Wenn man verschiedene Gegenstände irgendwo runterwirft, hat ein Ziegel gute Chancen, vorne dabei zu sein. Das trifft leider auch auf die Aktie von Wienerberger zu. Diese liegt heuer bereits mehr als 30 Prozent im Minus, wohingegen es im ATX zu Redaktionsschluss dieser Seite etwa 20 Prozent waren. Eine derart schwache Performance steht zwar durchaus im Widerspruch zur an sich recht erfreulichen operativen Entwicklung des Konzerns, ist aber doch verständlich.
Schließlich ist ein Baustoffproduzent zyklisch, noch dazu einer, der wie Wienerberger stark vom privaten Wohnbau abhängt. Der schwächelt ohnehin nach wie vor in vielen Märkten (allen voran den USA!) und hat anstatt eines satten Rebounds zuletzt gerade einmal zarte Erholungstendenzen erlebt. Die Geschäftsentwicklung von Wienerberger beweist, wie zäh die „Erholung" in der Branche abläuft: Im ersten Quartal - das auch noch vom Wetter her begünstigt war - schlugen immer noch Verluste zu Buche. Und doch ist die Entwicklung wirklich erfreulich: Umsatz wie auch Ergebnis wurden deutlich gesteigert. Dass Letzteres im Laufe der G&V vom Wachstum her hinter jenem des Umsatzes herhinkt, ist ein Wermutstropfen und zum Teil Preisnachlässen geschuldet. Mit diesen konnten in hart umkämpften Märkten zwar Marktanteile verteidigt und sogar hinzugewonnen werden, das allerdings zum Preis geringerer Margen. Jedenfalls steht für heuer die Rückkehr in die schwarzen Zahlen auf dem Programm - davon sind Vorstand wie auch Analysten überzeugt.
Kreuz des Todes. Wenn allerdings genau jetzt schon wieder Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen und auch noch Sparpakete und Steuererhöhungen als weiterer Belastungsfaktor für den potenziellen Häuslbauer drohen, fällt einem der Ziegel nur allzu schnell auf den Kopf. Die Charttechnik dokumentiert das auf spektakuläre Art und Weise: Jener Aufwärtstrend, der seit dem Tief aus 2009 Bestand hatte, wurde durchbrochen, die 50-Tage-Linie hat die 200er bereits von oben nach unten gekreuzt, was ein Verkaufssignal namens „Death Cross" darstellt. Wenn jetzt nicht die zehn € nachhaltig verteidigt werden, droht großes Ungemach. Denn die nächste langfristige Fibonacci-Unterstützung ist das Krisentief von 2009, als die Aktie mit knapp über vier € rund 90 Prozent unter ihrem Hoch aus 2007 notierte. Auf dem Weg dorthin gibt es noch zwei weniger starke, weil kurzfristigere Unterstützungen bei rund neun sowie sieben €. Das war's dann aber auch.
Rein fundamental kann man an der Aktie hingegen schon Gefallen finden. Die Datenbank Bloomberg weist einen Buchwert von mehr als 16 € je Aktie aus, inklusive Hybridkapital sind es mehr als 20 €, was sich dann auch mit der Schätzung der Analysten für 2011 deckt. Insofern ist der Wert geradezu unverschämt günstig. Freilich notieren die meisten Konkurrenten ebenfalls klar unter Buchwert, weshalb Wienerberger unter Berücksichtigung der unterdurchschnittlichen Profitabilität im Branchenvergleich dann nicht einmal günstig erscheint (wir haben auf dieser Basis ein Kursziel von unter sieben € errechnet!). Freilich ist das bei einer Turnaround-Story auch kein Wunder und genau deshalb auch das geschätzte KGV von fast 60 (!) sehr zu relativieren.
Fazit. Apropos: So erfreulich die Aussicht auf einen Turnaround auch ist, ist sie doch ernüchternd, wenn man bedenkt, dass andere Branchen schon wieder Rekordgewinne einfahren bzw. ansteuern. Die Wienerberger-Story ist dagegen vorerst defensiv (Stichwort Werksschließungen und Stilllegungen) und entsprechend unsexy. Wie wohl man im Detail schon Reizvolles findet: CEO Heimo Scheuch hat 200 Millionen € an Fixkosten herausgenommen. Selbst wenn die Auslastung von derzeit rund 60 Prozent wieder einmal auf 90 Prozent steigen sollte, würden davon noch 100 Millionen übrig bleiben. Und schon scheint ein EBITDA von rund 500 Millionen €, wie es Scheuch bis 2015 anpeilt, gar nicht mehr so unrealistisch. Last, but not least könnte Wienerberger aus dem Trend zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeit Kapital schlagen und mit innovativen Produkten endlich wieder eine (Wachstums-)Story erzählen. Bis auf Weiteres scheint das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 14,5 € aber unerreicht. Hier war wohl der Wunsch Vater des Gedankens.
www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/....do&_vl_pos=13.2.DT
Die Gedanken hier geben nur meine Meinung wider.
Sprecht mit eurem Finanzberater darüber...