Die Skyline von Teheran der Hauptstadt und größten Stadt des Iran, das sowohl ein politisches als auch kulturelles Zentrum des Landes darstellt.
Quelle: - ©iStock:
Google
dpa-AFX  | 
aufrufe Aufrufe: 215

Augenzeugen: Proteste in Teheran wegen Wirtschaftskrise

TEHERAN (dpa-AFX) - In mehreren Geschäftsvierteln Teherans haben die Proteste gegen die desolate wirtschaftliche Lage am Montag den zweiten Tag in Folge angehalten. Augenzeugen berichteten, Hunderte Ladenbesitzer hätten ihre Geschäfte in der iranischen Hauptstadt geschlossen und andere aufgefordert, sich den Protesten anzuschließen.

play Anhören
share Teilen
feedback Feedback
copy Kopieren
newsletter
font_big Schrift vergrößern
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Die Proteste hatten am Sonntag begonnen, nachdem die Landeswährung Rial innerhalb weniger Stunden auf ein neues Rekordtief gefallen war. Der Absturz lähmte den Handel und stürzte Märkte und Händler in völlige Verwirrung.

Was als wirtschaftlicher Protest begann, artete schnell in politische Parolen aus. Die Demonstranten riefen Slogans gegen die Regierung, darunter "Tod dem Diktator". Laut Augenzeugen wurden in verschiedenen Teilen Teherans Polizeieinheiten eingesetzt, die Tränengas verwendeten, um die Menge zu zerstreuen.

Selbst staatliche Medien berichten

Am Montag sollen die Kundgebungen noch größer - laut Augenzeugen protestierten Tausende - und die Parolen noch heftiger gewesen sein. Einige bezeichneten das System als "würdelos" und forderten mit Rufen wie "Lang lebe der König" gar die Rückkehr der Monarchie.

Auch die staatliche Presse berichtete über die Proteste in mehreren Basaren und Einkaufszentren der Hauptstadt, vermied jedoch Hinweise auf die harschen politischen Parolen. In den sozialen Netzwerken kursierten Videos von großen Menschenmengen auf den Straßen, deren Echtheit allerdings nicht unabhängig verifiziert werden konnte.

Beobachter sehen einen möglichen Auslöser der Eskalation in den jüngsten Äußerungen von Außenminister Abbas Araqchi. Dieser hatte die internationalen Sanktionen gegen den Iran als "Problem, aber zugleich auch als Segen für das Volk" bezeichnet. Kritiker fragten, wie Armut ein "Segen" sein könne, und warfen der Regierung vor, jeglichen Bezug zur sozialen Realität verloren zu haben.

Sanktionen sorgen für Wirtschaftskrise

Die Inflation im Iran hat seit Monaten astronomische Ausmaße erreicht und macht selbst alltägliche Einkäufe unerschwinglich. Steigende Mieten zwingen zudem viele junge Iraner, wieder bei ihren Eltern einzuziehen.

Irans Nahostpolitik, der harte Kurs gegen Israel und das umstrittene Atomprogramm haben zu internationalen Sanktionen geführt. Insbesondere die Banksanktionen haben den Ölexport - die wichtigste Einnahmequelle des Landes - blockiert. Das Ergebnis dieser Politik führte laut Experten dementsprechend zur schwersten Wirtschaftskrise der iranischen Geschichte.

Die öffentliche Wut richtet sich auch gegen die Regierung von Präsident Massoud Pezeshkian. Ihm wird vorgeworfen, staatliche Mittel zur Unterstützung bewaffneter Gruppen in den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Jemen einzusetzen, statt die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung zu lindern./str/DP/nas

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.


Weitere Artikel des Autors

Themen im Trend