TÜBINGEN/MAINZ (dpa-AFX) - Für hunderte Beschäftigte von Curevac zeichnen sich nach der angekündigten Schließung des Standorts tiefgreifende Einschnitte ab. Gleichzeitig laufen die Gespräche über die mögliche Abwicklung des Biotechunternehmens mit Hauptsitz in Tübingen auf Hochtouren.
Für dich zusammengefasst:
Curevac plant die Schließung des Standorts in Tübingen.
Rund zwei Drittel der Arbeitsplätze fallen bis Ende 2026 weg.
In der Region fehlen vergleichbare Arbeitsplätze für Betroffene.
Eine von der Landesregierung gebildete Taskforce will Infrastruktur und Know-how in der Universitätsstadt sichern und den Mitarbeitenden "eine Perspektive geben und zumindest einen Teil der Top-Talente am Standort halten", teilte ein Sprecher des Staatsministeriums in Stuttgart mit.
Die Taskforce besteht demnach aus dem Wissenschafts- und dem Wirtschaftsministerium, dem Staatsministerium, der Bundesagentur für Arbeit und der Landesagentur Biopro, die die Gesundheitsindustrie im Südwesten unterstützt. Auch die Stadt Tübingen sei eng in die Gespräche eingebunden.
Knapper Zeitplan für Entscheidungen
Der Curevac-Betriebsrat spricht von einem straffen Zeitplan durch die Konzernführung von Biontech in Mainz. Rund zwei Drittel der Arbeitsplätze sollen demnach bereits bis Ende 2026 wegfallen. Ziel sei es, den operativen Betrieb von Curevac zum 31. Dezember einzustellen, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Gemeinschaftsbetriebsrats von Curevac, Heike Wagenaar.
Im September würden die Mitarbeiter, die in diesem Jahr gehen sollen, ein Angebot erhalten, einen Aufhebungsvertrag abzuschließen. Dies erhöhe Entscheidungsdruck und Planungsunsicherheit. Ein kleinerer Teil der Belegschaft solle im Jahr 2027 etwa noch laufende Studien abschließen und Anlagen stilllegen. "Die Geschäftsführung ist bislang nicht wirklich kooperativ", sagt Wagenaar. Es gebe keine ernsthaften Verhandlungen etwa über eine bessere Ausstattung von Unterstützungsprogrammen für die Beschäftigten.
Biontech betont, man setze auf einen sozialverträglichen Personalabbau und entsprechende Unterstützungsprogramme. Laut einer Sprecherin gibt es unter anderem ein Betroffenenprogramm im Sinne eines sozialverträglichen Personalabbaus.
Kein vergleichbarer Arbeitgeber in Sicht
Trotz der angekündigten Stellenstreichungen verlassen bislang nur wenige Beschäftigte das Unternehmen. Dafür gibt es aus Sicht des Betriebsrats einen simplen Grund: In der Region fehlen vergleichbare Arbeitsplätze. "Es gibt hier nicht Pharma- und Biotechnologieunternehmen am laufenden Band, die großzügig Mitarbeiter mit diesen Qualifikationen einstellen", sagt Wagenaar.
Besonders betroffen seien hoch spezialisierte Fachkräfte, junge Familien und Auszubildende. Neben der Universität und dem Universitätsklinikum sei Curevac einer der wichtigsten Akteure vor Ort. "So viel Industrie gibt es in Tübingen nicht", sagt Wagenaar.
Biontech hatte Curevac im Januar vollständig übernommen. Damals hieß es, dass der Forschungs- und Entwicklungsstandort in Tübingen erhalten bleiben soll. Doch das Biontech-Management will mehrere Standorte schließen - darunter auch Einrichtungen von Curevac./tat/DP/zb
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