- Präsident Lula führt weiterhin in Umfragen zur Wahl.
- Bolsonaro hat den Abstand zu Lula deutlich verringert.
- Schwellenländer zeigen sich widerstandsfähiger als erwartet.
- Energiekrise als Kurstreiber:
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Nicolas Ebert Präsident Luiz Inácio Lula da Silva liegt in Umfragen zur brasilianischen Präsidentschaftswahl weiterhin knapp vorn. Doch Herausforderer Flávio Bolsonaro hat den Abstand deutlich verringert und erreicht in einigen Erhebungen bereits Gleichstand. Das sagte Filipe Gropelli Carvalho, Analyst für Schwellenländer beim Vermögensverwalter DPAM, bereits Ende August.
Bolsonaros steigende Umfragewerte gehen laut Carvalho auf eine Skandalwelle um den Obersten Gerichtshof zurück, die vor allem Richter aus Lulas Umfeld belastet habe, während Bolsonaro trotz eigener Verbindungen zu den Ermittlungen weniger stark in Mitleidenschaft gezogen worden sei.
Staatsverschuldung als zentrales Problem
Das eigentliche Kernproblem Brasiliens liege in der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen, so Carvalho. Unter den aktuellen Bedingungen reiche eine begrenzte Haushaltsanpassung nicht aus, um die Staatsverschuldung zu stabilisieren, zumal Zinsen und schwaches Wachstum das Geschäftsumfeld zusätzlich belasteten.
Lulas Zustimmungswerte blieben zwar stabil genug, doch wachse die Unzufriedenheit unter Wählern mit niedrigem Einkommen wegen fehlender Verbesserungen beim Lebensstandard. Bolsonaro wiederum profitiere von einem pragmatischeren Auftreten als sein Vater, der frühere Präsident Jair Bolsonaro.
Ein Sieg Lulas wecke bei Investoren Bedenken hinsichtlich einer glaubwürdigen fiskalischen Konsolidierung, so Carvalho. Sein Team kündige zwar Sparmaßnahmen an, diese dürften aber nicht ausreichen. Bolsonaro verspreche dagegen eine ambitioniertere Anpassung um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Beide Seiten stünden vor großen Herausforderungen, die Geduld der Investoren könnte trotz attraktiver Renditen bald erschöpft sein.
Schwellenländer trotzen dem globalen Anleihen-Ausverkauf
Eine optimistischere Einschätzung liefert James Syme, Senior Portfoliomanager bei J O Hambro. Steigende Anleiherenditen hätten die Märkte weltweit belastet. Dennoch hätten sich Schwellenländer widerstandsfähiger gezeigt als erwartet, begünstigt durch starke Realzinsen und einen schwächeren US-Dollar, so Syme, insbesondere in Brasilien, Mexiko und Südafrika.
Der aktuelle Anleihen-Ausverkauf sei ungewöhnlich: Während die Renditen in Industrieländern stiegen, hätten sich Schwellenländer-Anleihen dank orthodoxerer Fiskalpolitik als robust erwiesen. Mit US-Dollar finanzierte Carry-Trades hätten sieben Quartale in Folge positive Renditen erzielt, die längste Serie seit 2008, der MSCI-Währungsindex für Schwellenländer stehe auf einem Rekordhoch.
Sein Portfolio bleibe entsprechend in Brasilien, Mexiko und Südafrika übergewichtet, mit Fokus auf liquiditätssensitive Sektoren wie Immobilien, Banken und Goldminenunternehmen. Seit Januar 2025 habe der MSCI Emerging Markets Index den MSCI World Index, den S&P 500 und den Nasdaq Composite deutlich übertroffen, weshalb Anleger weiterhin auf Schwellenländer setzen sollten, so Symes Fazit.
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