Stärkster Rückgang seit zehn Jahren, der Einbruch ist aber geringer als befürchtet und die Aktienkurse steigen
Unter den geringeren Wachstumsraten leidet auch die amerikanische Exportwirtschaft
New York - Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft ist so stark zurückgegangen, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der Rückgang der Wachstumsrate auf minus 0,4 Prozent im dritten Quartal fiel allerdings weniger deutlich aus, als dies von Wall Street und Ökonomen erwartet worden war: Sie hatten ein Nachlassen der Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent vorausgesagt.
Die am Mittwoch morgen (Ortszeit) bekannt gegebene Zahl ist allerdings nur eine erste grobe Schätzung; Beobachter glauben, dass das Handelsministerium den Wert in den kommenden Wochen nach unten revidieren wird. Die New Yorker Börse - die in den vergangenen Tagen deutlich verloren hatte - reagierte zunächst mit steigenden Kursen auf die Meldung.
Das letzte Mal war die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal 1993 mit minus 0,1 Prozent negativ. Dies war damals jedoch ein einmalig gebliebener Dämpfer und nicht der Beginn einer Rezession, die mit zwei Quartalen in Folge mit negativem Wachstum definiert ist. Zuletzt war die US-Wirtschaft zwischen dem dritten Quartal 1990 und dem ersten Quartal 1991 drei Mal hintereinander in rezessives Terrain geraten.
Auch nun gehen die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken in New York davon aus, dass das Land in einen Abschwung gleitet. Die Talfahrt hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet - im zweiten Quartal war der Wachstumswert schon gefährlich an die Null herangeraten - die Terroranschläge vom 11. September haben die Lage deutlich verschlechtert: Denn die Verbraucher, deren Nachfrage für zwei Drittel des BIP steht, haben in den vergangenen Wochen immer mehr Vertrauen verloren.
Gerade erst war der Verbraucherindex des Conference Board auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gerutscht: Der Wert war im Oktober um erstaunliche 11,5 Punkte auf nun 85,5 Stellen gesunken. Der Index über die Einschätzung der derzeitigen Lage rutschte von 125,4 auf 107,6 Punkte; der Index über die Erwartung, wie die Lage in sechs Monaten sein wird, fiel von 78,1 auf 70,8 Punkte. Die Konsumenten schränken ihren realen Verbrauch bereits ein: Ein viel beachteter Handelskettenindikator war in der vorletzten Oktoberwoche erstmals seit Monaten negativ.
Hauptursache für das dahinschmelzende Vertrauen sind vor allem die Nachrichten vom Arbeitsmarkt. An diesem Freitag wird die Zahl der abgebauten Jobs bekannt gegeben - und Experten rechnen mit fast 300.000 Stellen weniger. Die Arbeitslosenquote werde auf 5,2 Prozent steigen, dem höchsten Stand seit März 1997, heißt es. Ende des Jahres könnte der Wert sogar die Sechs-Prozent-Marke überschreiten.
Allein die durch die Attentate in Probleme geratenen Airlines haben den Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen angekündigt. "Den größten Einfluss auf den Konsum der Amerikaner haben die Arbeitslosentrends", sagt Merrill-Lynch-Ökonom Douglas Neviera. Einen Aufschwung sehen Volkswirte frühestens in der zweiten Hälfte 2002.
Unterdessen wirkt sich das negative Wachstum auf die Haushaltkasse der Regierung aus. Der Etatüberschuss, der noch im Jahr 2000 rund 237 Mrd. Dollar betragen hatte, ist auf 127 Mrd. Dollar zusammengeschmolzen. Bei Herausrechnen der Sozialversicherung fährt die Regierung bereits jetzt ein Defizit in Höhe von 33,5 Mrd. Dollar ein. Ursache sind neben schwindenden Steuereinnahmen vor allem die milliardenschweren Anti-Terror-Pakete. Beide Parteien im Kongress sind aber bereit, zur Finanzierung der Reaktionen auf den 11. September vorübergehend ein Haushaltsdefizit zu akzeptieren.
Gruß Kostolmoney