber de facto auch Schulden): ca. 4,7 Mrd (siehe S. 76 des GB), also 55 % EPRA LTV
e) Zinslast: Bei den "normalen" Schulden beträgt die Zinslast ca. 1,4 %
Bei den Perpetuals ist sie variabel und liegt bei den zuletzt nicht zurückbezahlten perpetuals bei 6-7 %. Zu den perpetuals und ihren Zinssätzen siehe S. 45 der Finanzpräsentation.
Durch die höheren Zinssätze dieser perpetuals stieg die Zinsbelastung um 19,5 Mio. ., wobei diese anscheinend nicht bei den "Finance expenses" auftauchen, sondern bei der Berechnung des FFO I vom Ergebnis abgezogen werden (S. 81).
Im Geschäftsbericht heißt es zu den "Finance expenses", daß diese in 2022 bei 185 Mio. lagen. (Seite 64.)
Die Zahlungen auf die perpetuals lagen bei 118,1 Mio. (ebenda).
Außerdem werden in 2023 voraussichtlich mindestens 85 % der Zinsen "gehedgt" sein. Was genau die Auswirkungen davon sein werden, weiß ich nicht.
f) FFO I: 362 Mio.
2. Neue Lage, v.a. wegen gestiegener Zinsen
Aus meiner Sicht besteht das Kernproblem von aroundtown in den gestiegenen Zinsen. Anhand der neu aufgenommenen Bankkredite sieht man, daß aroundtown nicht mehr wie bisher im Schnitt 1,4 % zahlen muß, sondern eher 5 % (1,3 % plus EURIBOR-Zinssatz, vgl. Seite 10 der Finanzpräsentation)
Wenn aroundtown die perpetuals weiterlaufenläßt, wird sich deren Zinssatz auf ca. 7 % erhöhen.
Das scheint aber alles besser zu sein, als neue Anleihen zu begeben.
Wenn man jetzt unterstellen würde, daß aroundtown alle fälligen Schulden refinanzieren würde, läge die durchschnittliche Zinsbelastung in ein paar Jahren bei ca. 6 Prozent. Sollten die Notenbanken die Zinsen erhöhen, wäre das noch mehr.
Bei durchschnittlich 6 % Zinsen (inkl. Zahlungen für perpetuals) würde sich also die Zinsbelastung in Vergleich zu 2022 ungefähr vervierfachen. Statt wie in 2022 ca. 303 Mio. wären das dann ca. 1,2 Mrd. ! Der FFO I von derzeit 362 Mio. wäre dann ganz böse im Eimer.
3. Lösungsweg
Anhand dieser Berechnung meine ich zu erkennen, daß aroundtown versuchen muß, möglichst wenig zu refinanzieren. Bis Ende 2025 ist dies anhand des Cash-Bestandes anscheinend möglich.
Ab 2026 müssen jährlich ca. 3 Mrd. möglichst abgezahlt, und nicht refinanziert werden.
Das kann m.E. nur gelingen, wenn ab jetzt Immobilienverkäufe in einer Größenordnung von mindestens 1 Mrd. jährlich getätigt werden. Alleine aus dem operativen Geschäft kommt einfach nicht genug Kohle rein, um ab 2026 die Schulden abzubezahlen. Da helfen auch Mietsteigerungen nicht, weil die Größenordnung der Mieteinnahmen im Verhältnis zu den Schulden zu klein ist.
4. Chancen
Wenn genügend Geld über Verkäufe reinkommt, dann kann dies derzeit sogar 10-15 %unter Buchwert geschehen, da auch die Anleihen unter Buchwert zurückgekauft werden können und bereits wurden.
Es wäre m.E. sogar attraktiv, mithilfe von Bankkrediten einige perpetuals abzulösen, da die Zinssätze ähnlich sind, die perpetuals aber deutlich unter dem Nominalwert notieren.
Wenn dies gelingt, bleibt nach ein paar Jahren ein Unternehmen, das deutlich weniger assets und FFO I hat, aber auch deutlich weniger Schulden und LTV. Aroundtown wäre dann aber sicher mehr als 5 Mrd. wert, so daß ich ein Kurspotential von mind. 4,50 sehe.
Im besten Fall kommt genug Geld durch Verkäufe rein, so daß ein ARP gestartet werden kann und angesichts der derzeit geringen Marktkapitalisierung große Wirkung auf den FFO/share erzielen würde.
Alles Gute allen Investierten!