Aus der FTD vom 28.10.2003
Von Isabell Reppert, Hamburg
Der Aufsichtsratschef der angeschlagenen Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM, Dieter Vogel, will eine Teilzerschlagung der Frankfurter Holding in letzter Minute verhindern. Er plant einen Befreiungsschlag.
Aus Branchenkreisen heißt es, Vogel wolle sich am Mittwochnachmittag erneut mit einigen Gläubigerbanken der WCM-Tochter Sirius treffen, um eine weitere Verlängerung für einen Kredit in Höhe von 600 Mio. Euro auszuhandeln.
Gelingt das nicht, verlöre WCM einen seiner wichtigsten Vermögenswerte, die Immobilienholding IVG. Sirius hält knapp 50 Prozent an der Bonner Gesellschaft. Die Gläubigerbanken hatten das Darlehen der Sirius zuletzt um einen Monat verlängert und angedroht, die als Sicherheit dienenden IVG-Aktien zu verkaufen. Bereits am vergangenen Freitag war die Angebotsfrist für potenzielle Interessenten abgelaufen.
Mindestens drei Angebote
Dem Vernehmen nach liegen den Sirius-Banken derzeit mindestens drei Angebote für das IVG-Paket vor: So hat die niederländische Investorengruppe Rebon, die zugleich Gesellschafter der Sirius ist, nach eigenen Angaben eine Offerte abgegeben. Als weitere Bieter gelten die österreichische Gesellschaft Immofinanz sowie Morgan Stanley. Die Investmentbank will sich angeblich mit ihrem Morgan Stanley Real Estate Fund IV engagieren.
Ob und wie schnell die Sirius-Banken das IVG-Paket aber verkaufen, ist noch unklar. Aus Bankenkreisen hieß es, am Montag habe bereits ein erstes Treffen der Kreditgeber stattgefunden, um die vorliegenden Angebote zu sondieren. "Da ist noch Klärungsbedarf", sagte eine Bankensprecherin. Verhandlungsnahe Kreise halten es für denkbar, dass auch die Angebotsfrist verlängert wird. Die Zeit will Vogel nutzen, um die Banken doch noch von einem Verkauf der IVG abzubringen.
Banken hoffen auf Gesamtlösung
Hoffen darf Vogel am ehesten bei denjenigen Banken des Sirius-Konsortiums, die auch WCM-Großaktionär Karl Ehlerding Geld geliehen haben. Ehlerding hat private Schulden in Höhe von 450 Mio. Euro, die mit WCM-Aktien besichert sind. Bis Juni 2004 muss er sein Aktienpaket verkauft haben, um die Kredite zurückzuzahlen. Sollte WCM die IVG verlieren, dürfte es schwierig werden, einen Investor für Ehlerdings WCM-Anteil zu finden. Vor allem seine Gläubiger-Banken hoffen daher noch auf eine Gesamtlösung. In Branchenkreisen wird nun kolportiert, Morgan Stanley habe Interesse an einem solchen Komplettangebot. Ein solches aber liegt zumindest schriftlich bisher offenbar nicht vor.
Die schwebende Entscheidung der Banken behinderte bisher auch die parallelen Bemühungen Vogels, die Mehrheit der WCM an Sirius und damit an IVG zurückzuerwerben. Vor zwei Wochen hatte die Investorengruppe Rebon, hinter der die Kaufleute Klaus-Peter Schneidewind und Clemens Vedder stehen, gemeinsam mit Privatinvestoren über eine Rückkaufoption 55 Prozent an Sirius übernommen und die WCM zum Minderheitsaktionär gemacht. Dies erschwert die Suche des Unternehmens nach einem Investor mit Interesse an einer Gesamtlösung. "Wir haben der Rebon erneut angeboten, ihren Sirius-Anteil im Tausch gegen WCM-Aktien abzugeben, die durch eine Kapitalerhöhung gebildet würden", sagte WCM-Chef Roland Flach. Branchenkreisen zufolge blieb ein Treffen Vogels mit der Rebon Ende vergangener Woche vorerst ohne Einigung. Wie es hieß, würde die Rebon dem Tausch gegen WCM-Aktien erst zustimmen, wenn klar sei, ob die Banken den Sirius-Kredit verlängern und der WCM so eine Chance geben.
