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Bitcoin crasht weiter auf 6-Monats-Tief: Zinssorgen und Blackrock-ETF-Abflüsse schocken den Kryptomarkt
Bitcoin fällt auf den tiefsten Stand seit April und reißt den gesamten Kryptomarkt mit sich. Massive Abflüsse aus ETFs und starke US-Daten belasten die Stimmung.
Der Kurs der ältesten und wertvollsten Kryptowährung der Welt, Bitcoin, ist am Donnerstag und Freitag massiv unter Druck geraten. In der Nacht zum Freitag fiel der Preis zeitweise auf 82.082 US-Dollar, den niedrigsten Stand seit dem 21. April 2025, wie aus Daten der Plattform CoinMarketCap hervorgeht. Gegenüber dem Vortag entspricht dies einem Rückgang von über 10 %, womit der Bitcoin-Kurs innerhalb weniger Tage eine markante technische Unterstützungslinie durchbrochen hat. Noch Anfang Oktober notierte der Bitcoin auf einem lokalen Hoch von rund 123.000 USD. Das aktuelle Kursniveau hingegen entspricht einem Rückgang von rund 33 %.
Auch andere Kryptowährungen mussten zweistellige Verluste hinnehmen: Ether (ETH) rutschte am Freitag unter 2.700 US-Dollar, ebenfalls ein Rückgang um über 10 % binnen 24 Stunden. XRP verlor rund 2,3 % und sank unter die Marke von 2,00 USD, während Dogecoin sich stabil zeigte, jedoch auf niedrigem Niveau verharrt.
Zinssorgen nach US-Arbeitsmarktdaten: Risikoanlagen unter Druck
Auslöser des plötzlichen Preissturzes war die Veröffentlichung robuster US-Arbeitsmarktdaten für September. Laut Daten des US-Arbeitsministeriums wurden 119.000 neue Stellen geschaffen, deutlich mehr als die erwarteten 50.000 die von Ökonomen im Vorfeld prognostiziert worden waren. Dieser Arbeitsmarktbericht verstärkte die Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vorerst an ihrem aktuellen Leitzinsniveau festhalten wird, stat wie zuvor von einigen Marktteilnehmern erhofft, bereits im Dezember eine Zinssenkung einzuleiten.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Dezember ist laut dem CME FedWatch Tool auf nur noch rund 40 % gesunken. Damit sinkt die Attraktivität risikoreicher Anlagen, zu denen Kryptowährungen im Besonderen zählen, da steigende oder stabile Zinsen alternative sichere Anlagen wie Staatsanleihen attraktiver machen.
Krypto-Kurse folgen Aktienmärkten – Nvidia-Gewinne können Abverkauf nicht stoppen
Obwohl der US-Chiphersteller Nvidia mit seinen jüngsten Quartalszahlen erneut positiv überraschte, konnte dies die negative Marktstimmung nicht nachhaltig umkehren. Nach einer kurzen Kurserholung am Donnerstag gaben sowohl Aktien als auch Kryptowährungen ihre Gewinne rasch wieder ab. Die enge Korrelation zwischen KI-bezogenen Tech-Aktien und Bitcoin zeigt sich erneut deutlich: Viele institutionelle Investoren, die in wachstumsstarke Technologieaktien wie Nvidia (Nvidia Aktie) investiert sind, halten gleichzeitig Positionen in Kryptowährungen. Ein paralleler Abbau dieser Positionen verstärkt die Volatilität.
Hohe Abflüsse bei Bitcoin-ETFs – Blackrock-Fonds besonders betroffen
Ein weiteres Belastungsmoment für den Markt war der starke Kapitalabzug aus börsengehandelten Bitcoin-Fonds (ETFs). Laut dem Analysehaus CryptoQuant verzeichnete der Bitcoin-ETF von Blackrock (iShares Bitcoin Trust) in der vergangenen Woche Nettoabflüsse in Höhe von 1,08 Milliarden US-Dollar, was einer der größten wöchentlichen Abflüsse seit Auflage des Fonds darstellte. Der ETF gilt als barometerartiger Indikator für institutionelles Engagement im Bitcoin-Markt. Die Entwicklung signalisiert einen deutlichen Rückzug institutioneller Anleger aus dem Sektor.
Die ETF-Abflüsse verstärken zusätzlich den Verkaufsdruck, da viele der gehaltenen Bitcoin-Bestände zur Deckung der ETF-Anteile liquidiert werden müssen, was zu einem Angebotsüberhang führt.
Liquidationen und gehebelte Positionen beschleunigen Kursverfall
Neben fundamentalen Faktoren wie den US-Konjunkturdaten und Kapitalabflüssen aus ETFs kam es im Kryptomarkt zuletzt auch zu einer Reihe von Liquidationen hochgradig gehebelter Positionen. Bereits Anfang Oktober setzte eine Welle solcher Liquidationen ein, als Bitcoin unter technische Unterstützungsmarken fiel. Plattformen wie Binance, OKX und BitMEX registrierten hohe Summen an Zwangsverkäufen („Forced Liquidations“) von Long-Positionen. Viele Händler hatten auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends gesetzt und wurden nun auf dem falschen Fuß erwischt.
Die Folge: Ein sich selbst verstärkender Kursrückgang, der durch algorithmisches Trading und automatisierte Absicherungsmechanismen beschleunigt wird.
Fazit: Unsicherheit und makroökonomischer Gegenwind dämpfen Krypto-Stimmung
Der Rückgang von Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten spiegelt eine wachsende Risikoaversion der Märkte wider. Die robuste Entwicklung des US-Arbeitsmarktes schiebt den Zeitplan möglicher Zinssenkungen weiter nach hinten, während steigende US-Staatsanleiherenditen die Opportunitätskosten für risikoreiche Anlagen erhöhen.
Zudem belasten strukturelle Marktfaktoren wie ETF-Abflüsse, Liquidationen und der Rückzug institutioneller Anleger den gesamten Krypto-Sektor. Trotz der technologischen Wachstumsfantasie rund um Blockchain und Dezentralisierung sehen sich digitale Vermögenswerte aktuell mit einem spürbaren Vertrauensverlust und Kursdruck konfrontiert.
Ein kurzfristiger Stimmungsumschwung ist nicht in Sicht, insbesondere da kein klarer Auslöser für die abrupte Trendwende genannt werden kann. Ein möglicher Hintergrund, welcher derzeit zunehmend Zuspruch findet ist, dass der Bitcoin inzwischen eine breite Akzeptanz im Mainstream erfahren hat. Bisher wurde der Kurs oft vor allem durch eben diese Erwartung an die breite Akzeptanz getrieben. Dieser wesentliche Treiber scheint nun durch beispielsweise eine kryptofreundliche US-Regierung erloschen zu sein. Hinzu kommt, dass Bitcoin selbst kein Geld abwirft. Zwar bleiben mögliche Treiber wie die sich weiterhin stark ausbreitende Tokenisierung und ein allgemein wachsendes unabhängiges Transaktionsgeschäft weiterhin bestehen. Einer der möglichen Hauptkurstreiber scheint nun aber vorerst zu erliegen gekommen zu sein.
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