Sehr interessanter Artikel!!!
Warum tauschen wohlhabende Investoren ihre Gold Futures gegen das physische Edelmetall um?
VOR WENIGER ALS zwölf Monaten haben die weltweit grössten Finanzinstitutionen festegestellt, dass sie $1.3 Trilliarden ihrer Aktivitäten nicht gegen Geld umtauschen konnten.
Diese Aktivitäten - Obligationen unterstützt von amerikanischen Immobilienkäufer mit niedrigen (oder keinen) Einkommen - wurden ganz und gar illiquide. Keiner wollte von ihnen kaufen oder ausleihen, zu keinem Preis. Und eine Aktivität die man weder verkaufen noch ausleihen kann, ist ganz genau nichts Wert.
Das Resultat? Es wäre vor zwei Jahren leichtsinnig scheinen können, aber die Subprime-Krise hat den ersten Sturm auf eine britische Bank in den letzten 130 Jahren verursacht, den Zusammenbruch der amerikanischen Zinssätzen forciert und zu dem Verkauf von der fünft grössten Investitionsbank auf Wall Street für nur 16 Cent in einem Dollar gebracht.
"[Nun] scheint das Finanzsystem langsam den Subprime-Schock verdaut zu haben", schreibt Gillian Tett in der Financial Times. "Die grössten Banken und Institutionen haben fast $200 Milliarden abgeschrieben und über $100 Milliarden Kapital aufgebracht, um dieses Loch zu füllen.
"Die Abschreibungen sind so umfassend, dass einige Analysten in der Zukunft sogar Aufwertungen erwarten."
Ist die Krise vorbei? Der grösste Unruheverursacher für Anleger, der Goldpreis, ist zwischen seinem Allzeithoch Mitte März und Ende April um 15% gefallen. Der vorige Wachstum hat Gold von $650 pro Unze im August 2007 bis über $1030 am Tag nach dem Verkauf von Bear Stearns an J.P. Morgan gebracht.
Die ungefähre Ursache des plötzlichen Goldanstieges - und Rückgang - was die Entscheidung der Federal Reserve, den amerikanischen Zinssatz drastisch zu reduzieren. Der Goldpreis ist schnell nach oben geschossen, als die Fed im August 2007 den Zinssatz kürzte. Es liess nur dann nach, als die Fed sieben Monate danach eine Pause (auch wenn nur temporär) in ihrer Politik gegen den Dollar andeutete.
Das daraus entstandene billige Geld und Inflation liessen Gold eine sehr anziehungsfähige Anlage werden. Zentralbanken können es nicht drucken, Investitionsbanken können es nicht bis zur Destruktion fördern. Aber "ausser sehr gut für den Goldpreis zu sein, hat die Kreditkrise auch Ausfallrisiko mit sich gebracht", meint Nikos Kavalis von der Beratungsagentur GFMS in London.
Dies ist der Grund, warum ein bedeutender Teil der neuen Goldanlagen seit dem letzten Sommer physisches Eigentumsgold betrifft, anstatt Papierversprechen oder Kreditabkommen.
"In vielen Fällen haben Investoren ihre Anlagen in nicht zugeteiltem Gold und Goldderivate verkauft und das echte, zugeteilte Edelmetall gekauft", sagt Kavalis.
"Vor allem wegen der Krise auf den Kreditmärkten haben viele sehr reiche Personen in physisches Gold investiert".
Nicht zugeteiltes Gold ist die grösste finanzielle Betrügerei (sprich: "Innovation") des Goldmarktes. Ein reiner Buchungseintrag auf der Kreditseite funktioniert es fast wie ein Bankkonto - aber ohne Versicherungsdepot - und stellt ein Darlehen zwischen einem Käufer und dem Broker dar.
Dadurch bleibt dem Anleger das ganze Risiko für das finanzielle Überleben des Brokers übrig. Es wurde geschätzt, dass 95% der Goldhandlungen weltweit nicht zugeteiltes Gold betreffen.
Warum ist physisches, zugeteiltes Gold für immer mehr Anlegern so wichtig? Im Grunde genommen würden ihnen Gold Futures oder Vorkaufsrechte einen weit grösseren Verdienst erbringen, wenn sie kurzfristig in die richtige Richtung investieren.
Aber Leverage zahlt nichts aus, wenn der Geschäftspartner Zahlungsunfähig ist. Und physisches Gold ist nach wie vor eine sehr wichtige Aktivität ohne Vergleich.
