US-Pensionsfonds machen Front: Zu hohe Bezahlung von Managern
Washington, 28. März (Bloomberg) - In den USA hat sich eine seltene Allianz zwischen öffentlichen Pensionsfonds und den Gewerkschaften gebildet. Beiden sind die exorbitant hohen Gehälter des Managements bei einigen Aktiengesellschaften ein Dorn im Auge, und sie haben diesem Missstand den Kampf angesagt. Die Pensionsfonds kritisieren, dass manche Unternehmen ihre Vorstände mit Aktienoptionen überschütten, was den Wert der Investments verwässern kann, die sowieso schon unter den fallenden Kursen leiden. Die Fonds nutzen die Hauptversammlungen, um Druck auf die Unternehmen auszuüben.
Die Fonds sagen, sie haben dabei mehr die Belange der Aktionäre im Auge als sozialpolitische Themen wie eine gerechte Bezahlung, die hinter einigen Gewerkschaftskampagnen stehen. ,Die Märkte sind derzeit recht volatil, daher ist es in solchen Phasen um so wichtiger," die Gehälter unter die Lupe zu nehmen," erläutert Denise Nappier, Finanzdirektorin beim Staat Connecticut. ,Die Tantiemen und Bonuszahlungen für die Chefetage sind für immer mehr Aktionäre ein wichtiges Thema."
Der Pensionsfonds von Connecticut, der Anfang der neunziger Jahre als Aktionärs-Aktivist Bekanntheit erlangte, nutzte die Hauptversammlungen von drei Unternehmen, um die Aktionäre über Vorschlägen zu Management-Gehältern und anderen Fragen der Unternehmensführung abstimmen zu lassen, erklärt Nappier. Er konnte bereits erste Erfolge verbuchen. Healthsouth Corp. will ihre Optionspolitik überprüfen, um eine Verwässerung für die anderen Aktionäre zu verhindern. Autodesk Inc. hat zugestimmt, den Preis von Aktienoptionen für Angestellte nicht neu festzusetzen, wenn die Optionen aus dem Geld sind.
Mit einer Option erwirbt der Besitzer das Recht, Aktien innerhalb eines Zeitraums zu einem bestimmten Kurs zu kaufen. Optionen werden in der Regel zum Marktkurs der Aktien festgelegt. In dem Programm von Healthsouth haben ein Viertel der künftigen Aktienoptionen für Manager einige zusätzliche Leistungsanreize wie ein Ausübungskurs über dem Marktkurs, kritisiert Nappier.
Der Pensionsfonds von New York City drängt auf ein ähnliches Arrangement bei Conseco Inc. Das Versicherungsunternehmen gewährte im letzten Jahr dem neuen Unternehmenschef Gary Wendt Optionen auf 10 Mio. Aktien. Der Unternehmenssprecher war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch der Investmentfonds Amalgamated Bank LongView Investment Fund brachte bei der Bank of America Corp. einen ähnlichen Vorschlag ein. Die Bank antwortete, dass der leistungsorientierte Optionsvorschlag ,unnötig" sei, denn die normalen Optionen seien bereits Leistungsanreize. Das Programm wurde vom Aufsichtsrat eingebracht und von den Aktionären genehmigt, erklärte das Unternehmen weiterhin. Die Gewerkschaft Teamsters hat bei der Bank of America eine Resolution eingereicht, wonach die Aktionäre erst zustimmen müssen, bevor eine Führungskraft einen Vertrag erhält, mit dem sie einen Anspruch auf eine Abfindung in doppelter Höhe des Jahresgehalts plus Bonus oder sogar noch mehr erhält. Bank of America verteidigte sich gegenüber der SEC damit, dass sie in der Lage sein müsste, Spitzenkräfte zu gewinnen, in dem sie eine Bezahlung böte, die mit anderen Unternehmen konkurrieren könne.
Der Pensionsfonds des Staates New York, der 2,4 Mio. Aktien von Sprint Corp. sowie 2,9 Mio. PCS-Tracking Shares der Mobilfunksparte von Sprint in seinem Portefeuille hat, verlangt, dass Sprint ihre Politik ändert. Der Telekomkonzern soll nicht mehr den Kurs der Aktienoptionen für Mitarbeiter senken können, ohne vorher die Genehmigung der Aktionäre einzuholen. Mit derartigen Maßnahmen wird das Management belohnt, während die Anleger kein Sicherheitsnetz haben, bemängelt der Fonds.
Sprint-Mitarbeiter konnten letzten Oktober Optionen, die aus dem Geld sind, in neue Optionen, deren Kurs im Mai festgesetzt wird, eintauschen. In einer Mitteilung an die Aktionäre diesen Monat lehnte das Unternehmen den Vorschlag ab mit der Begründung, dass der Vorstand Handlungsspielraum brauche, um in ungewöhnlichen Zeiten Mitarbeiter halten zu können.
