Röttgen will Klimaschutz-Allianz mit Entwicklungsländern
Hamburg — Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) setzt auf der UN-Klimakonferenz in Durban auf eine Allianz mit Entwicklungsländern und kleinen Inselstaaten, um doch noch Fortschritte beim globalen Klimaschutz zu erreichen. Wegen ihrer besonderen Anfälligkeit für die Folgen der Erderwärmung seien diese Staaten "die natürlichen Verbündeten" Deutschlands und der EU beim Versuch, eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen zu erreichen, sagte Röttgen am Rande der Verhandlungen. Sie könnten aber zugleich in besonderem Maße Einfluss auf China ausüben, verbindlichen Reduktionszielen zumindest mittelfristig zuzustimmen.
Positiv äußerte sich Röttgen in diesem Zusammenhang über Südafrikas Präsident Jacob Zuma, der sich zu solchen Verpflichtungen im Grundsatz bereit erklärt hatte. Ziel Deutschlands und der EU ist es, in Durban ein Paket auszuhandeln, das eine Fortschreibung des Kyoto-Protokolls für Klimaschutz sowie ein Mandat oder einen Fahrplan für ein späteres umfassendes, rechtlich verbindliches Abkommen vorsieht.
Das Kyoto-Protokoll, dessen erste Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft, hat den Nachteil, dass es nur den Industrieländern Emissionsgrenzen auferlegt, nicht aber den großen Schwellenländern wie China und Indien. Auch die USA haben das Protokoll nicht ratifiziert. Die Haltung der US-Regierung in Durban beschrieb Röttgen als "anhaltend bedauerlich". Dagegen komme China zumindest "für Bewegung in Frage".
Vorsichtig optimistisch äußerte sich Röttgen, der am Nachmittag vor dem Konferenzplenum eine Rede hält, zum geplanten weltweiten Klimaschutzfonds. Der bereits vor einem Jahr beschlossene "Green Climate Fonds" (GCF) soll vor allem Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen unterstützen. Er soll in Durban arbeitsfähig gemacht werden. Zudem geht es um die Sicherstellung weiterer finanzieller Mittel, die bis 2020 auf 100 Milliarden Euro jährlich anwachsen sollen.
Während in Durban um eine stärkere Reduktion von Treibhausgasen gerungen wird, gaben in der Umfrage 66 Prozent der Deutschen an, heute nicht mehr für den Klimaschutz zu tun als früher. Nur jeder Dritte achtete verstärkt aufs Energiesparen, vor allem im Haushalt und beim Heizen.