Sparbuch statt Aktie: So viel Geld haben die Deutschen liegen lassen
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
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Die Deutschen legen ihr Geld häufiger am Kapitalmarkt an, als ihr Ruf als Volk der Sparer vermuten lässt. Laut einer Studie der niederländischen ING-Bank investieren 46 Prozent der Befragten in Aktien, Anleihen, Fonds oder ETFs. Das ist mehr als im europäischen Schnitt. Unter elf untersuchten europäischen Ländern reicht es für Platz drei hinter der Türkei und der Schweiz. Unter den sechs größten Volkswirtschaften der Eurozone liegt Deutschland sogar vorn.
Die Jungen ziehen mit
"Die Deutschen investieren häufiger, als ihr Ruf vermuten lässt", sagt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Vor allem in jüngeren Generationen sei die Geldanlage an der Börse inzwischen weit verbreitet. Am höchsten ist die Akzeptanz laut Studie bei den 35- bis 44-Jährigen. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragte dafür online jeweils 1.000 Menschen in zwölf Ländern.
Der Schnitt täuscht
Fondsanteile und Aktien der Deutschen summieren sich laut ING auf mehr als 2,1 Billionen Euro. Pro Haushalt sind das im Schnitt rund 51.000 Euro, deutlich mehr als in der Eurozone mit etwa 36.000 Euro. Der Durchschnitt verdeckt allerdings, wie ungleich der Aktienbesitz verteilt ist. Nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts investierten 2025 rund 14 Millionen Menschen in Aktien oder Fonds. Das ist nicht einmal jeder Fünfte.
Das Sparbuch kostet Milliarden
Trotzdem bleibt das Zinskonto der Deutschen liebstes Kind. Diese Vorsicht ist teuer. Von 1996 bis 2025 entgingen den Haushalten durch Spareinlagen statt Investmentfonds fast 400 Milliarden Euro an Vermögenszuwachs, rechnen die Studienautoren vor. Mit Aktien wären sogar mehr als 1,2 Billionen Euro möglich gewesen.
Aktuell frisst zudem die Inflation am Ersparten. Die Europäische Zentralbank hob den Einlagenzins im September auf 2,5 Prozent an. Die Teuerung im Euroraum lag zuletzt aber bei 3,3 Prozent. Die Politik will gegensteuern. Das vom Bundestag beschlossene Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente ablösen und das Sparen mit Aktien und Fonds fördern. Mit der Frühstartrente will die Bundesregierung ab 2027 zudem für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren zehn Euro im Monat in ein Vorsorgedepot einzahlen.
Fazit
Die Aktienkultur in Deutschland wächst. Doch Millionen Haushalte verschenken weiter Rendite. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an Aktien und breit gestreuten Indexfonds kaum vorbei. Schwankungen gehören dazu, wie die jüngste Zinsnervosität am Aktienmarkt zeigt. Ein regelmäßiger Sparplan glättet solche Phasen.
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