Geschlossene Fonds mit Ausschüttungsrenditen von 18 bis 23 Prozent wirken auf einkommensorientierte Anleger verlockend, bergen jedoch erhebliche Substanzrisiken. Eine aktuelle Analyse auf Seeking Alpha beleuchtet zwei prominent gehandelte Closed-End Funds (CEFs) mit extrem hohen laufenden Ausschüttungen, identifiziert einen Kandidaten zum Verkauf und einen, der sich trotz hoher Rendite als vergleichsweise solide erweist.
Im Fokus stehen die Produkte Cornerstone Total Return Fund (CRF) und Cornerstone Strategic Value Fund (CLM), die sich durch monatliche Ausschüttungen und eine aggressive Dividendenpolitik auszeichnen. Zudem wird der Liberty All-Star Equity Fund (USA) als Alternativinvestment mit hoher, aber wesentlich nachhaltigerer Ausschüttungsstruktur gegenübergestellt.
Extremrenditen von 18–23 % bei CRF und CLM
CRF und CLM weisen laut der Analyse gegenwärtig Ausschüttungsrenditen zwischen rund 18 und 23 Prozent auf Basis der Marktpreise auf. Diese Renditen resultieren aus einer Fondsrichtlinie, wonach die jährliche Ausschüttung typischerweise bei 21 Prozent des Nettoinventarwertes (NAV) des Fonds angesetzt wird. Die Auszahlung erfolgt in monatlichen Raten, was die Fonds für Einkommensanleger attraktiv erscheinen lässt.
Die hohe Ausschüttungsquote hat jedoch zur Folge, dass ein erheblicher Teil der Dividenden nicht aus laufenden Erträgen, sondern aus Kapitalrückzahlungen („return of capital“) stammt. Dies bedeutet, dass Anleger neben etwaigen Erträgen auch ein Stück ihres eingesetzten Kapitals zurückerhalten. In der Analyse auf Seeking Alpha wird hervorgehoben, dass diese Struktur langfristig tendenziell zu einer Verwässerung des NAV führt, sofern die erzielten Anlageergebnisse nicht mit der hohen Ausschüttungsquote Schritt halten können.
Prämien auf den NAV und strukturelle Risiken
Ein zentrales Risiko der beiden Cornerstone-Fonds ist die Bewertung am Markt relativ zum NAV. CRF und CLM werden regelmäßig mit signifikanten Aufschlägen gegenüber ihrem inneren Wert gehandelt. Diese Prämien werden teilweise durch die hohe und planbare Ausschüttung sowie durch regelmäßig durchgeführte Bezugsrechtsemissionen („rights offerings“) getrieben.
Die Analyse betont, dass Rights Offerings in der Vergangenheit genutzt wurden, um zusätzliches Kapital zu beschaffen und die Fondsmittel auszuweiten. Dabei werden neue Anteile zu einem Abschlag auf den Marktpreis, jedoch häufig noch zu einem Aufschlag auf den NAV ausgegeben. Dieser Mechanismus ist für Bestandsanleger ambivalent: Einerseits kann die Ausweitung des Fondsvolumens die Managementgebühren auf höhere absolute Beträge ausdehnen, andererseits führt die Verwässerung bei Ausgabe zu hohen Prämien tendenziell zu einem Druck auf die Marktpreise und birgt Kursrisiken.
Die historische Kursentwicklung zeigt Phasen ausgeprägter Überbewertungen, gefolgt von Korrekturen, sobald die Marktteilnehmer die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen hinterfragen oder strukturelle Änderungen – etwa Anpassungen der Ausschüttungspolitik – bevorstehen. Dadurch verschärft sich das Risiko für Anleger, die in Phasen hoher Prämien einsteigen, da die Kursverluste die vereinnahmten Ausschüttungen übersteigen können.
Ausschüttungsstruktur: Mehr Schein als Sein?
Die hohe Auszahlungsquote der Cornerstone-Fonds stammt nur zu einem begrenzten Teil aus Dividenden und realisierten Kursgewinnen. In der Analyse wird herausgearbeitet, dass über längere Zeiträume ein signifikanter Anteil der Ausschüttungen als Rückzahlung von Kapital klassifiziert wurde. „Return of capital“ ist bilanziell und steuerlich nicht zwingend negativ, signalisiert in diesem Kontext aber, dass die erwirtschafteten Erträge nicht ausreichen, um die versprochene Ausschüttung in voller Höhe zu decken.
Dies führt langfristig zu einer Erosion des NAV, wenn die zugrunde liegenden Portfolios nicht überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Für einkommensorientierte Anleger entsteht dadurch ein Trugbild: Die nominell sehr hohe Ausschüttungsrendite täuscht unter Umständen über eine strukturelle Substanzschwächung hinweg. Die Analyse ordnet dies als zentrales Risiko für die Nachhaltigkeit der Ertragsströme ein.
