Anthropic vor Mega-IPO: Kommt der KI-Börsengang schon im Herbst?
Ferdinand Hammer
Ferdinand Hammer
Ferdinand Hammer ist seit 2017 als Finanzjournalist tätig. Vor seinem Wechsel in den Börsenjournalismus arbeitete er unter anderem für das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Seine Themenschwerpunkte sind ESG-Investments, US-Technologiewerte und E-Autoaktien.
Anthropic bereitet offenbar einen Mega-Börsengang vor: Die IPO-Unterlagen liegen bei der SEC, Insider erwarten den Start schon im Herbst. Was Anleger jetzt wissen müssen.
Für dich zusammengefasst:
Anthropic hat IPO-Unterlagen bei der SEC eingereicht.
Die laufende Umsatzrate soll 47 Milliarden US-Dollar betragen.
Anthropic ist 2021 von ehemaligen OpenAI-Führungsleuten gegründet.
Anthropic stellt die Weichen für einen möglichen Börsengang. Wie CNBC berichtet, hat das KI-Unternehmen vertrauliche IPO-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Damit könnte sich für Investoren schon bald eine der spannendsten Neuemissionen im Technologiesektor eröffnen.
Ein konkreter Termin steht zwar noch nicht fest. Der Schritt gibt Anthropic jedoch die Möglichkeit, nach Abschluss der SEC-Prüfung an die Börse zu gehen. Ob es tatsächlich dazu kommt, soll vom Marktumfeld und weiteren Faktoren abhängen. Laut Berichten rechnen Insider damit, dass der IPO bereits im Herbst stattfinden könnte.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Vergleich mit anderen Schwergewichten der Branche. Während OpenAI bisher nicht an der Börse notiert ist, könnte Anthropic den Sprung an die Wall Street früher schaffen. Auch SpaceX hat seinen Prospekt bereits offiziell eingereicht, die Roadshow steht demnach bevor. Der Wettbewerb um den richtigen Zeitpunkt am Kapitalmarkt nimmt damit spürbar Fahrt auf.
Die Wachstumszahlen unterstreichen die Dimension des möglichen Deals. So soll die laufende Umsatzrate in diesem Jahr auf 47 Milliarden US-Dollar gestiegen sein, nachdem der Jahresumsatz im Vorjahr bei 10 Milliarden US-Dollar gelegen haben soll. Zudem schloss Anthropic in der vergangenen Woche eine Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar ab. Damit läge das Unternehmen vor OpenAI, das Ende März mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet wurde.
Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Führungskräften und -Forschern gegründet. Das Unternehmen ist vor allem durch den KI-Assistenten Claude sowie das Entwicklerwerkzeug Claude Code bekannt. Zuletzt sorgte auch Claude Mythos Preview für Aufmerksamkeit – ein Modell mit erweiterten Fähigkeiten im Bereich Cybersecurity.
Ein Börsengang wäre jedoch nicht risikofrei. So wurden Anthropic-Modelle nach einem gescheiterten Austausch mit dem US-Verteidigungsministerium auf eine Blacklist des Pentagons gesetzt. Eine Klage gegen die Regierung unter Donald Trump läuft weiterhin. Gleichzeitig gewinnt das Unternehmen im Privatkundengeschäft an Dynamik: Ende Februar erreichte Claude Platz 1 der kostenlosen US-Apps im App Store von Apple.
Die Kosten des Wachstums sind jedoch ebenfalls gewaltig. So hat Anthropic große Infrastrukturverträge abgeschlossen, darunter eine Vereinbarung mit SpaceX zur Nutzung von Rechenkapazitäten im Colossus-1-Rechenzentrum in Memphis. Laut dem SpaceX-Prospekt zahlt Anthropic dafür bis Mai 2029 monatlich 1,25 Milliarden US-Dollar. Die Vereinbarung kann mit einer Frist von 90 Tagen gekündigt werden.
Für Anleger könnte Anthropic somit zu einem wichtigen Gradmesser für den KI-Hype an der Börse werden. Das Unternehmen verbindet enormes Wachstum mit hohen Erwartungen, politischen Konflikten und massiven Infrastrukturkosten. Genau diese Mischung dürfte einen möglichen Börsengang zu einem der meistbeachteten der kommenden Monate machen.
Autor: sbh-Redaktion/FH
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