- Tesla hat in Texas nur 42 zugelassene Robotaxis.
- Waymo führt mit 577 registrierten Fahrzeugen in Texas.
- Ein neues Gesetz sorgt für mehr Transparenz bei Robotaxis.
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Markus Weingran
Die Robotaxi-Vision von Tesla ist groß. Die zugelassene Flotte in Texas ist es bislang nicht. Laut einer Datenbank auf der Website des texanischen Kraftfahrzeugamtes verfügt Tesla in dem Bundesstaat lediglich 42 zugelassene Robotaxis.
Damit liegt Tesla nicht weit hinter der Alphabet-Tochter Waymo. Der Konkurrent vom kalifornischen Autoabuer kommt laut der Datenbank auf 577 registrierte Fahrzeuge. Tesla erreicht damit weniger als ein Zehntel der Waymo-Flotte in Texas.
Auch andere Anbieter liegen vor Tesla. Avride, das zu Nebius gehört, verfügt laut Datenbank über 317 zugelassene Robotaxis. Nuro kommt auf 47 Fahrzeuge. Amazons Tochter Zoox liegt mit 35 zugelassenen Robotaxis knapp hinter Tesla.
Die Rangfolge in Texas sieht damit so aus:
Für Tesla ist das eine heikle Momentaufnahme. Denn kaum ein Unternehmen hat die autonome Zukunft des Fahrens so stark als Börsenstory verkauft wie der Elektroautobauer aus Austin. Doch ausgerechnet im Heimatstaat Texas wirkt Tesla bei kommerziellen Robotaxis bislang eher wie ein kleiner Herausforderer als wie der Marktführer.
Neues Gesetz bringt mehr Transparenz
Die Datensätze wurden in der Datenbank veröffentlicht, als am Donnerstag in Texas ein neues Gesetz in Kraft trat. Dieses Gesetz verschärft die Aufsicht über kommerzielle selbstfahrende Fahrzeuge.
Damit bekommen Investoren, Behörden und Öffentlichkeit einen klareren Blick darauf, wie viele Robotaxis die einzelnen Anbieter im Bundesstaat tatsächlich registriert haben. Für Tesla fällt dieser Blick ernüchternd aus.
Waymo hat laut vorliegendem Text bereits im März des vergangenen Jahres in Texas im Rahmen einer Partnerschaft mit Uber den Betrieb von Robotaxis aufgenommen. Tesla begann im Juni 2025.
Der Tesla-Service ist demnach in begrenzten Gebieten von Austin, Dallas und Houston verfügbar. Zum Vergleich:Waymo ist mit seiner Flotte in Austin, Dallas, Houston und San Antonio aktiv.
Reuters-Recherche zeigt Probleme hinter der Autonomie-Vision
Die Zahlen aus Texas folgen auf eine Reuters-Recherche, die Teslas Fortschritte beim autonomen Fahren kritisch beleuchtet. Dem Bericht zufolge prüfen in einem Büro in Utah hunderte Tesla-Mitarbeiter Videomaterial von Fahrzeugen mit Full Self-Driving, kurz FSD.
Diese Mitarbeiter, sogenannte Data Labeler, trainieren Teslas KI-gesteuerte Fahrerassistenzsoftware. Sie markieren gutes und schlechtes Fahrverhalten und leiten Probleme an Ingenieure weiter.
Nach Angaben von Reuters zeigen Interviews mit neun ehemaligen Labelern und einem ehemaligen Tesla-Ingenieur für autonomes Fahren, dass die Technologie in den vergangenen Monaten weiterhin Schwierigkeiten mit grundlegenden Manövern hatte. Dazu gehören laut dem Bericht das Ausweichen vor Einsatzfahrzeugen und das Anhalten für Schulbusse, wenn Schüler ein- oder aussteigen.
Reuters berichtet zudem von Clips, in denen Fahrzeuge Tiere erfassten, Geschwindigkeiten überschritten oder in kritischen Situationen nicht rechtzeitig reagierten. Die Nachrichtenagentur weist darauf hin, die Videos selbst nicht gesichtet zu haben; der Bericht stützt sich auf Beschreibungen früherer Tesla-Mitarbeiter.
Menschliche Aufsicht statt vollautonomer Massenbetrieb
Besonders brisant ist der Bezug zum Robotaxi-Pilotprojekt in Austin. Laut Reuters startete Tesla dieses Projekt im vergangenen Juni mit menschlichen Sicherheitsüberwachern in den Fahrzeugen und weiteren Überwachern, die aus der Ferne arbeiteten.
Das steht im Kontrast zu Musks großer Erzählung. Tesla wirbt seit Jahren mit der Aussicht auf eine breit skalierbare Autonomie-Lösung. Musk hat laut Reuters erklärt, Tesla setze auf Kameras und KI und könne den Robotaxi-Service mit hyperexponentieller Geschwindigkeit ausbauen.
Der Bericht der Nachrichtenagentur zeichnet allerdings ein anderes Bild. Demnach arbeiteten Tesla-Mitarbeiter vor öffentlichen Demonstrationen lange daran, Routen zu kartieren und die Software auf konkrete Gefahren vorzubereiten. Vier ehemalige Tesla-Mitarbeiter erklärten Reuters, solche arbeitsintensiven Schutzmaßnahmen seien unmöglich in großem Maßstab einzusetzen.
Sicherheitsstatistiken unter Druck
Ein weiterer Kernpunkt der Reuters-Recherche betrifft Teslas Sicherheitsversprechen. Musk und andere Tesla-Führungskräfte haben demnach wiederholt Sicherheitsstatistiken angeführt, nach denen FSD deutlich sicherer sei als menschliche Fahrer.