USA-Fonds als Vergleichsmaßstab
Demgegenüber wird der Liberty All-Star Equity Fund (USA) als Alternativanlage betrachtet, der ebenfalls eine hohe laufende Ausschüttung bietet, jedoch eine andere Struktur aufweist. USA verfolgt eine Politik, einen festen Prozentsatz des NAV als Ausschüttung zu leisten, ist jedoch stärker auf reale Ertragskraft und Kapitalgewinne ausgerichtet. Die Ausschüttungsrendite liegt im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, jedoch unterhalb der extremen Werte von CRF und CLM.
In der Analyse wird herausgestellt, dass USA typischerweise näher am NAV oder mit deutlich geringeren Prämien gehandelt wird als die Cornerstone-Fonds. Dies reduziert das Bewertungsrisiko für Neu- und Bestandsinvestoren. Zudem ist die Zusammensetzung des Portfolios stärker auf breit diversifizierte, etablierte Large Caps ausgerichtet, was die Volatilität – relativ zu Fonds mit stärker spekulativem Charakter – begrenzen kann.
Bewertung: Ein CEF zum Verkaufen, einer zum Kaufen
Auf Basis der aktuellen Bewertungen, der Struktur der Ausschüttungen sowie der Historie von Rights Offerings kommt die Analyse zu einer klaren Unterscheidung: Einer der betrachteten Cornerstone-Fonds wird als Verkauf („to sell“) eingestuft, während ein anderer Fonds als Kauf („to buy“) betrachtet wird.
Die Entscheidung wird dabei im Wesentlichen auf drei Faktoren gestützt: Erstens auf die Höhe der Prämie zum NAV und die damit verbundenen Downside-Risiken. Zweitens auf die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen in Relation zur Ertragskraft des Portfolios. Drittens auf die Wahrscheinlichkeit weiterer Kapitalmaßnahmen, die zu Verwässerungseffekten und Kursschwankungen führen können. Der Liberty All-Star Equity Fund (USA) wird in diesem Kontext als die defensivere Wahl mit besserem Chance-Risiko-Profil angesehen, insbesondere im Vergleich zu überteuerten Cornerstone-Strukturen.
Implikationen für die Portfoliosteuerung
Für erfahrene Anleger zwischen 50 und 60 Jahren weist die Analyse auf Seeking Alpha darauf hin, dass extrem hohe nominale Ausschüttungsrenditen nicht mit nachhaltiger Ertragskraft gleichgesetzt werden dürfen. Die Struktur von CEFs mit aggressiver Ausschüttungspolitik kann zu einer schleichenden Aushöhlung des NAV und zu Kursrisiken führen, die in traditionellen Bewertungskennzahlen nur unzureichend sichtbar werden.
Insbesondere in einem Umfeld höherer Zinsen und zunehmender Volatilität gewinnt die Qualität der Ertragsquellen an Bedeutung. Fonds, die vor allem durch Kapitalrückzahlungen hohe Ausschüttungen generieren und gleichzeitig mit signifikanten Aufschlägen auf den NAV gehandelt werden, bergen das Risiko einer abrupten Neubewertung durch den Markt – etwa im Zuge von Kürzungen der Ausschüttung oder weiteren Rights Offerings.
Fazit: Handlungsempfehlung für konservative Anleger
Konservative Anleger sollten die analysierten Cornerstone-Fonds trotz ihrer attraktiven nominalen Ausschüttungsrenditen mit großer Zurückhaltung betrachten. Die Kombination aus hohen Prämien auf den NAV, einer stark auf „return of capital“ basierenden Ausschüttungspolitik und wiederkehrenden Kapitalmaßnahmen erhöht das Risiko von Kursverlusten deutlich. Wo Ausschüttungen in erheblichem Umfang aus der Substanz stammen, ist die scheinbar zweistellige Rendite oft nur eingeschränkt werthaltig.
Eine mögliche Reaktion konservativer Investoren auf die dargestellte Situation besteht darin, Positionen in überbewerteten Hochdividenden-CEFs zu reduzieren oder ganz zu veräußern und stattdessen auf Fonds mit soliderer Ausschüttungsbasis und geringerer Bewertungsprämie auszuweichen. Der in der Analyse als vergleichsweise robuster dargestellte Liberty All-Star Equity Fund (USA) illustriert, dass sich hohe Ausschüttungen und eine weniger riskante Struktur nicht ausschließen müssen. Für einkommensorientierte Anleger, die Kapitalerhalt und kalkulierbare Erträge priorisieren, erscheint ein selektiver Ansatz mit Fokus auf nachhaltige Ausschüttungsquoten sowie moderate Bewertungen demnach sinnvoller als die Jagd nach maximalen nominellen Dividendenrenditen.