Trügerische Sicherheit
Der SPIEGEL warnt in seiner heutigen Online-Ausgabe vor Milliardenfolgen durch eine Insolvenz bei Opel. Hintergrund sind die milliardenschweren Pensions-Verpflichtungen, die sich bei Opel über die letzten Jahrzehnte angesammelt haben.
Industrie-Unternehmen wie Opel bieten ihren Mitarbeitern neben der gesetzlichen Rente, die hälftig vom Arbeitsnehmer und Arbeitgeber zu tragen ist, vielfach eine zusätzliche Betriebs-Rente an, die der Arbeitgeber finanziert. Es gibt hier unterschiedliche Pläne und Modelle, wie zum Beispiel die Aufstockung der Rente für diejenigen Mitarbeiter, die mit ihrem Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungs-Grenze der gesetzlichen Rentenversicherung liegen. Der Arbeitgeber bildet für diese Zahlungen sogenannte Pensions-Rückstellungen, die im Leistungsfall wieder aufgelöst werden.
Nun haben eine Reihe von Unternehmen zwar Rückstellungen gebildet. Das Geld dafür, obwohl eigentlich Fremdkapital, wurde jedoch nicht zurückgelegt, sondern für die Finanzierung von Investitions-Vorhaben verwendet. Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens wären die Mitarbeiter so wie die anderen Gläubiger auf die Auszahlung einer bestimmten Quote, die das Verhältnis der liquidierbaren Vermögens-Gegenstände zu den Verbindlichkeiten des Unternehmens widerspiegelt, angewiesen.
Allerdings müssen Betriebsrenten in Deutschland gegen ein solches Insolvenz-Ereignis abgesichert sein. Im Insolvenz-Fall tritt der sogenannte Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) als Leistungs-Träger für den Mitarbeiter ein. Der PSV versucht während des Insolvenz-Verfahrens, möglichst viel Geld der Pensions-Verpflichtungen vom insolventen Unternehmen einzutreiben. Bei Industrie-Unternehmen ist der PSV in den meisten Fällen der größte Gläubiger.
Meistens ist die vermittelbare Quote jedoch so klein, dass der PSV selbst in Finanz-Nöte geraten würde. Aus diesem Zweck erhebt der PSV einen jährlich von jedem Unternehmen zu zahlenden Beitrag. Dieser errechnet sich auf Basis der Pensions-Rückstellungen, welche die Unternehmen für die Verpflichtungen aus der Betriebs-Rente zu bilden haben.
Nun ist der Promille-Satz in den letzten Jahren wegen der Vielzahl der Insolvenzen stark angestiegen. Im Jahr 2009 mussten die Unternehmen bereits 8,2 Promille ihrer Rückstellungen für Zahlungen an den PSV aufwenden. Im Jahr 2010 werden es sogar 14,2 Promille werden.
Und hier ist noch nicht einmal ein Großereignis wir Opel mitberücksichtigt, das ein Schaden-Ereignis von mehreren Milliarden Euro für den PSV wäre. Der SPIEGEL merkt dazu an: Eine mögliche Opel-Pleite hätte für den PSV jedoch weit größere Folgen als die Insolvenzen von Karstadt und Quelle, da im Handel viele Teilzeitkräfte arbeiten. Auf die Arbeitgeber käme dann ein neuer Rekordbeitrag zu, der vor allem Mittelständler belasten würde.
Die mittelständische Industrie leidet sowieso schon durch die Krise. Denn es haben sich eine Reihe von Unternehmen an großzügigen Pensions-Zusagen verhoben, die sie in guten Zeiten ihrem inzwischen schon ergrauten Mitarbeiter-Stamm gegeben haben. Mit schrumpfenden Geschäft und älter werdenden Mitarbeiter-Stamm geraten diese Unternehmen in dasselbe Problem, wie die Sozialversicherungs-Systeme. Die Insolvenzen der US-Luftfahrt und Stahl-Industrie waren zum wesentlichen Teil durch die Pensions-Verpflichtungen mit verursacht.
