Wirtschaft in den USA schrumpft  


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9745400lopi:

Wirtschaft in den USA schrumpft  

 
31.10.01 19:49


Stärkster Rückgang seit zehn Jahren, der Einbruch ist aber geringer als befürchtet und die Aktienkurse steigen

Unter den geringeren Wachstumsraten leidet auch die amerikanische Exportwirtschaft

New York - Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft ist so stark zurückgegangen, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der Rückgang der Wachstumsrate auf minus 0,4 Prozent im dritten Quartal fiel allerdings weniger deutlich aus, als dies von Wall Street und Ökonomen erwartet worden war: Sie hatten ein Nachlassen der Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent vorausgesagt.
Die am Mittwoch morgen (Ortszeit) bekannt gegebene Zahl ist allerdings nur eine erste grobe Schätzung; Beobachter glauben, dass das Handelsministerium den Wert in den kommenden Wochen nach unten revidieren wird. Die New Yorker Börse - die in den vergangenen Tagen deutlich verloren hatte - reagierte zunächst mit steigenden Kursen auf die Meldung.
Das letzte Mal war die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal 1993 mit minus 0,1 Prozent negativ. Dies war damals jedoch ein einmalig gebliebener Dämpfer und nicht der Beginn einer Rezession, die mit zwei Quartalen in Folge mit negativem Wachstum definiert ist. Zuletzt war die US-Wirtschaft zwischen dem dritten Quartal 1990 und dem ersten Quartal 1991 drei Mal hintereinander in rezessives Terrain geraten.

Auch nun gehen die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken in New York davon aus, dass das Land in einen Abschwung gleitet. Die Talfahrt hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet - im zweiten Quartal war der Wachstumswert schon gefährlich an die Null herangeraten - die Terroranschläge vom 11. September haben die Lage deutlich verschlechtert: Denn die Verbraucher, deren Nachfrage für zwei Drittel des BIP steht, haben in den vergangenen Wochen immer mehr Vertrauen verloren.
Gerade erst war der Verbraucherindex des Conference Board auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gerutscht: Der Wert war im Oktober um erstaunliche 11,5 Punkte auf nun 85,5 Stellen gesunken. Der Index über die Einschätzung der derzeitigen Lage rutschte von 125,4 auf 107,6 Punkte; der Index über die Erwartung, wie die Lage in sechs Monaten sein wird, fiel von 78,1 auf 70,8 Punkte. Die Konsumenten schränken ihren realen Verbrauch bereits ein: Ein viel beachteter Handelskettenindikator war in der vorletzten Oktoberwoche erstmals seit Monaten negativ.
Hauptursache für das dahinschmelzende Vertrauen sind vor allem die Nachrichten vom Arbeitsmarkt. An diesem Freitag wird die Zahl der abgebauten Jobs bekannt gegeben - und Experten rechnen mit fast 300.000 Stellen weniger. Die Arbeitslosenquote werde auf 5,2 Prozent steigen, dem höchsten Stand seit März 1997, heißt es. Ende des Jahres könnte der Wert sogar die Sechs-Prozent-Marke überschreiten.
Allein die durch die Attentate in Probleme geratenen Airlines haben den Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen angekündigt. "Den größten Einfluss auf den Konsum der Amerikaner haben die Arbeitslosentrends", sagt Merrill-Lynch-Ökonom Douglas Neviera. Einen Aufschwung sehen Volkswirte frühestens in der zweiten Hälfte 2002.
Unterdessen wirkt sich das negative Wachstum auf die Haushaltkasse der Regierung aus. Der Etatüberschuss, der noch im Jahr 2000 rund 237 Mrd. Dollar betragen hatte, ist auf 127 Mrd. Dollar zusammengeschmolzen. Bei Herausrechnen der Sozialversicherung fährt die Regierung bereits jetzt ein Defizit in Höhe von 33,5 Mrd. Dollar ein. Ursache sind neben schwindenden Steuereinnahmen vor allem die milliardenschweren Anti-Terror-Pakete. Beide Parteien im Kongress sind aber bereit, zur Finanzierung der Reaktionen auf den 11. September vorübergehend ein Haushaltsdefizit zu akzeptieren.

Gruß Kostolmoney
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9745400lopi:

Rezessionsszenario schreckt Börsianer nicht

 
31.10.01 19:53
Rezessionsszenario schreckt Börsianer nicht  

Hoffnung auf eine V-förmige Konjunkturerholung bestimmt die Märkte. Experten bleiben aber skeptisch

Trotz schlechter Wirtschaftsdaten geht der Handel an der Wall Street munter weiter  

Berlin - Nun ist es amtlich: Amerika befindet sich in der Rezession. Im dritten Quartal schrumpfte die US-Wirtschaftsleistung mit einer Jahresrate von 0,4 Prozent. Das ist das erste Minus beim Bruttoinlandsprodukt seit 1993 und gleichzeitig das schwächste Quartal seit der letzten Rezession Anfang der 90er Jahre. Damit ist nicht nur der längste ununterbrochene Wirtschaftsboom seit dem zweiten Weltkrieg endgültig vorbei. Auch der Traum von der sanften Landung der US-Wirtschaft gehört seit Mittwoch endgültig der Vergangenheit an. Die Börsen störten sich dagegen wenig am Negativwachstum und legten nach Bekanntgabe der Zahlen sogar zu. Marktteilnehmer hatten mit einem kräftigeren Rückgang um ein Prozent gerechnet. "Die Daten waren sehr gut", sagt Klaus Aulbach, US-Stratege bei der BHF-Bank. "Die Anleger sollen nicht in den Rückspiegel schauen, sondern nach vorne und da sieht es besser aus."

