WCM erwartet Abschluss des Konzernumbaus erst Mitte 2007FRANKFURT (dpa-AFX) Die Beteiligungsgesellschaft WCM wird ihren Umbau zum Industriekonzern voraussichtlich später abschließen als bisher geplant. Mit dem Verkauf der noch zu veräußernden Tochtergesellschaften aus dem Immobilienbereich sei erst Mitte 2007 zu rechnen, sagte WCM-Vorstandschef Roland Flach bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt. Gleichzeitig bekräftigte er die Umsatz- und Ergebnisprognosen für 2005. Dennoch soll für das laufende Jahr keine Dividende gezahlt werden. Die Aktionäre übten indes heftige Kritik an dem anhaltenden Wertverlust ihrer Papiere.
Flach räumte ein, dass das Geschäftsmodell des An- und Verkaufs unterbewerteter börsennotierter Gesellschaften "seit 2002 nicht mehr funktioniert". Seither gehe es in erster Linie um Schadensbegrenzung. Es sei die Aufgabe des Vorstandes gewesen, "den Bestand des Unternehmens zu retten und eine Insolvenz zu vermeiden". Um dieses Ziel zu erreichen, werde weiter auf die Fusion mit den Klöckner Werken hingearbeitet.
AKTIONÄRSSCHELTEEin Aktionär verglich den Geschäftsverlauf der vergangenen Jahre mit einem schweren KfZ-Unfall, bei dem die Karosserie einen Totalschaden erlitten habe, der Motor aber intakt geblieben sei. "Während die Karosserie nun verschrottet wird, laufen Überlegungen, wie man das begehrte Antriebsaggregat, Klöckner Werke, heraustrennt", sagte er. Ein anderer erklärte: "Der Weg in die Bedeutungslosigkeit war lang und aufreibend." Dem Vorstand wurde vorgeworfen, er habe "das Geld der Aktionäre in unermesslichem Ausmaß vernichtet".
Die Aktie hatte vor wenigen Jahren noch bei über 20 Euro notiert. Seit Jahresbeginn gab der Kurs von damals 1,13 Euro noch einmal um rund 60 Prozent nach mit der Folge, dass das Papier zum 20. Juni aus dem MDAX ausgeschlossen wird.
VERZÖGERTE VERSCHMELZUNG
Nach dem Verkauf der Wohnimmobilien im Dezember 2004 für 1,4 Milliarden Euro an die US-Investmentgesellschaft Blackstone sollen nun laut Flach noch die Tochtergesellschaften aus dem Bereich Gewerbeimmobilien sowie die Beteiligung an der MATERNUS Kliniken AG veräußert werden. Im vergangenen Dezember hatte er diesen Schritt noch für das Jahr 2005 angekündigt. Seither hat sich eine Verzögerung bei der angestrebten Verschmelzung mit der Tochtergesellschaft Klöckner Werke AG aber auch auf Grund von Bewertungsschwierigkeiten ergeben.
Insbesondere ist noch unklar, ob eine Steuernachforderung gegen die WCM-Tochtergesellschaft HM KG in Höhe von rund 153 Millionen Euro berechtigt ist oder nicht. Flach hatte in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes in einem ähnlichen Streit abgewartet werden soll. Die WCM lehnt die Forderung des Finanzamtes ab.
PROGNOSEN BEKRÄFTIGT
Flach bekräftigte die bisherige Prognose für das Jahr 2005, dass auf Konzernebene ein ausgeglichenes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit angestrebt wird. Er wiederholte auch die Umsatzprognose von knapp einer Milliarde Euro nach der seit Anfang des Jahres angewandten neuen IFRS-Bilanzierungsmethode. Dies entspreche einer Steigerung von 80 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, wobei rund 30 Millionen Euro aus einer Umsatzverbesserung des KHS-Konzerns kommen soll, an dem die WCM über ihre Tochter Klöckner Werke AG indirekt beteiligt ist.
Die übrigen 50 Millionen sollen aus dem Verkauf von Gewerbeimmobilien erzielt werden. Allerdings besteht nach den Worten Flachs das Risiko, dass beim Verkauf der Tochtergesellschaften ein Preis erzielt wird, der unter den Erwartungen liegt. Trotz des ausgeglichenen Ergebnisses vor Steuern ist laut WCM-Finanzchef Valentin Reisgen für dieses Jahr keine Dividende geplant.
STREIT MIT REBON BALD ZU ENDE
Im Streit mit den Gesellschaftern der insolventen Immobilien-Tochter SIRIUS zeichnet sich ein baldiges Ende des Gerichtsverfahrens ab. Flach erwartet das Urteil des Landgerichts Frankfurt bis 15. Juli. Die Gesellschafter hatten gegen die WCM Ansprüche in Höhe von 79,5 Millionen Euro geltend gemacht.
Das Unternehmen halte an seiner Auffassung fest, dass die Ansprüche unbegründet sind, sagte Flach weiter. Er sei auf Grund der jüngsten Aussagen während der Verhandlung zuversichtlich, dass das Verfahren zu Gunsten von WCM endet. Zu den Klägern gehört unter anderem die niederländische Gesellschaft Rebon.
In dem Streit mit eigenen Aktionären über die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse der Hauptversammlung des vergangenen Jahres hat die WCM Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt. Das Landgericht hatte sämtliche Beschlüsse für unrechtmäßig erklärt. Ein Urteil des Oberlandesgerichtes werde erst im kommenden Jahr erwartet, sagte Flach./jb/zb