Ich oute mich hiermit als regelmäßiger US-Bärenleser, vorallem wegen der sehr brauchbaren Informationen und Links, die dort von den emsigen Teilnehmern nun schon seit Jahren zusammengetragen werden.
Heute musste ich dort 2 postings lesen, in denen Goldbugs als "Goldjünger" (religiöse Irrläufer, irrationale Fanatiker), die sich vor einer Hyperinflation (Weimar II) fürchten:
http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=2115#jumppos52897http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=2115#jumppos52894Hyperinflation war das letzte in der Reihe meiner (und vieler anderer Goldbugs) Kaufgründe für Gold in den letzten Jahren. Meine INITIALE Motivation war und ist Peak Oil (dass darüber immer noch viele lachen und das wohl noch für weitere 2-5 Jahre nehme ich wissend zur Kenntnis). ZWEITENS das über Jahre zu hohe Geldmengenwachstum, welches über die Jahre zu einer Geldentwertung führt (wie schon erlebt 2004-2008). Dabei meine ich den kummulativen Kaufkraftverlust des Geldes, "Hyperinflation" war nie eine Kaufmotivation für mich. Eine DRITTE Kaufmotivation ist aber auch, dass unser System wie es sich in den letzten 20 jahren entwickelt hat, langfristig NICHT MEHR ERHALTBAR ist. Damit meine ich nicht nur den Umgang mit Resourcen & Umwelt, den Konsumwahnsinn, sondern auch die Staatsfinanzen, zunehmende Verschuldung und das zunehmende demographische Problem, welches spätest mit den Pensionswünschen der 60er Jahrjänge die Staatskassen implodieren lassen wird.......
Gold ist von 2004 -2008 gut gelaufen: steigender Wohlstand der emerging markets (Schmucknachfrage), sehr geringe Realzinsen, langsam aber zunehmde Teuerung wegen Öl und Zinspolitik.
Im Lehmankollaps, der deflationäre Schockwellen durch das globale Finanzsystem gejagt hat, stand das aktuelle System bereits knapp AM ABGRUND. Wie wir heute wissen, war ein systemischer Bankrun in zahlreichen Ländern nur noch 1-3 Tage, vielleicht Stunden entfernt, wenn die Regierungschefs zahlreicher Länder nicht eine TOTALGARANTIE gegeben hätten. (Die hochakute Gefahr eines anstehenden Bankruns war mir damals übrigens voll bewusst, durch ein paar private Kontakte zu Bankangestellten). Wer kann es denn den "Goldjüngern" verdenken, wenn sie in der Zukunft nicht mehr so einer Gefahr ausgesetzt sein wollen (umso mehr als sich de facto GAR KEINE ÄNDERUNG abzeichnet. Einzig die Verschuldung steigt weiter! Wer kann es den Sparern und Investoren denn verdenken, wenn sie als Folge des deflationären Lehmannschocks nun nicht mehr zu 100 % vom "Funktionieren" der Banken, und vom Versprechen der Politiker ("Totalgarantie") abhängig sein wollen und in den Folgemonaten mit Gold zumindest teilweise diversifiziert haben ?
Das hat mit Religions"jüngern" nicht viel gemein, höchstens, dass die nicht mehr der Mainstreamreligion(aktuelles Finanzsystem inkl. Banken und Politkerversprechen) folgen. In dieser Hinsicht gehöre ich lieber zu den "Aussenseitern", denn die Masse wird langfristig sehr FALSCH liegen.
Was hat sich denn geändert seit der Lehmann Pleite ???
Die ZOCKERBANKEN zahlen wieder Rekord-Boni an ihre Oberzocker. Goldman Sachs (u.a.) haben eine neue High Frequenz Zockersoftware auf die PCs ihrer Oberzocker installiert.
Durch das Bankensterben, werden die verblieben einen umso grösseren Teil vom Kuchen bekommen > noch mehr "too big to fall" als vorher!
Der Einfluss der Bankenlobby ist auf Washington nicht geringer geworden. Im Gegenteil Washington befindet sich in unfreiwilliger oder gar freiwilliger Geiselhaft der Zockerbanken.
Die RATINGAGENTUREN agieren als hätte es nie ein Problem gegeben mit ABS und anderen verpackten, verbrieften, weltweit exportierten Schuldenpapieren.
Die NOTENBANKEN agieren genauso wie in der letzten Krise (2001-2002), was die jetzige Krise massgeblich verursacht hat.
Die STAATEN verschulden sich noch mehr, die Ungleichgewichte werden noch grösser. Griechenland stinkt schon.
Die aktuelle Krise wird uns noch sehr lange begleiten, sie wird dabei nur älter werden, richtig reifen und ihr Gesicht ändern. Und die allermeisten Leute haben ohnehin keine Ahnung, was uns in der nächsten Dekaden blüht (damit meine ich nichg nur, aber besonders auch Peak Oil: irgendwann zwischen 2012 und 2015 wird die globale Ölproduktion zu fallen beginnen mit anfangs 1-2 % pro Jahr, nur ein paar Jahre später mit 4-6 % pro Jahr).
Es gibt aber auch noch andere fundamentale Gründe, seit Jahren fallende globale Minenproduktion, Auflösung der Vorwärtsverkäufe von Barrick & Co, fallende Zentralbankenverkäufe, nun sogar steigende Käufe der Nationalbanken.