Der Bericht kommt jedoch nach Analyse der Methodik, Interviews mit Insidern und Gesprächen mit Verkehrssicherheitsforschern zu einem kritischen Ergebnis. Die Nachrichtenagentur berichtet von mehreren problematischen Datenvergleichen in Teslas FSD-Sicherheitsbericht.
Ein Hauptkritikpunkt: Tesla habe Unfälle mit Airbag-Auslösung bei FSD-gesteuerten Fahrzeugen mit nationalen Unfallraten verglichen, die deutlich breitere und weniger schwere Unfallkategorien enthielten. Laut Reuters sehen Sicherheitsforscher darin eine methodische Verzerrung.
Tesla vergleiche seine Fahrzeuge zudem mit dem durchschnittlichen US-Fahrzeug. Dieses sei deutlich älter als der durchschnittliche Tesla. Auch das könne die Ergebnisse verzerren, weil neuere Fahrzeuge allgemein über modernere Sicherheitssysteme verfügen.
Tesla reagierte laut Reuters nicht auf detaillierte Fragen zu dem Bericht.
Waymo geht laut Reuters strenger vor. Der Vergleich mit Waymo ist nicht nur bei der Flottengröße auffällig. Der Beitrag beschreibt auch einen anderen Umgang mit Sicherheitsdaten. Die Alphabet-Tochter vergleiche seine voll fahrerlosen Robotaxis mit von Menschen gesteuerten Fahrzeugen unter ähnlichen Bedingungen. Dabei untersuche das Unternehmen Unfalldaten in den Märkten, in denen es aktiv ist, und berücksichtige die Art der Straßen und Stadtviertel, die seine Robotaxis befahren.
Waymo konzentriere sich demnach auf konkrete Unfallraten, etwa Unfälle mit Airbag-Auslösung oder schweren Verletzungen, und vergleiche diese sowohl für eigene Fahrzeuge als auch für menschlich gesteuerte Fahrzeuge in denselben Märkten.
Tesla hingegen veröffentliche lpauschale statistische Sicherheitsbehauptungen, strebe kein Peer-Review an und halte die zugrunde liegenden Unfalldaten für Tesla-Fahrzeuge geheim.
Kartierung statt Wunder-Software
Auch bei der technischen Skalierung zeigt die Recherche ein Spannungsfeld. Musk erklärt, Teslas Software sei als generalisierte KI-Lösung gedacht und erfordere keine hochpräzisen lokalen Karten.
Doch vor dem Start in Austin filmte Tesla laut Reuters ausführlich Merkmale in einer begrenzten Robotaxi-Zone. Erfasst wurden demnach Ampeln, Straßenschilder und andere Merkmale. Data Labeler annotierten dieses Material, damit die Software mit schwierigen Situationen umgehen konnte, etwa beim Abholen von Fahrgästen oder beim Reagieren auf Einsatzfahrzeuge.
Laut dem Bericht verdoppelte sich das Data-Labeling-Personal in Utah im Halbjahr vor dem Austin-Start auf etwa 300 Arbeiter. Die Abteilung arbeitete demnach vor allem an Projekten, die den kontrollierten Test in Austin reibungslos verlaufen lassen sollten.
Realität gegen Vision
Für Anleger ist die Kombination aus Texas-Datenbank und Reuters-Recherche brisant. Auf der einen Seite steht Musks große Robotaxi-Vision. Auf der anderen Seite stehen 42 zugelassene Tesla-Robotaxis in Texas, während Waymo 577 registrierte Fahrzeuge besitzt.
Hinzu kommt: Reuters berichtet, dass Tesla fast ein Jahr nach dem Start in Austin dort weiterhin nur etwa 50 Robotaxis betreibe. Die Fahrzeuge fahren demnach in einer begrenzten und sorgfältig kartierten Zone. Einige Fahrzeuge hatten laut jüngsten Beobachtungen eines Reuters-Reporters weiterhin menschliche Sicherheitsüberwacher auf dem Beifahrersitz.
Im April erklärte Tesla laut Reuters, Robotaxis in Dallas und Houston einzuführen. Ein Test durch die Verfasser des Berichts ergab: lange Wartezeiten und unregelmäßige Verfügbarkeit. In Dallas setzte ein Robotaxi den Reporter bei drei erfolgreichen Fahrten laut Reuters nicht am Zielort in der Innenstadt ab, sondern etwa 15 Gehminuten entfernt.
Fazit: Teslas Robotaxi-Story bekommt einen Realitätscheck
Tesla bleibt das Unternehmen mit der wohl größten Robotaxi-Erzählung an der Börse. Doch die Zahlen aus Texas und die Reuters-Recherche zeigen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit noch auseinanderliegen.
In Texas ist Tesla bei zugelassenen Robotaxis klar kleiner als Waymo und Avride. Selbst Nuro liegt knapp vor Tesla. Zugleich reißen die Berichte über Probleme beim FSD weiterhin nicht ab.
Das bedeutet nicht, dass Teslas Robotaxi-Pläne gescheitert sind. Es bedeutet aber: Die Börsenstory muss sich zunehmend an konkreten Fahrzeugzahlen, operativer Verfügbarkeit und überprüfbaren Sicherheitsdaten messen lassen.
Für Anleger ist das der entscheidende Punkt. Nicht die Vision zählt, sondern die Umsetzung auf der Straße. Und dort hinkt Tesla der eigenen Erzählung bislang deutlich hinterher.
Redaktion Ariva/MW
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