......Risiken müssen wieder von denen getragen werden, die sie eingehen - eine urkapitalistische Tugend!
ICH zitiere:
Dienstag, 3. Februar 2009
"Irrlichter"
Die Marktforscher von der GFK kamen gestern auf der Pressekonferenz in Nürnberg mit einer doch "gewagten" Prognose daher, sie prognostizierten ein Konsumwachstum von bis zu +0,5% im Jahr 2009 in Deutschland! "Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind beim Verbraucher noch nicht angekommen und die Konsumstimmung zeigt sich über die letzten Monaten hinweg erstaunlich widerstandsfähig." Noch mutiger: "dass der Konsum zumindest im ersten Halbjahr einen Teil der Exportrückgänge auffangen könnte."
Trotz einer gewaltigen Finanzkrise und eine sich manifestierenden Rezession der Realwirtschaft meint die GFK sogar, dass knapp 50% aller privaten Haushalte sich als krisenresistent erweisen werden. Nur ein Fünftel aller Haushalte sieht die GfK in hohem Maße krisengefährdet. Quelle: Gfk.com
> Die Entwicklung des Konsumklimaindikators der GFK. Quelle Chart: PDF Gfk.com <
Die Einkommenserwartung der Verbraucher musste im Januar 2009, zum zweiten Mal in Folge Einbußen hinnehmen. Der Indikator brach um beachtliche -5 Punkte auf -20,5 Punkte ein (Jan.2008 -4,7 Punkte) und dies markiert zugleich den tiefsten Stand seit März 2003. Während die Einkommenserwartung drastisch sinkt schießt die Anschaffungsneigung angeblich regelrecht nach oben, auf +15,5 Punkte im Januar 2009, nach -8,8 Punkte im Vorjahresmonat. Die Anschaffungsneigung liegt damit wieder deutlich im positiven Bereich über seinem langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten.
Diese Widersprüche und Irrlichter der Marktforscher der GFK bleiben einfach mal zur Wiedervorlage so stehen.
Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel "glänzt" im Irrlicht. Sie stellt im Falle eines Wahlsieges bei den Bundestagswahlen am 27. September 2009 eine Steuerreform und Steuersenkungen in Aussicht.
Angesichts einer bevorstehenden Rekordneuverschuldung, sinkenden Steuereinnahmen, Konjunkturpaketen und einem Rettungsschirm fürs Bankensystem mit unkalkulierbaren Risiken, sind Steuersenkungen ein wohl völlig unglaubwürdiges Szenario. Wie gewaltig die Bundeskanzlerin daneben liegen kann wurde bereits am 07.09.2007 unter "Contraindikator des Tages" dokumentiert. Es gebe „wichtige Signale, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht wesentlich gestört wird“ - und die Krise sei kein deutsches Problem, so damals die Bundeskanzlerin auf dem Verbandstag des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Berlin.
Passend zu den weiter verbreiteten Irrlichtern, in diesem Falle auch Nebelkerzen: Analysten rechnen bei der Deutschen Bank bereits in diesem Jahr wieder mit Milliardengewinnen. Die Experten sehen für 2009 im Schnitt ein Plus von rund 2,3 Mrd. Euro voraus. Quelle: N-tv.de
Das Problem der Banken sind jedoch nicht nur ihre Toxic Waste - "Wertpapiere", sondern ganze Geschäftsbereiche sind nahezu komplett weggebrochen. Die Erträge (Umsätze) der Deutschen Bank waren im 3. Quartal 2008 um -11% gesunken, im Neunmonatszeitraum (Jan.-Sep. 2008) sogar um gewaltige -58%, jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Das provisionsreiche Geschäft der Kreditverbriefungen liegt darnieder, der Markt für Neuemissionen von Collateralized Debt Obligations (CDOs) ist gerade zu kollabiert.
