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30.09.2011, 12:00
Energiewende:
Glänzende Perspektiven für Ingenieure in der Umwelttechnik
Windenergie, Elektroautos, Wasseraufbereitung - wer in grünen Fachgebieten versiert ist, hat als Ingenieure derzeit gute Chancen. Spezialisten für Ökotechnik werden händeringend gesucht. von Holger Pauler
Die zweite industrielle Revolution wird grün sein. Dieser Erkenntnis zu widersprechen traut sich mittlerweile niemand mehr. In einem Bericht vom Juli dieses Jahres fordern die Vereinten Nationen für die kommenden 30 bis 40 Jahre grundsätzliche Änderungen der Produktionsprozesse. Die Uno schätzt, dass dafür jährlich 1900 Mrd. Dollar in saubere Technologien investiert werden müssten - 1100 Mrd. Dollar davon allein in den Entwicklungsländern. Cleantech gehört die Zukunft. Um die Entwicklung voranzutreiben braucht es aber nicht nur wirtschaftliche Anstrengungen, sondern auch Unmengen von Fachkräften. Derzeit sind nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im Feld grüner Technologien allein in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Menschen beschäftigt. Jährlich kommen mehrere Tausend Arbeitsplätze hinzu. Weltweit ist die Entwicklung ähnlich.
Gute Karriereaussichten: Elektrotechnik-Studenten der Fachhochschule Bingen - hier an einer Solartankstelle "Die Universitäten können die Nachfrage für Ingenieure für die Fachgebiete Energie und Umwelt bislang noch nicht ausreichend abdecken", sagt Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der TU Hamburg-Harburg. Bisher seien Umweltaspekte nur ein Teilaspekt der Ingenieurwissenschaften. Langfristig müsse man davon Abschied nehmen, "einfach Ingenieure, die eine technische Ausbildung bekommen haben, umzuschulen", sagt Kaltschmitt: "Wenn wir die politisch gewollte Energiewende schaffen sollen, dann brauchen wir Personal, das von Grund auf mit den neuen Fragestellungen und den veränderten Herausforderungen vertraut ist." Die TU Hamburg-Harburg will daher spätestens zum Wintersemester 2012/2013 das Angebot um den Masterstudiengang Erneuerbare Energien erweitern. Außerdem sollen die Aktivitäten im Kompetenzzentrum Green Technologies gebündelt werden.
Viele Aufträge, wenig Personal
Der Münchner Konzern Siemens wird das mit Freude zur Kenntnis nehmen. Unternehmenschef Peter Löscher erwartet bis 2014 allein im Bereich grüner Technologien Aufträge im Gesamtvolumen von bis zu 40 Mrd. Euro. Im Geschäftsjahr 2010 betrug der Umsatz aus dem Umweltportfolio bereits 27,6 Mrd. Euro; damit wurde das für 2011 anvisierte Minimalziel von 25 Mrd. früher erreicht als geplant.
Schon jetzt arbeitet jeder vierte der weltweit über 350.000 Siemens-Beschäftigten im Segment grüne Technologie; Tendenz steigend. "Wir suchen derzeit vor allem Informatiker, Ingenieure und Absolventen aus den Naturwissenschaften", berichtet ein Firmensprecher: "Sie machen einen beträchtlichen Teil der derzeit rund 3600 offenen Stellen in Deutschland aus." Sehr gefragt seien Kombiqualifikationen, etwa Energieeffizienz gepaart mit Immobilienwissen. In Hamburg sucht Siemens derzeit für die Windkraft Ingenieure mit Spezialisierung auf Schiffbaukonstruktion, Schiffsausrüstung, Elektrotechnik und Hochspannung. Die Techniker werden unter anderem zur Konstruktion der Plattformen benötigt, auf denen die elektrische Energie aus den Windparks gebündelt und umgewandelt wird. Absolventen mit dem nötigen Know-how sind rar.