Euro nahe Jahrestief: Wird die Schwäche zum Zins-Problem für Lagarde?
Nicolas Ebert
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Am Donnerstag hält die Europäische Zentralbank wohl die Füße still. Doch beim Zinspfad liegen Ökonomen und Händler weit auseinander. Wer recht behält, entscheidet über Anleihen, Euro und damit über Ihr Depot.
Für dich zusammengefasst:
Die EZB könnte den Einlagensatz bei 2,5 Prozent belassen.
Die Teuerung im Euroraum liegt zuletzt bei 3,8 Prozent.
Der Euro notiert knapp über seinem Jahrestief bei 1,112 USD.
Am Donnerstag um 14.15 Uhr dürfte die Europäische Zentralbank den Einlagensatz bei 2,5 Prozent belassen. Im Dezember folgt laut einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen die letzte Erhöhung auf 2,75 Prozent. Danach soll der Zins bis Mai 2028 stillstehen. Händler sehen das anders und rechnen im kommenden Jahr mit drei weiteren Schritten.
"Es gibt nach wie vor keine Anzeichen dafür, dass sich die Energieinflation auf die allgemeine Lohn- und Preisbildung ausweitet", sagt Bas van Geffen von der Rabobank. Die Notenbank könne bis Dezember warten.
Der Druck bleibt hoch. Wegen des Iran-Kriegs hob die Notenbank die Zinsen bereits im Juni und im September an. Dennoch kletterte die Teuerung im Euroraum zuletzt auf 3,8 Prozent. Das ist fast doppelt so viel wie angestrebt. Bei Ölpreisen von mehr als 110 US-Dollar je Barrel sehen über zwei Drittel der Ökonomen die Wirtschaft schwächer als die Notenbank in ihrer Prognose vom September. Ein Überschießen der Inflation sei inzwischen das weitaus größere Risiko, warnt Dennis Shen von der International School of Management in Berlin.
Sorgen bereitet auch der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte zuletzt erstmals seit 2002 fünf Prozent. Ein Eingreifen halten die Ökonomen dennoch für unwahrscheinlich. Rund 90 Prozent schließen den Einsatz des Notfallinstruments für Staatsanleihen aus. "Die Europäische Zentralbank kann derzeit nur sehr wenig tun, um Frankreich zu helfen, solange Frankreich nicht bereit ist, sich selbst zu helfen", sagt Carsten Brzeski von ING.
Euro-Schwäche als Preistreiber
Hinzu kommt die Währung. Der Euro kostet um die 1,112 US-Dollar und notiert damit knapp über seinem Jahrestief. Ein weiterer Rückgang würde die Inflation zusätzlich anheizen, warnt David Zahn von Franklin Templeton. Für Dezember erwartet er "mit ziemlicher Sicherheit" eine Erhöhung und danach eine Pause.
Für Anleihekäufer eröffnet das Umfeld Chancen. "Europäische Staatsanleihen bieten inzwischen wieder attraktive laufende Erträge", sagt Silvio Vergallo von Eurizon. Er setzt auf längere Laufzeiten. Bei Frankreich bleibt er vorsichtig, in Italien sieht er dagegen besonders bei langen Laufzeiten Potenzial.
Fazit
Die Notenbank steht vor einem Spagat zwischen hoher Inflation und schwächerem Wachstum. Behalten die Ökonomen recht, endet die Serie der Zinserhöhungen im Dezember. Das spräche für Anleihen mit längerer Laufzeit, deren Kurse bei sinkenden Renditen steigen.
Ein weiter steigender Ölpreis oder ein schwächerer Euro könnten die Notenbank aber zu weiteren Schritten zwingen. Am Donnerstag zählen deshalb vor allem die Signale von Präsidentin Christine Lagarde.
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