Kerosin, Streik, Krieg: Baader kappt Lufthansa-Gewinnprognose um 35 Prozent
Julian Schick
Julian Schick
Julian Schick schreibt seit 2020 über die Themen, die Anleger bewegen – mit einem besonderen Fokus auf Aktienanalysen, Dividendenstrategien und ETFs. Der ausgebildete Journalist absolvierte die Kölner Journalistenschule und sammelte Erfahrungen unter anderem beim Handelsblatt, der Financial Times Deutschland sowie Euronews und WDR5. Für Ariva bringt er fundiertes Marktwissen und einen klaren Blick für das Wesentliche mit.
Baader senkt die Lufthansa-Gewinnschätzung um mehr als ein Drittel. Analysten von MWB sehen dieselbe Aktie mit 150 Prozent Kurspotenzial. Wer hat recht und warum liegen beide Seiten näher beieinander, als es scheint?
Für dich zusammengefasst:
Lufthansa senkt die Gewinnprognose um 35 Prozent.
Die EBIT-Prognose für 2023 beträgt etwa 1,6 Milliarden Euro.
Zusätzliche Kosten durch Streiks werden auf 200 Millionen Euro geschätzt.
Lufthansa steckt im Zangengriff. Auf der einen Seite drückt der Iran-Krieg die Kerosinpreise nach oben und macht sämtliche Jahresplanungen zur Makulatur. Auf der anderen Seite hält der Konzern trotzdem an seinen Jahreszielen fest. Baader-Analystin Yi Zhong zieht daraus einen klaren Schluss: Die Gewinnschätzungen müssen runter, und zwar deutlich.
Für das laufende Jahr kürzt Zhong ihre EBIT-Prognose um rund 35 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Für 2027 nimmt sie sich ein knappes Fünftel vom Tisch und landet bei rund 2,3 Milliarden Euro.
Der Hintergrund ist eine Kombination aus strukturellen und akuten Belastungen. Lufthansa hat zwar rund 80 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert, die verbleibenden 20 Prozent schlagen aber aufgrund der Preisspitze durch den Hormuz-Konflikt spürbar durch. Insgesamt dürfte die Treibstoffrechnung für 2026 um rund 1,7 Milliarden Euro über der ursprünglichen Planung liegen und auf fast neun Milliarden Euro steigen.
Dazu kommen acht Streiktage allein in der ersten Jahreshälfte, die Baader mit rund 200 Millionen Euro an Zusatzkosten veranschlagt. Kapazitätswachstum soll es weniger geben als ursprünglich geplant. Den nötigen Ausgleich auf der Einnahmenseite soll eine stärkere Preisdurchsetzungskraft liefern. Das gebe dem Konzern etwas Spielraum, die höheren Kosten auf die Ticketpreise umzuwälzen. Das erste Quartal habe die intakte Nachfrage bestätigt.
Wann Entspannung kommt, ist allerdings unklar. Selbst wenn ein Friedensvertrag unterschrieben würde, geht Baader davon aus, dass die Straße von Hormus noch eine Weile gesperrt bleibt und anschließend Monate vergehen, bis sich Angebot und Nachfrage am Ölmarkt wieder ausbalancieren.
Genau hier setzt der konträre Blick aus Hamburg an. MWB Research ist vor wenigen Tagen mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 21 Euro in die Lufthansa-Coverage eingestiegen, also dem Dreifachen des aktuellen Kursniveaus um die acht Euro. Die These: Der Markt schreibt externe Schocks aus den vergangenen Jahren einfach in die Zukunft fort und vergisst dabei, was Lufthansa strukturell wert ist.
Allein die eigene Flotte decke nach MWB-Berechnungen rund 90 Prozent des aktuellen Börsenwerts ab. Sparten wie Lufthansa Technik, das Frachtgeschäft und die ITA-Beteiligung bekomme man gratis obendrauf.
Widerspricht das der Baader-Einschätzung? Nicht wirklich. Beide Häuser sehen erhebliche kurzfristige Kostenrisiken. MWB setzt nur den längeren Zeithorizont daneben: Flottenmodernisierung, ITA-Synergien und robuste Premiumnachfrage könnten die operative Marge bis 2030 von rund 4,5 auf etwa sieben Prozent heben.
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen finden Sie jeweils hier: DE000NB2L501
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