Tatsächlich haben sich die meisten Marktteilnehmer bereits mit einer Rezession abgefunden. So rechnen sämtliche Banken für das vierte Quartal noch mit einem steileren Abschwung der US-Ökonomie um 2,5 Prozent, bevor die Wirtschaft nach einem leichten Minus im ersten Quartal 2002 wieder deutlich an Fahrt gewinnen sollte. Viele Marktteilnehmer erinnern an die letzte Rezession. Denn die heutigen Wachstumsprognosen gleichen haargenau der Situation von 1990/91. Auch damals rutschte die Wirtschaft im dritten Quartal ins Minus, verlor dann im vierten Quartal weiter an Fahrt, bevor es Anfang 1991 wieder aus dem Konjunkturtal herausging. Und auch am Aktienmarkt zeigen sich frappierende Parallelen. Der Dow-Jones-Index bildete Anfang Oktober 1990 einen Tiefpunkt aus. Von da an legte das US-Kursbarometer stark zu. "Auch heute wird der Kursanstieg kräftiger ausfallen, als sich das die meisten Anleger träumen lassen", meint Aulbach.
Doch die Sache hat einen Haken. So ist noch längst nicht sicher, dass sich die US-Wirtschaft an das Drehbuch der Banken hält und V-förmig aus dem Konjunkturtal herausfindet. Selbst angesehene Häuser bezweifeln dies. "Wir sind dabei, unsere Wachstumsschätzungen zurückzunehmen", sagt Norman Roesch von Goldman Sachs. In den kommenden beiden Quartalen könnte die Wirtschaft einen Prozentpunkt schwächer abschließen als bisher erwartet. Der Konsument kapituliere und auch die staatlichen Fiskalhilfen seien nicht mehr unumstritten. Die Geldpolitik könne allein nicht mehr helfen. Bereits in der kommenden Woche rechnet Roesch mit einer weiteren Zinssenkung um 50 Basispunkte. "Welche Verteidigungsmechanismen hat die USA dann noch, sollte es zu weiteren Terroranschlägen kommen?" fragt er. Das Umfeld werde schwieriger, wie die täglichen Negativmeldungen zeigten. "Die V-förmige Erholung muss man in Zweifel ziehen", sagt Roesch, der einen Rückschlag der US-Märkte auf alte Tiefstände nicht ausschließen will. Anlegern empfiehlt er, nur auf absolute Qualität zu setzen. Insbesondere eine gesunde Bilanz sei das A und O jeder Investitionsentscheidung.
Auch für ein pessimistischeres Szenario gibt es Parallelen in der US-Geschichte. So legte die US-Börse Anfang der 80er Jahre zunächst kräftig zu, bevor es noch einmal scharf abwärts ging.
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9745400lopi:

Kurzer Einbruch

 
31.10.01 19:59



Alan, hilf! forderte die Wall Street vor kaum einem Jahr, als erste Wolken den rosaroten Konjunkturhimmel der USA verdunkelten. Alan Greenspan, der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, schritt zur Tat: Er senkte die Zinsen, neun Mal hintereinander, von 6,5 auf 2,5 Prozent, auf nunmehr den niedrigsten Stand seit vier Jahrzehnten. Genützt hat dies alles nichts. Die USA schlittern unaufhaltsam in eine Rezession, da ist selbst der Hohepriester der Geldpolitik am Ende seines Lateins.
George W., hilf! riefen dann die Börsianer. Und auch der Präsident war zur Stelle, machte seinen Bürgern milliardenschwere Steuergeschenke; allein in diesem Jahr einen 600-Dollar-Scheck für jeden Haushalt. Doch das Wirtschaftswachstum war schon im Sommer nahe an die Null Prozent geraten. Dann kam der 11. September und alles wurde noch viel schlimmer.
Nun müssen sich die Amerikaner selber helfen und zwar in einer Tugend, die den meisten von ihnen während der vergangenen zehn Boomjahre abhanden gekommen war - in Geduld. Ein Abschwung, eine Korrektur gehört zum Zyklus der Konjunktur, vor allem wenn diese überhitzt war wie in den USA.
Eine ganze Volkswirtschaft richtet sich neu aus, trennt sich von Überkapazitäten, an der Börse nehmen die Bewertungen Normalmaß an. Nach dem High-Tech-Hype der Jahre 1999 und 2000 trennt sich in Amerika noch immer die Spreu vom Weizen. Dies wird auch noch ein paar Monate, vielleicht ein Jahr andauern. Doch spätestens Ende 2002 werden die USA das Minuszeichen vor dem Wachstumswert wieder ausradiert haben.
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SoLaR:

Rückgang bildlich

 
31.10.01 20:19
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