Der Absturz des weltweiten neuemittierten CDO-Volumens auf schlappe 5 Mrd. Dollar im 4. Quartal 2008 nach den Daten von SIFMA. Zum Hoch im 2. Quartal 2007 wurden 178,6 Mrd. Dollar weltweit an CDOs neu gebündelt und verpackt. Im Gesamtjahr 2008 wurden nur noch 56,1 Mrd. Dollar an CDOs emittiert, nach 481,6 Mrd. Dollar in 2007! Auch das fallende ausstehenden Volumen an US-Asset Backed Commercial Papers (ABCP) mit welchen Special Purpose Vehicle (SPV), Zweckgesellschaften, ihren Kreditschrott refinanzieren, liefert den Hinweis das es den von den Banken außerbilanziell errichteten SPVs immer weniger gelingt sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Zum 28.01.2009 stürzte das ABCP-Volumen auf 668,7 Mrd. Dollar ab! Zum Hoch am 08.08.2007 betrug das ausstehende ABCP-Volumen 1,21 Billionen Dollar. Quelle Chart: PDF Securitization.net <
Die mag zwar in allererster Linie ein Problem für US-Banken sein, aber auch die Deutsche Bank hielt zum 3. Quartal 2008 in außerbilanziellen Zweckgesellschaften (Special Purpose Entities, SPEs) insgesamt Vermögenswerte in einer Höhe von 31,8 Mrd. Euro. Quelle: Geschaeftsbericht Deutsche Bank Q3
Ehrliche kritische Analysen von Politikern, Analysten und Marktforschern des wahrlich bedrohlichen Status Quo sind weiterhin oft rar. Die Finanzkrise tobt seit über 15 Monaten, dringend notwendige Eingriffe ins Finanzsystem und notwendige Regulierungen im Bankensektor sind weiterhin komplett unterblieben.
Die Liste an notwendigen Maßnahmen um in Zukunft Exzesse zu verhindern wäre lang und müsste teils national bzw. international abgearbeitet werden.
Nicht mal ein Minimum wurde bisher auf den Weg gebracht, wie z.B. aktuell den Erhalt von Staatsgeldern an die Sicherung von Arbeitsplätzen verbindlich zu koppeln. Die Eindämmung von Spekulation durch eine weltweite Börsenumsatzsteuer, ein Verbot von Kreditverbriefungen bzw. wenigstens ein Verbleib von mindestens 30% der verbrieften Produkte in der Bilanz des Emittenten, eine geregelte Abwicklung aller bestehenden Kreditderivate -Verträge die nicht mit den zu Grunde liegenden Anleihen hinterlegt sind, einfacher ausgedrückt Absicherung ja - Spekulation nein. Gesetzlich fixierte Vorgaben für maximal zulässiges Leverage und einen maximalen Derivateanteil bei den Aktiva der Banken, sowie allgemeine Vorgaben zum beschränkten Einsatz von Fremdkapital. Eine Einführung einer gesetzlichen effektiven Haftung für Manager und Aufsichtsräte. Gesetzlich fixierte hohe Eigenkapitalanforderungen bei Fusionen und Übernahmen auf Kredit. Die Gewinne von Kapitalgesellschaften aus der Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen müssten sofort wieder besteuert werden. Gesetzliche Beschränkungen bei Dividendenausschüttungen, z.B. 60% des Konzernüberschusses nach Steuern. Zielgerichtete Überschuldungen von Unternehmen als Geschäftsmodell von Private Equity müssen verhindert werden, Hedgefonds muss der Zugang zu Krediten erschwert werden und sie müssen streng reguliert werden. Offshore Oasen und Steuerparadiese müssen beseitigt werden. Die Einführung weltweit verbindlicher Kreditvergabestandards, welche diesen Namen auch verdienen. Deutsche Landesbanken müssen wieder ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, die regionale Wirtschaft mit Krediten versorgen und nicht an den internationalen Finanzmärkten jonglieren.
Risiken müssen wieder von denen getragen werden, die sie eingehen - eine urkapitalistische Tugend! Es muss für die Zukunft ein weltweiter Kreditrisikoverschiebebahnhof verhindert werden! Auch gilt es grundsätzlich zu überdenken, ob man in Zukunft noch im großen Stil Kredite überhaupt als Kapitalanlagen betrachten kann!
Dies wäre nur ein bescheidener Minimalkatalog, aber im Ansatz wenigstens ein glaubwürdiger Versuch für einen Neuanfang!
Reloaded: "Bad Bank - Bad System", "Das deutsche Bankenmikado", "500 Mrd. Euro fürs FMStG", "Einfache Wahrheiten"
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
Quellenangabe und Urheberrecht: www.wiwo.de/finanzen/vorsorge-fuer-den-ernstfall-385959/ :-))
Üben wir uns also in wacher Demut statt in blinder Selbstgerechtigkeit und sammeln derweil eine goldige FU nach der anderen ein.
schönen Abend noch
rekiwi
"Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht."