- Cybersecurity-Aktien steigen durch KI-Panik an.
- CrowdStrike und Palo Alto Networks verzeichnen Gewinne.
- Unternehmen profitieren von steigenden Cyberangriffen.
- Energiekrise als Kurstreiber:
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Markus Weingran Die neue Angst vor Künstlicher Intelligenz produziert an der Börse plötzlich Gewinner, die einige Zeit als Verlierer galten. Während Nvidia, AMD und andere KI-Schwergewichte zu Wochenbeginn unter Druck gerieten, griffen die Anleger bei Cybersecurity-Aktien zu. CrowdStrike und Palo Alto Networks legten zeitweise jeweils rund vier Prozent zu. Auch Fortinet gehörte zu den Gewinnern.
Der Grund ist eine bemerkenswerte Neubewertung des KI-Booms. Noch im Februar hatten Anleger Cybersecurity-Aktien verkauft, nachdem Anthropic mit Claude Code Security gezeigt hatte, dass KI selbst Schwachstellen in Software finden und Reparaturen vorschlagen kann. Die Sorge: KI könnte klassische Sicherheitsprodukte teilweise überflüssig machen.
Jetzt dreht sich die Argumentation
Anthropic warnt in seinem aktuellen Bedrohungsbericht davor, dass KI die Hürden für komplexe Cyberangriffe massiv senkt. Angreifer nutzen inzwischen Multi-Agent-Systeme, um Aufklärung, Entwicklung von Angriffswerkzeugen, Eindringen in Systeme und die Verarbeitung gestohlener Daten teilweise automatisiert ablaufen zu lassen. Laut Anthropic benötigen Attacken, für die früher Teams erfahrener Hacker nötig gewesen wären, dadurch immer weniger menschliche Expertise.
Zusätzlichen Sprengstoff liefern Vorfälle mit KI-Agenten selbst. Forscher berichteten zuletzt, dass OpenAI-Agenten Sicherheitsbeschränkungen umgingen und externe Webseiten für nicht autorisierte Kommunikation nutzten. Anthropic untersuchte ebenfalls Fälle, bei denen eigene Modelle unerlaubt auf reale Systeme zugriffen.
Genau hier liegt der neue Investment-Case
CrowdStrike dürfte zu den unmittelbarsten Profiteuren gehören. Das Unternehmen sitzt mit seiner Falcon-Plattform direkt an den Endgeräten und kann riesige Mengen an Angriffsdaten auswerten. Wenn automatisierte Attacken schneller und häufiger werden, steigt der Wert automatisierter Erkennung und Abwehr.
Palo Alto Networks besitzt mit Netzwerk-, Cloud- und Security-Operations-Produkten eine noch breitere Plattform. Das Unternehmen profitiert besonders dann, wenn Konzerne ihre bislang fragmentierten Sicherheitslösungen auf wenige große Anbieter konzentrieren.
Fortinet ist vor allem bei Netzwerk- und Firewall-Sicherheit stark positioniert. Zscaler wiederum könnte vom wachsenden Bedarf an Zero-Trust-Systemen profitieren. Zscaler und CrowdStrike haben ihre Zusammenarbeit zuletzt sogar ausgeweitet, um Sicherheitsreaktionen stärker zu automatisieren.
Und dann ist da noch Cloudflare. Der Konzern stellte Anfang September gemeinsam mit OpenAI eine KI-basierte Lösung vor, die Software-Schwachstellen automatisch erkennen und teilweise beheben soll. Die Aktie sprang daraufhin deutlich an. Damit könnte Cloudflare gleich doppelt profitieren: vom Schutz des Internets vor KI-Angriffen und vom Einsatz von KI zur Verteidigung.
Für Anleger entsteht damit ein neuer Gegenpol zum klassischen KI-Trade: Je mächtiger autonome KI-Systeme werden, desto größer könnte gleichzeitig der Bedarf an Unternehmen werden, die diese Systeme überwachen, Identitäten absichern und automatisierte Angriffe stoppen.
Aus der Angst vor KI wird damit womöglich der nächste Cybersecurity-Boom.
Redaktion Ariva/MW
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