Mehrere Studien zeigen, dass die Anziehungskraft von Gold als ein sicherer Hafen auf die Tatsache basiert, dass es keinen Zusammenhang mit verbrieften Geldforderungen wie Equities und Anleihen hat. Der Goldpreis bewegt sich unabhängig von den Finanzmärkten: weder parallel noch in die Gegenrichtung. Dieser Mangel eines Zusammenhanges heisst, dass Gold ein kritischer Bestandteil jegliches gestreutes Portfolios ist.
Dazu noch ist physisches Gold - aber nur als Eigentum - einmalig unter den handelbaren Anlagen, weil es fast ganz frei von Ausfallrisiko ist.
Das Eigentum von Gold - ob in der Form von Goldmünzen oder von grösseren Barren, die in professionellen Tresoren aufbewahrt sind - baut jegliches Risiko der Zahlungsunfähigkeit von Banken oder Broker ab. Was übrig bleibt, ist eine höchst liquide Anlage, deren Wert man in jeder Zeitung oder im Internet nachlesen kann.
"Während der Subprime-Schock abschwellen könnte", so Gillian Tett in der Financial Times, "ist das Problem, dass während die amerikanische Wirtschaft nachlässt, es eine grosse Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Zahlungsunfähigkeiten bald in die Welt der grossen Unternehmen und der Verbraucherschulden einfliessen werden."
"Und je mehr Banken auf Grund der Subprime-Krise und anderer Verluste schwieriger Kredit erteilen, desto grösser das Risiko, dass diese zweite Welle Zahlungsunfähigkeiten steigen wird, und einen Teufelskreis verursachen wird."
Die jetzige Ruhepause in den Goldpreisen zeigt, dass sich weniger Anleger Sorgen machen. Aber der Investors Service von Moody (eine der drei Ratingagenturen, die dafür beschuldigt werden, dass Investitionsbanken Subprime-Anleihen mit einer hochwertigen Bonität emittiert haben) hat vor Kurzem vor dem starken Wachsen der Bankrotte der Anleihen von US-Grossunternehmen gewarnt. Er glaubt, dass sich der Prozentsatz der Zahlungsunfähigkeiten bis Ende des Jahres auf 4% vervierfachen wird.
Wo auch immer der Subprime-Schock am schwersten getroffen hat, scheinen die Schulden der Städte auch zu steigen. Die Stadt Vallejo in Kalifornien hat vor zwei Wochen gewählt, ihre eigene Insolvenz anzumelden, dank nicht in kleinem Masse der "Hauspreise in Vallejo und Umgebung, die im letzten Jahr um 26% gefallen sind", schreibt The Independent. "Die Stadt rechnet, $1,6 Millionen weniger Steuern für Immobilienverkäufe einzunehmen."
Und doch sind - 12 Monate nach den ersten Schwierigkeiten bei UBS und Bear Stearns - die wirkliche Endkosten der Subprime-Krise immer noch nicht festgesetzt. Der Chef der Fed, Ben Bernanke, hatte sie auf $100 Milliarden geschätzt. Der Internationale Währungsfond (IWF) hat die Schätzung schon auf $945 Milliarden erhöht.
Es gibt aber auch versteckte Kosten, so Bloomberg. State Street, der grösste institutionelle Fondsverwalter, steht z.B. vor einer Klage in der Höhe von $625 Millionen, nachdem sie von vier Versicherungsgesellschaften verklagt wurde, ohne ihre Genehmigung ihr Geld in Subprime-Anleihen angelegt zu haben.
Stellen Sie sich Ihr ganzes Kapital ausserhalb dieser Subprime-Blase vor. Der Vertrauensverlust in einem Bereich kann in eine systemweite Krise ausbrechen. Und die Insolvenz der Subprime-Anleihen sollte uns alle daran erinnern, dass Zahlungsunfähigkeit immer noch ein sehr grosses und wirkliches Risiko ist, egal wie klug die Verkäufer von Derivaten sind.
Eine wachsende Anzahl von privaten Anleger würden lieber einen Teil ihrer Anlagen in etwas liquides und leicht handelbares stecken. Den Preis, den sie dafür zahlen, hängt von dem ab, was sie glauben, was mit den Zinssätzen geschehen wird.
Aber der Wert von Gold als Portfolio-Kugelfang bleibt schwer zu übertreffen, selbst bei 15% niedrigeren Preisen als zu dem Allzeithoch Mitte März.
Gruß S.