Ich finde es sehr schade, wenn manche "Foristen" irgendwelche "Börsenstrategien" als vermeintlich absolute Wahrheiten verkaufen wollen. Bei jeder "Strategie" muss nämlich die erste (und wichtigste) Fragestellung lauten: Ist sie in meiner persönlichen Gesamtsituation sinnvoll? Eng damit verbunden natürlich auch die damit verknüpfte (Teil-)Fragestellung: Welche Chancen und Risiken sind mit dieser Strategie verbunden?
Gerade Stephan hat - wie ich finde - leider manchmal die unangebrachte Art, persönliche Ansichten oder mögliche Strategien als "die einzig zulässigen" oder "die einzig richtigen" darstellen zu wollen. Das finde ich nicht in Ordnung; es wäre gut, die Formulierungen so zu wählen, dass Meinungen und Tatsachen etwas besser als solche erkennbar wären.
Ein Beispiel ist
#17948, nach dem angeblich die Aktienquote JEDES Anlegers "100% - Alter" sein müsse.
Solche Pauschalaussagen sind doch völlig sinnlos, weil sie sich auf nur ein einziges Einflusskriterium beschränken, bowohl es - wohl unstrittig - viel mehr relevante Einflusskriterien gibt, nicht zuletzt auch die absoulte Höhe des Vermögens.
Wenn der 20jährige, der vielleicht 20.000 EUR Vermögen hat, 80% in Aktien investiert, dann sind das 16.000 EUR und er hat nur noch 4.000 EUR Reserve. Wenn er so viel in Aktien investieren würde, käme er in einer unvorhergesehenen Situation schnell in Finanznöte (z. B. großer Reparaturschaden am Auto, Arbeitslosigkeit) und wäre ggf. gezwungen, Teilbestände seiner Aktien mit Verlust verkaufen.
Die "Anlagestrategie" wäre also äußerst unklug.
Nehmen wir als anderen Fall den 80jährigen Rentner, der 100.000 EUR Vermögen hat und in der eigenen, abbezahlten Hütte wohnt. Seine Einkünfte sind absolut sicher (den Fall der Staatspleite wieder einmal ausgeklammert) und seine finanziellen Risiken ("Wofür brauche ich ggf. kurzfristig Geld?") sind nicht nur in absoluter Gesamt-Höhe geringer als die der "werktätigen" Bevölkerung (z. B. fällt für ihn der Risikofaktor Arbeitslosigkeit völlig weg). V. a. hängt die Höhe des Gesamtrisikos NICHT vom Vermögen ab, sondern bestenfalls vom "Lebensstandard". Wozu sollte sich der o. g. Rentner 80.000 EUR als vermeintlichen "Notgroschen" zur Seite legen (denn 100 - Alter wären ja hier = 100 - 80 = 20, also max. 20% in Aktien) und ihn nicht in Aktien (oder anders, bei dem der Rückzahlungswert nicht garantiert ist) investieren? Dafür gibt es doch gar keinen Anlass!
Die korrekte Rechnung wäre vielmehr:
x vollständige Monatsausgaben als Reserve = Liquidität (z. B. 3-6 Monatsausgaben)
zzgl. ALLE in den nächsten 12 Monaten "geplanten" größeren Ausgaben
zzgl. eines - individuell zu bestimmenden - Betrages für die "ungeplanten" größeren Ausgaben, die wiederum sehr von einzelnen Faktoren abhängen (z. B. braucht mein Haus bald ein neues Dach? o. ä.).
Das ergibt in der Summe einen Betrag, den o. g. Rentner als Rerserve (stets) zur Verfügung haben sollte.
Was spricht für ihn dagegen, alles andere in Aktien anzulegen? Denn der o. g. Rentner kann es sich eben auch leisten, im Notfall einen Teil seiner Aktien mit Verlust zu verkaufen, während das für den o. g. 20jährigen nicht geht: Bei gleicher absoluter Höhe des Finanzbedarfs müsste er schlimmstenfalls Alles verkaufen!
Das zeigt doch, dass die Aussage (oder Behauptung) die in
#17948 gemacht wurde, - mit Verlaub - Schwachsinn ist.