KI-Glasfaserboom verpufft: Bei Corning kippt die Stimmung abrupt
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Corning übertrifft die Erwartungen deutlich. Trotzdem bricht die Aktie ein. Der Ausblick verfehlt den Konsens nur hauchdünn – doch nach 58 Prozent Kursplus reicht das bereits.
Für dich zusammengefasst:
Corning übertraf die Erwartungen im zweiten Quartal.
Die Aktie fiel um fast 20 Prozent trotz guter Zahlen.
Der Umsatz für Q3 wird zwischen 4,9 und 5 Milliarden US-Dollar.
Corning übertraff im zweiten Quartal die Erwartungen und hob seine langfristigen Wachstumsziele kräftig an. Trotzdem bracht die Aktie im um fast 20 Prozent ein. Nach einem Kursanstieg von mehr als 58 Prozent seit Jahresbeginn verzeiht der Markt selbst kleinste Abweichungen nicht mehr.
Der Glas- und Glasfaserspezialist erzielte einen bereinigten Gewinn von 0,78 US-Dollar je Aktie. Analysten hatten lediglich 0,75 US-Dollar erwartet. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 22,8 Prozent auf 4,74 Milliarden US-Dollar. Auch hier übertraf Corning den Konsens von 4,63 Milliarden US-Dollar.
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit optischer Kommunikation. Der Umsatz des Bereichs kletterte um 32 Prozent auf 2,07 Milliarden US-Dollar. Bei Enterprise Networks lag das Wachstum sogar bei 65 Prozent. Die Solarumsätze legten um 90 Prozent zu.
Die Entwicklung zeigt, wie stark Corning vom Ausbau von Rechenzentren, Glasfasernetzen und künstlicher Intelligenz profitiert. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit der Aktie von immer höheren Erwartungen. Das belastete am Dienstag auch andere Anbieter optischer Netzwerktechnik. Lumentum, Coherent und Ciena verloren vorbörslich jeweils mindestens vier Prozent.
Corning-Chef Wendel Weeks sieht das Unternehmen dennoch erst am Beginn einer neuen Wachstumsphase. Der Konzern will seine annualisierte Umsatzrate bis Ende 2026 auf 20 Milliarden US-Dollar steigern. Bis Ende 2028 sollen es 30 Milliarden US-Dollar und bis Ende 2030 sogar 40 Milliarden US-Dollar werden.
Zwischen dem vierten Quartal 2026 und dem vierten Quartal 2030 erwartet Corning ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 19 Prozent. Der Gewinn soll noch schneller steigen. Gleichzeitig sollen der freie Cashflow und die Rendite auf das investierte Kapital deutlich zulegen.
Weeks verwies zudem auf die engeren Partnerschaften mit Amazon und Nvidia. Diese Kooperationen sollen die langfristigen Wachstumsziele des sogenannten Springboard Plans absichern.
Der kurzfristige Ausblick reichte dem Markt trotzdem nicht. Für das dritte Quartal erwartet Corning einen Umsatz zwischen 4,9 Milliarden und fünf Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von rund 16 Prozent. Der obere Rand trifft zwar die Analystenschätzung von fünf Milliarden US-Dollar. Die Mitte der Prognose liegt jedoch knapp darunter.
Beim Gewinn fällt der Ausblick stärker aus. Corning erwartet 0,85 bis 0,89 US-Dollar je Aktie. Der Mittelwert von 0,87 US-Dollar liegt über dem Konsens von 0,85 US-Dollar. Dennoch konzentrieren sich Anleger offenbar auf die minimale Umsatzverfehlung.
Der Kurseinbruch wirkt angesichts der starken Quartalszahlen zunächst überzogen. Die Reaktion zeigt jedoch, wie viel Wachstum bereits im Kurs steckte. Nach einem Jahresplus von mehr als 58 Prozent musste Corning nahezu perfekt liefern. Direkt gegen den Ausverkauf zu wetten, erscheint deshalb riskant. Die strukturelle Wachstumsstory bleibt aber intakt. Die Aktie gehört nach dem Rücksetzer auf die Watchlist.
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