
KI-Verlierer Cybersicherheit? Auch diese Branche litt zuletzt mit!
Nicht nur die Aktien von Software- und Clouddienstleistern wie Microsoft, SAP und ServiceNow sind in den vergangenen Wochen und Monaten massiv unter Druck geraten, auch Sicherheitswerte hatten mit Befürchtungen zu kämpfen, KI-Agenten und Modelle wie Claude Mythos von Anthropic könnten das Geschäftsmodell disruptieren.
Dementsprechend schwach hatte sich zuletzt die Aktie von Fortinet, einem der margenstärksten Cybersecurity-Unternehmen entwickelt. Am Mittwochabend stand gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 16 Prozent zu Buche. Im selben Zeitraum legte der US-Gesamtmarktindex S&P 500 um über 30 Prozent zu. Eine massive Underperformance.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 20,1 Prozent auf 1,85 Milliarden US-Dollar zu. Damit konnten die Erwartungen um 120 Millionen US-Dollar übertroffen werden. Vor allem die Produkterlöse des auf Endpunkt-Verschlüsselung spezialisierten Unternehmens stiegen mit einem Plus von 41 Prozent stark an.
Auch auf der Ertragsseite präsentierte sich Fortinet in einer hervorragenden Verfassung. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (EPS) landete mit 0,82 US-Dollar um 20 Cent über den Erwartungen. Im Vorjahresquartal hatten die EPS bei 0,58 US-Dollar gelegen. Das entspricht einem Zuwachs von 41,4 Prozent.
Dieser Erfolg zeigte sich auch beim auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Nettogewinn, welcher von 433,4 auf 534,4 Millionen US-Dollar kletterte. Die Nettomarge landete dementsprechend bei 28,9 Prozent. Davon sind Mitbewerber wie CrowdStrike und Cloudflare weit entfernt – nicht zuletzt auch, weil Fortinet eine anlegerfreundliche Politik verfolgt, was Aktienvergütungen angeht. Hierfür wurden im abgelaufenen Quartal 72,5 Millionen US-Dollar aufgewendet. Bei vielen Mitbewerbern ist dieser Wert oft deutlich dreistellig, was für die Verwässerung der Aktionärsstruktur sorgt.
Ausblick deutlich über den Erwartungen
Für das kommende Quartal erwartet Fortinet Erlöse in Höhe von 1,83 bis 1,93 Milliarden US-Dollar. Damit liegt selbst die untere Spanne über der Marktprognose von 1,82 Milliarden US-Dollar. Genauso verhält es sich auch beim bereinigten Gewinn je Aktie, wo der Konzern mit 0,72 bis 0,76 US-Dollar rechnet – gegenüber Schätzungen von 0,70 US-Dollar.
CEO Ken Xie betonte in der Pressemitteilung, dass KI für das Unternehmen kein Gegen-, sondern Rückenwind wäre, weil Künstliche Intelligenz zu einer wachsenden und komplexeren Bedrohungslage führen würde. Produktseitig hob er FortiOS 8.0 hervor, die neue KI-unterstützte und quantensichere Plattform des Unternehmens.

Aktie mit +16 Prozent in der US-Nachbörse
In der US-Nachbörse zeigten sich Anlegerinnen und Anleger sichtlich beeindruckt vom starken Abschneiden des Unternehmens. Die Aktie schoss aus dem Stand fast 20 Prozent in die Höhe und konnte den größten Teil dieser Gewinne bis zum Ende der Nachbörse halten. Aus dem erweiterten Handel ging die Aktie mit einem Plus von 15,9 Prozent und einem Kurs von 104,23 US-Dollar – dem höchsten seit August letzten Jahres.
Dadurch dürften die Fortinet-Anteile ihre volatile Bodenbildung im Bereich von 75 bis 85 US-Dollar abschließen und ihren langfristigen Aufwärtstrend wieder aufnehmen. In den gleitenden Durchschnitten zeichnet sich ein Golden Cross und damit ein technisches Kaufsignal ab, während der Trendstärkeindikator MACD einen an Fahrt gewinnenden Aufwärtstrend anzeigt.
Der RSI ist zwar kurzfristig im überkauften Bereich angelangt, nach einer kurzen Rallyepause beziehungsweise einem kleinen Pullback, um die Überhitzung abzubauen, dürfte es hier jedoch weiter bergauf gehen.
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Fazit: Die Bewertung ist hoch, bietet aber noch Platz
Das Cybersecurity-Unternehmen Fortinet hat mit seinen am Mittwochabend vorgelegten Zahlen bewiesen, kein KI-Verlierer, sondern ein KI-Gewinner zu sein. Technisch immer aufwändiger werdende, KI-unterstützte Sicherheitsangriffe sorgen für stärkere Buchungen und eine höhere Nachfrage nach den Lösungen des Konzerns.
Behalten die Kursgewinne aus der Nachbörse ihre Gültigkeit, ist die Aktie für 2026 mit einem KGVe von etwa 35 bewertet. Das ist zugegeben kein Schnäppchen, liegt aber deutlich unter dem 5-Jahres-Mittel von 46,8. Gleichzeitig sind die Gewinnvielfache deutlich weniger profitabler Mitbewerber zum Teil noch deutlich höher (bei CrowdStrike liegt das KGV bei fast 100). Da geht das aktuelle Bewertungsniveau für den Margen-Leader der Branche in Ordnung, was für weiteren Rückenwind für die Aktie spricht.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
