http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1135358240649.shtmlKölner Vivacon in der Region ganz vorn
HERMANN STEVEKER, 30.12.05, 20:00h
KÖLN. Das Börsenjahr kennt in der Region Köln / Bonn einen klaren Gewinner:
Ein Aktionär, der am 2. Januar 2005 Papiere der Kölner Immobilienfirma Vivacon gekauft hat und sie derzeit immer noch im Depot hält, hat sein Kapital mehr als verdreifacht - gut 323 Prozent Kursgewinn sind eine stolze Bilanz. Im Herbst hatte die Vivacon-Aktie sogar ein Kursplus von 400 Prozent verbucht, bevor Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung das Papier belasteten. „Wir kaufen en gros ein und verkaufen die Ware dann maßgeschneidert weiter“, sagt Marc Leffin, Vorstandschef des S-Dax-Unternehmens. Soll heißen: Vivacon erwirbt und saniert ältere Häuser von Kommunen und Industrieunternehmen und veräußert sie dann in aller Regel in Erbpacht.
Ihr Kapital binnen Jahresfrist in etwa verdoppelt haben derweil Anleger in drei Firmen, deren Aktien allerdings in der Vergangenheit schon ganz andere Höhen gesehen haben. Die Aktie des Bergisch Gladbacher Pharmatechnik-Unternehmens Girindus zum Beispiel notierte Anfang 2001 doppelt so hoch wie derzeit. Das Papier der Kölner Softwarefirma Net AG war vor fünf Jahren etwa sieben Mal teurer, das der Medienfirma Splendid aus Köln gar acht Mal. Die Anleger machen also hier einen zweiten Frühling aus.
Glänzend entwickelt hat sich auch der Kurs der Bonner Solarworld AG, die 2004 in der Region den Spitzenplatz besetzte. Trotz Aktiensplits im Verhältnis eins zu zwei im Juni notiert das Papier heute rund zwei Drittel höher als vor einem Jahr. Und die Schwergewichte? Viel Freude hatten vor allem die Bayer-Anleger, binnen Jahresfrist machte die Aktie mehr als 40 Prozent gut. Was den Investoren gefällt, ist nach dem Börsengang des in dem Unternehmen Lanxess gebündelten Chemie- und Kunststoffgeschäfts die schlankere Struktur und die wieder satten Gewinne des Leverkusener Riesen. Überhaupt Lanxess: Die Bayer-Aktionäre, die bei dem Börsengang Ende Januar für zehn alte Aktien ein Papier von Lanxess erhielten, konnten auch mit dem neuen Unternehmen gut verdienen - gut 70 Prozent Kurszuwachs stehen zu Buche. Die Anleger honorieren den konsequenten Umbau, den Lanxess-Chef Axel Heitmann in die Wege geleitet hat.
Die Lufthansa legte genauso wie die Deutsche Post zweistellig zu. Bei dem Bonner Logistikriesen goutiert die Börse die Wachstumsstrategie von Vorstandschef Klaus Zumwinkel, der in diesem Jahr die Übernahme des US-Logistikunternehmens Exel vollzog - die Post ist damit größter Branchenvertreter der Welt. Enttäuschend entwickelte sich hingegen die Aktie der Telekom, sie verlor gut 15 Prozent. Obwohl das Unternehmen mittlerweile wieder Milliardengewinne verbucht: Die Anleger bleiben wegen des beinharten Wettbewerbs im Festnetzgeschäft und des immensen Preisdrucks in der Mobilfunksparte zurückhaltend.
Zu den größten Verlierern des Börsenjahres zählen der Kölner Kondomhersteller Condomi sowie die DocCheck AG, die bis zur Umbenennung im Juni als Antwerpes AG firmierte und als Werbeagentur für Pharma-Konzerne sowie Medizin-Portal tätig ist. Das Condomi-Papier - vor fünf Jahren noch über 30 Euro teuer und heute für weniger als einen Euro zu haben - machte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre im März als eine Aktie nur für „hartgesottene Spekulanten“ aus. Mittlerweile ist Condomi in polnischer Hand. DocCheck - die Anleger verloren binnen Jahresfrist rund 37 Prozent - leidet vor allem unter den Einschnitten im Gesundheitswesen und unter der Sparsamkeit der Pharmaunternehmen.
(KR)
Mit Gruß vom Dampfer 