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Nordex-Wettbewerber Vestas Wind ist von Kehrtwende noch entfernt
Mittwoch, 21. August 2013, 11:20 Uhr
Von Clemens Bomsdorf
Der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas Wind Systems rutscht immer tiefer in die Krise und tauscht jetzt den Chef aus. Ab Anfang September soll Anders Runevad an die Spitze des Managements treten und Ditlev Engel ablösen. Runevad war vorher im Topmanagement bei Ericsson. Im zweiten Quartal häufte Vestas einen unerwartet hohen Verlust von 62 Millionen Euro an. Im Vorjahr lag der Fehlbetrag bei 8 Millionen.
Vestas hat schon seit geraumer Zeit Probleme und brachte 2012 eine Restrukturierung auf den Weg. Im Zuge dessen wurden bereits etliche Arbeitsplätze gestrichen und nun sollen im laufenden Jahr weitere folgen. Vestas leidet wie die Wettbewerber unter dem scharfen Wettbewerb auf dem Markt für Windturbinen durch die Asiaten und versucht derzeit den Turnaround. Die Dänen wollen sich verstärkt auf den Servicebereich konzentrieren. Vestas, die im Vorjahr einen Verlust von einer knappen Milliarde Euro eingefahren hat, will bis Ende 2014 einige ihrer 25 Fabriken schließen und damit Überkapazitäten abbauen.
Während Vestas von der Gewinnzone noch weit entfernt ist, hat der ungleich kleinere Wettbewerber Nordex die Kehrtwende geschafft und ist gestärkt aus seiner Neuausrichtung hervorgegangen. Die Deutschen haben sich im Rahmen der Restrukturierung weitgehend aus der Produktion in China zurückgezogen. Dort habe der Konzern "keine Aussichten auf ein deutlich höheres Geschäftsvolumen und attraktive Margen", hatte Vorstandschef Jürgen Zeschky jüngst gesagt. Auch das Geschäft in den USA hat der Hersteller zurückgefahren. Zeschky sagte, dort seien die Rahmenbedingungen "nicht verlässlich oder aus einem Guss geprägt". Nach Steuern verdiente Nordex in den ersten sechs Monaten 1,3 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum von 23,3 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet Nordex einen Umsatz zwischen 1,3 und 1,4 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 2,5 bis 3,5 Prozent. Die dänische Vestas erwartet für 2013 einen Umsatz von mindestens 5,5 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge vor Sonderposten von mindestens einem Prozent.