12,4 Milliarden Euro: So viel ist Siemens Energys Industriesparte wert
Julian Schick
Julian Schick
Julian Schick schreibt seit 2020 über die Themen, die Anleger bewegen – mit einem besonderen Fokus auf Aktienanalysen, Dividendenstrategien und ETFs. Der ausgebildete Journalist absolvierte die Kölner Journalistenschule und sammelte Erfahrungen unter anderem beim Handelsblatt, der Financial Times Deutschland sowie Euronews und WDR5. Für Ariva bringt er fundiertes Marktwissen und einen klaren Blick für das Wesentliche mit.
Eine mögliche Trennung von der Industriesparte ist nur der erste Schritt. Analysten sehen den größeren Hebel für die Aktie woanders, und der könnte schon bald folgen.
Für dich zusammengefasst:
Siemens Energy Industriesparte ist 12,4 Milliarden Euro wert.
Die Sparte trägt elf Prozent zum Umsatz bei.
Analysten erwarten Käuferinteresse für das Kompressorgeschäft.
Im Aktienkurs von Siemens Energy schlummert offenbar mehr Wert, als bislang sichtbar ist. Davon zumindest gehen die Analysten der Bank of America aus, die ihre Kaufempfehlung bekräftigen und am Kursziel von 250 Euro festhalten. Auslöser ist ein Bericht des Manager Magazins, wonach Siemens Energy die Zukunft seiner Industriesparte Transformation of Industry (TI) neu ordnet und dabei einen Verkauf, einen Börsengang oder eine Fusion prüft.
Nach Berechnung von BofA ist TI rund 12,4 Milliarden Euro wert, knapp neun Prozent der Marktkapitalisierung. Die Sparte trägt etwa elf Prozent zum mittelfristigen Umsatz und sieben Prozent zum operativen Ergebnis bei, spielt finanziell also eine überschaubare Rolle. Genau darin liegt für die Analysten der Reiz: Ein Verkauf würde Kapital freisetzen, das größtenteils in zusätzliche Aktienrückkäufe fließen dürfte.
Wie hoch der Wert ausfällt, hängt vom Zuschnitt des Deals ab. BofA rechnet mit dem 14-Fachen des für 2030 erwarteten bereinigten Ergebnisses und landet am oberen Rand der vom Manager Magazin genannten Spanne von 9,5 bis 15 Milliarden Euro, gestützt durch solides Umsatzwachstum, rund 15 Prozent Marge bis 2030 und über 40 Prozent Serviceanteil.
Komplett verkauft wird TI aber wohl nicht: Antriebstechnik und Dampfturbinen, zusammen 54 Prozent des Sparten-Umsatzes 2025, sind eng mit dem Netz- und Gasgeschäft verknüpft und dürften bleiben. Käuferinteresse erwarten die Analysten vor allem für das Kompressorgeschäft angesichts möglicher Investitionen in der Öl- und Gasförderung. Eine Herauslösung könnte bis zu drei Jahre dauern, frühere Abspaltungen wie Siemens Energy und Siemens (Siemens Aktie) Healthineers zeigten laut BofA aber, dass es auch in unter 18 Monaten geht.
Die eigentlich interessantere Frage betrifft womöglich gar nicht TI, sondern Gamesa. Die Analysten vermuten, die Überprüfung komme jetzt, weil das Management die Sanierung der Sparte abgeschlossen hat und sie intern als saniert gilt. Bei der Windkraft-Tochter Gamesa läuft eine ähnliche Sanierung noch, nähert sich mit dem für 2026 erwarteten Breakeven aber einem entscheidenden Punkt. Zieht Siemens Energy in ein bis zwei Jahren auch hier die Reißleine, wäre das laut BofA potenziell der größere Kurstreiber, da Gamesa Cashflow und Bewertung bislang stark belastet. Mehr Klarheit zu TI soll es im November geben.
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