© 2003 Financial Times Deutschland
Von Isabell Reppert, Hamburg
Der Aufsichtsratschef der angeschlagenen Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM, Dieter Vogel, will eine Teilzerschlagung der Frankfurter Holding in letzter Minute verhindern. Er plant einen Befreiungsschlag.
Aus Branchenkreisen heißt es, Vogel wolle sich am Mittwochnachmittag erneut mit einigen Gläubigerbanken der WCM-Tochter Sirius treffen, um eine weitere Verlängerung für einen Kredit in Höhe von 600 Mio. Euro auszuhandeln.
Gelingt das nicht, verlöre WCM einen seiner wichtigsten Vermögenswerte, die Immobilienholding IVG. Sirius hält knapp 50 Prozent an der Bonner Gesellschaft. Die Gläubigerbanken hatten das Darlehen der Sirius zuletzt um einen Monat verlängert und angedroht, die als Sicherheit dienenden IVG-Aktien zu verkaufen. Bereits am vergangenen Freitag war die Angebotsfrist für potenzielle Interessenten abgelaufen.
Mindestens drei Angebote
Dem Vernehmen nach liegen den Sirius-Banken derzeit mindestens drei Angebote für das IVG-Paket vor: So hat die niederländische Investorengruppe Rebon, die zugleich Gesellschafter der Sirius ist, nach eigenen Angaben eine Offerte abgegeben. Als weitere Bieter gelten die österreichische Gesellschaft Immofinanz sowie Morgan Stanley. Die Investmentbank will sich angeblich mit ihrem Morgan Stanley Real Estate Fund IV engagieren.
Ob und wie schnell die Sirius-Banken das IVG-Paket aber verkaufen, ist noch unklar. Aus Bankenkreisen hieß es, am Montag habe bereits ein erstes Treffen der Kreditgeber stattgefunden, um die vorliegenden Angebote zu sondieren. "Da ist noch Klärungsbedarf", sagte eine Bankensprecherin. Verhandlungsnahe Kreise halten es für denkbar, dass auch die Angebotsfrist verlängert wird. Die Zeit will Vogel nutzen, um die Banken doch noch von einem Verkauf der IVG abzubringen.
Banken hoffen auf Gesamtlösung
Hoffen darf Vogel am ehesten bei denjenigen Banken des Sirius-Konsortiums, die auch WCM-Großaktionär Karl Ehlerding Geld geliehen haben. Ehlerding hat private Schulden in Höhe von 450 Mio. Euro, die mit WCM-Aktien besichert sind. Bis Juni 2004 muss er sein Aktienpaket verkauft haben, um die Kredite zurückzuzahlen. Sollte WCM die IVG verlieren, dürfte es schwierig werden, einen Investor für Ehlerdings WCM-Anteil zu finden. Vor allem seine Gläubiger-Banken hoffen daher noch auf eine Gesamtlösung. In Branchenkreisen wird nun kolportiert, Morgan Stanley habe Interesse an einem solchen Komplettangebot. Ein solches aber liegt zumindest schriftlich bisher offenbar nicht vor.
Die schwebende Entscheidung der Banken behinderte bisher auch die parallelen Bemühungen Vogels, die Mehrheit der WCM an Sirius und damit an IVG zurückzuerwerben. Vor zwei Wochen hatte die Investorengruppe Rebon, hinter der die Kaufleute Klaus-Peter Schneidewind und Clemens Vedder stehen, gemeinsam mit Privatinvestoren über eine Rückkaufoption 55 Prozent an Sirius übernommen und die WCM zum Minderheitsaktionär gemacht. Dies erschwert die Suche des Unternehmens nach einem Investor mit Interesse an einer Gesamtlösung. "Wir haben der Rebon erneut angeboten, ihren Sirius-Anteil im Tausch gegen WCM-Aktien abzugeben, die durch eine Kapitalerhöhung gebildet würden", sagte WCM-Chef Roland Flach. Branchenkreisen zufolge blieb ein Treffen Vogels mit der Rebon Ende vergangener Woche vorerst ohne Einigung. Wie es hieß, würde die Rebon dem Tausch gegen WCM-Aktien erst zustimmen, wenn klar sei, ob die Banken den Sirius-Kredit verlängern und der WCM so eine Chance geben.
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