Wenn man etwas nicht verstehen kann oder verstehen will, dann geht es aber natürlich viel leichter, einer bestimmte Gruppe einen religiösen Irrglauben anzudichten ("Goldjünger"), als sich mit dem eigenen Unvermögen oder Fehlprognosen vergangender Jahre auseinanderzusetzen (Malko, AL). Ein wesentlicher Faktor dieses Unvermögens ist dabei EITELKEIT, einerseits Eitelkeit, vergangene Fehlprognosen zuzugeben. Aber mindest ebenso: manche fühlen sich in intellektueller Hinsicht besonders der "Oberklasse" zugehörig und haben ein grundsätzliches intellektuelles Problem mit Gold: Wie kann ein Stück Metall, welches sich nicht bewegt, nicht vermehrt, "keinen Nutzen" hat, "teurer" werden" ... fragt sich wohl so mancher (pseudo)"intellektueller Investor" und bezweichnet Gold daher als ein Relikt aus dem Mittelalter. Er kann es schlicht verstehen, wie so etwas in Preis steigen soll.....(dabei ist Preis etwas sehr relatives, da sich der Preis immer aus 2 Komponenten zusammen setzt, da der Preis von "Gold" ja mit "Geld" bestimmt wird. Das eine (Gold) muss dabei gar nicht steigen, damit der Preis steigt, es reicht, wenn die Kaufkraft des Geldes abnimmt).
Interressant aber ist die Entwicklung einiger Teilnehmer dort über die Jahre zu beobachten, deren Skepsis gegenüber Gold langsam abgenommen hat. Umso denunzierender und unsachlicher dafür aber eben die Postings jeder (Malko & Antilemming), die auch heute noch Gold als nutzloses Relikt aus dem Mittelalter bezeichnen. Sei es, in dem sie Leute, die ihr Geld teilweise in Gold tauschen als Religions"jünger" eines Irrglaubens bezeichnen, sei es weil die Kaufentscheidungen der Gold"jünger" bis heute nicht hören wollen und sie die Kaufgründe der Goldjünger daher willentlich und unterstellend auf das Szenario der Hyperinflation reduzieren.
Ob die Endphase des Systemkollaps hyperinflationär oder deflationär verläuft ist für uns Goldbugs nebensächlich. Dabei kann ich mir sehr gut einen massiven deflationären Schock (hevorgerufen durch ein bestimmtes "unvorhergesehenes" Ereignis) vorstellen, der Monate gar mit den Folgen auch ein paar Järchen dauern kann. Die Staaten werden dann "alles" versuchen. Wenn alles versagt, wird man es auch mit der Druckerpressen auf Höchsttouren versuchen. Es ist letztlich nebensächlich, WIE die aufgehäufte Verschuldung "bereinigt" wird. Das Geld am Konto, Anleihen und Aktien, Fonds, Zertifikate und andere Derivate werden davon jedenfalls nicht profitieren.
Und das paradoxe dabei: es sind oft gerade auch diese Leute, die gute Argumente für Gold liefern, ohne es überhaupt mitzubekommen. Das was im US-Bärenthread in den letzten Jahren gepostet wurde, hat sicher auch gelegentlich dazu geführt, dass ich ein paar mal EM aufgestockt habe.
Die Bezeichnung "Goldjünger" verdeutlicht aber auch eines: es impliziert eine kleine Gruppe von "religiösen Irrläufern", die nicht mehr dem Mainstream folgen wollen und ihre Geld teilweise oder ganz von den "klassischen Anlagen" wie Staats- Unternehmensanleihen, Bankzinsen von 1 %, Aktien, Fonds und Zertifikaten abgezogen haben und dafür etwas gekauft haben, das:
- kein Ausfallsrisiko hat (Lehmanpleite; Insolvenz)
- dessen Wert nicht das irrationale Versprechen der Politiker gebunden ist ("Totalgarantie der Bankeinlagen")
- nicht beliebig vermehrbar ist (anders als Fiatgeld)
- das beständig und leicht transportierbar ist, bei einer hohen Wertdichte
jetzt mal abgesehen von der Performance, die Gold in den letzten Jahren hingelegt hat. Ich wett, die Performnz von Malko's und Antilemmings Depot hinkt dem meilenwert hinterher, nach Fehltrades (Timingproblem it Derivaten) bzw. monatelange "Seitline", mit der selbst die jüngste Bärenmarktrally verpasst wurde.
Trotz dieser guten Bilanz, die Gold in den letzten Jahren hingelegt hat, ist mir das langfristige Halten von weit grösserer Bedeutung. Natürlich freut man sich, wenn die "Absicherung" gleichzeitig auch noch eine tolle Wertsteigerung erzielt, aber das ist zweitrangig.
Ich weiss nicht wie es nun in den nächsten Wochen und Monaten weiterläuft. Ich kann mir nun auch eine längere durchaus Seitwärtsbewegung vorstellen. Noch besteht ein beeindruckendes Momentum, dieses ist zunehmend "Investoren" geschuldet. Die Schmucknachfrage wird unter dem "hohen" Preis wohl zurückgehen.
Das wird eine logische FOLGE haben: zunehmende Volatilität. Diese wird am langfristigen Up-Trend nichts ändern , aber sie wird Neueinsteiger, die sich noch nicht sich noch nicht so lange mit Gold beschäftigen, einer Nervenprobe unterziehen. Die alten Goldbugs, werden die Downs zum Ausfstocken nutzen. Auch ich habe schon wieder ein paar tausender auf die Seite gelegt, die nur darauf warten, dass der Goldpreis wieder einmal stärker korrigiert, um dann gegen ein paar australische Goldlunare getauscht zu werden.