PARIS (dpa-AFX) - Der bulgarische Shelly Group will sich vom Technologiekonzern Schneider Electric (Schneider Electric Aktie) schlucken lassen. Beide Unternehmen unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung. Die Franzosen wollen für den Hersteller von vernetzten Elektro-Geräten (smart devices) bieten 70 Euro je Aktie, entsprechend einer Bewertung von rund 1,2 Milliarden Euro. Unterstützt wird der Deal auch von den Shelly-Gründern, wie die Bulgaren am Donnerstag mitteilten. Während die Anteile von Schneider Electric moderat zulegten, ging es für die im SDax notierten Shelly-Aktien klar aufwärts.
Für dich zusammengefasst:
Schneider Electric plant Übernahme der Shelly Group.
70 Euro je Aktie bieten, Gesamtwert rund 1,2 Milliarden Euro.
Abschluss der Transaktion ist für Quartal 2027 angestrebt.
Die Papiere notierten gegen Mittag 4,2 Prozent höher bei 67,10 Euro - damit war Shelly Spitzenreiter im Index der kleineren Unternehmenswerte. In der Spitze näherte sich der Kurs bei 68,40 Euro einem Hoch aus dem Juli. Damals hatte Shelly erstmals Gespräche mit Schneider Electric bestätigt - seinerzeit aber noch mit offenem Ausgang.
Nun wirbt das Shelly-Management ganz ausdrücklich für die Übernahme. Die Führungsgremien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Transaktion im eigenen Interesse und im Sinne der Aktionäre sei, hieß es. Dabei entspreche der Angebotspreis einem Aufschlag von bis zu 27 Prozent.
Schneider Electric hat sich bereits ein großes Stück vom Kuchen gesichert. So habe sich Shelly-Gründer Dimitar Dimitrov verpflichtet, seinen Anteil von rund 29 Prozent anzudienen, hieß es. Auch Mitgründer Svetlin Todorov, Inhaber von rund 28 Prozent, wolle sich in zwei Tranchen von den Papieren trennen. Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens ist jedoch, dass der französische Konzern am Ende mindestens 95 Prozent direkt oder mittelbar an Shelly halte. Zudem müssen die Regulierungsbehörden zustimmen.
Im Erfolgsfall rechnen beide Unternehmen mit einem Abschluss der Transaktion im ersten Quartal 2027. Dann will Schneider auch die verbliebenen Aktionäre herauskaufen und Shelly von der Börse nehmen. Die Papiere sind neben Frankfurt auch noch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gelistet.
Die Shelly Group ist im Bereich Internet der Dinge (IoT) tätig, einem System vernetzter Produkte, die eine automatisierte Steuerung im Haushalt ermöglichen. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben von einem Anbieter vernetzter Geräte zu einer softwaregetriebenen Plattform für Home-Energy-Management und Smart Buildings entwickelt. Zum Angebot gehören unter anderem vernetzte Sensoren, Beleuchtungssysteme und smarte Steckdosen.
Der Zukauf passt zur Strategie der Franzosen, die ihren Umsatz mit sogenannten Smart-Home-Geräten weiter steigern wollen. Der Konzern betreibt bereits eine IoT-Plattform namens EcoStruxure, die etwa im Gesundheitswesen, im Freizeitbereich, im Einzelhandel und in anderen Branchen eingesetzt wird. "Wir sehen eine überzeugende strategische Logik und ein hohes Potenzial für Synergien mit dem Privatkundengeschäft von Schneider", schrieb Analyst Lucas Ferhani von der US-Investmentbank Jefferies in seiner Analyse.
Shelly wiederum setzt darauf, das eigene Geschäft durch die Einbindung seiner Technologieplattform in das Schneider-Portfolio weiterentwickeln zu können. Organisation und Belegschaft sollen aber in Bulgarien erhalten werden, so das Unternehmen. Zudem sollen Dimitar Dimitrov gemeinsam mit Wolfgang Kirsch weiterhin als Co-Vorstandsvorsitzende Shelly leiten./tav/men/jha/
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