Und nun müssen diese Unternehmen einen weiteren Obolus für die Insolvenz-Fälle des PSVs leisten. Das wird dann die bereits zahlungsschwachen Unternehmen in die Insolvenz treiben; der PSV muss erneut einspringen. Dann wird der Beitrag für die restlichen Unternehmen weiter steigen. Ein Strudel nach unten entwickelt sich. Bis die Unternehmen dann durchsetzen werden, dass sie den PSV nicht mehr finanziell alimentieren wollen. Dann bricht das komplette Pensions-Sicherungs-System auseinander.
Sicherungs-Systeme, die nicht wirklich krisenfest sind: Eine trügerische Sicherheit.
Bei Opel überbieten sich jetzt die anderen europäischen Standorte mit GM-Fabriken mit ihren Subventions-Angeboten an die GM-Mutter. Mit dem Magna-Deal wären die deutschen Werke die bevorzugten geworden. Nun holt GM das meiste für sich heraus, und es werden trotzdem nicht weniger Arbeitsplätze abgebaut werden.
Das Erpressungs-Potential mit den Pensionen bei Opel ist einfach zu groß. Unsere deutschen Politiker werden wieder einmal einknicken und ihr Gesicht verlieren.
Noch lächerlicher macht sich unser neuer Wirtschafts-Minister Brüderle mit der Aussage, dass angesichts des Brüsseler Opel-Gipfels ein Subventions-Wettlauf in Europa verhindert werden soll. Deutschland hat erst mit seiner Parteinahme für Magna diesen Wettlauf eröffnet.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Mit EUR 774,27 zum Londoner P.M. Fix wurde am 24. Februar 2009 der letzte Rekord-Stand von Gold festgestellt. Heute wurde diese Marke mit EUR 778,53 zum Londoner A.M. Fix gerissen. Ich erinnere mich noch an Zeiten vor vier Jahren und sechs Monaten, da konnte man Gold noch für EUR 330 die Feinunze kaufen. Ein Zuwachs von knapp 150 Prozent - nicht schlecht.
Die Aufwärts-Impulse am Gold-Markt kamen heute schon sehr früh, nachdem der asiatische Markt seinen Handel aufgenommen hatte. Gold stieg über die Marke von $1.160.
Im Londoner Vormittags-Handel fiel dann schließlich die Marke von $1.165. Der A.M. Fix mit $1.166,00 (EUR 778,53) stellt nicht nur einen neuen historischen Höchststand in US-Dollar dar; sondern auch in Euro. Im Vergleich zum A.M. Fix vom Freitag konnte Gold $24 zulegen. Eine Super-Performance trotz des heutigen Options-Verfalltages an der COMEX.
Und wir haben diese Woche wieder eine Versteigerung von US-Staatsanleihen (Treasury Bills & Treasury Notes) im Umfang von $179 Mrd. Davon allein $105 Mrd am heutigen Tag. Der USDX ist heute Vormittag bereits auf unter 75,1 Punkte gefallen.
Immer mehr Investoren scheinen kapiert zu haben, dass kein normaler Markt auch nur annähernd dieses Platzierungs-Volumen verkraften kann. Zwar werden die EZB beim Überschreiten der Marke von $1,50 pro Euro und die SNB beim Erreichen der Parität vom Dollar zum Schweizer Franken wieder einmal am Devisen-Markt intervenieren. Aber solche Aktionen werden nur noch unterstreichen, dass es nur noch einen Weg gibt: Raus aus den FIAT-Währungen und rein ins Gold.
Mit Beginn des Handels an der COMEX konnte Gold zwar anfangs wieder leicht gedrückt werden. Diese Drückung hatte aber nicht lange Bestand. In der Folge stieg Gold dann über die Marke von $1.070. Der P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ kam mit $1.169,50 (EUR 780,08) nur ein wenig niedriger zustande. Ein Zuwachs von $30 gegenüber dem P.M. Fix vom letzten Freitag.
Mit dem sich wieder leicht erholenden Dollar konnte Gold seine anfänglichen Gewinne nicht ganz halten und bröckelte zum Ende des Handels an der COMEX leicht ab. Der Schluss-Kurs lautete $1.164,40.
Der US-Dollar (USDX) ist heute um 0,6 Punkte auf 75,1 gefallen. Wieder einmal ließen weder die EZB noch die SNB zu, dass wichtige psychologische Marken gegenüber dem Dollar fallen.
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