Die Fonds haben sich mit der Gewerkschaft AFL-CIO verbündet. Diese tritt schon lange dafür ein, die Gehaltsschere zwischen Mitarbeitern und Führungskräften zu verinngern. Spitzenmanager verdienen derzeit das 425fache eines normalen Mitarbeiters, berichtet AFL-CIO. Aber die Gewerkschaften sind auch wegen der Pensionsfonds ihrer Mitglieder an dem Thema interessiert und ebenfalls über den Verwässerungseffekt für die Aktionäre beunruhigt, sagt Richard Trumka, Finanzdirektionssekretär bei AFL- CIO. ,Mit der Abschwächung der Konjunktur und der Märkte stellen immer mehr Aktionäre unangenehme Fragen zu diesen Gehaltspaketen," kommentiert Trumka. ,Das System ist außer Kontrolle, und wenn wir dazu beitragen können, es wieder unter Kontrolle zu bringen, gewinnt jeder dabei."
Washington, 28. März (Bloomberg) - In den USA hat sich eine seltene Allianz zwischen öffentlichen Pensionsfonds und den Gewerkschaften gebildet. Beiden sind die exorbitant hohen Gehälter des Managements bei einigen Aktiengesellschaften ein Dorn im Auge, und sie haben diesem Missstand den Kampf angesagt. Die Pensionsfonds kritisieren, dass manche Unternehmen ihre Vorstände mit Aktienoptionen überschütten, was den Wert der Investments verwässern kann, die sowieso schon unter den fallenden Kursen leiden. Die Fonds nutzen die Hauptversammlungen, um Druck auf die Unternehmen auszuüben.
Die Fonds sagen, sie haben dabei mehr die Belange der Aktionäre im Auge als sozialpolitische Themen wie eine gerechte Bezahlung, die hinter einigen Gewerkschaftskampagnen stehen. ,Die Märkte sind derzeit recht volatil, daher ist es in solchen Phasen um so wichtiger," die Gehälter unter die Lupe zu nehmen," erläutert Denise Nappier, Finanzdirektorin beim Staat Connecticut. ,Die Tantiemen und Bonuszahlungen für die Chefetage sind für immer mehr Aktionäre ein wichtiges Thema."
Der Pensionsfonds von Connecticut, der Anfang der neunziger Jahre als Aktionärs-Aktivist Bekanntheit erlangte, nutzte die Hauptversammlungen von drei Unternehmen, um die Aktionäre über Vorschlägen zu Management-Gehältern und anderen Fragen der Unternehmensführung abstimmen zu lassen, erklärt Nappier. Er konnte bereits erste Erfolge verbuchen. Healthsouth Corp. will ihre Optionspolitik überprüfen, um eine Verwässerung für die anderen Aktionäre zu verhindern. Autodesk Inc. hat zugestimmt, den Preis von Aktienoptionen für Angestellte nicht neu festzusetzen, wenn die Optionen aus dem Geld sind.
Mit einer Option erwirbt der Besitzer das Recht, Aktien innerhalb eines Zeitraums zu einem bestimmten Kurs zu kaufen. Optionen werden in der Regel zum Marktkurs der Aktien festgelegt. In dem Programm von Healthsouth haben ein Viertel der künftigen Aktienoptionen für Manager einige zusätzliche Leistungsanreize wie ein Ausübungskurs über dem Marktkurs, kritisiert Nappier.
Der Pensionsfonds von New York City drängt auf ein ähnliches Arrangement bei Conseco Inc. Das Versicherungsunternehmen gewährte im letzten Jahr dem neuen Unternehmenschef Gary Wendt Optionen auf 10 Mio. Aktien. Der Unternehmenssprecher war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch der Investmentfonds Amalgamated Bank LongView Investment Fund brachte bei der Bank of America Corp. einen ähnlichen Vorschlag ein. Die Bank antwortete, dass der leistungsorientierte Optionsvorschlag ,unnötig" sei, denn die normalen Optionen seien bereits Leistungsanreize. Das Programm wurde vom Aufsichtsrat eingebracht und von den Aktionären genehmigt, erklärte das Unternehmen weiterhin. Die Gewerkschaft Teamsters hat bei der Bank of America eine Resolution eingereicht, wonach die Aktionäre erst zustimmen müssen, bevor eine Führungskraft einen Vertrag erhält, mit dem sie einen Anspruch auf eine Abfindung in doppelter Höhe des Jahresgehalts plus Bonus oder sogar noch mehr erhält. Bank of America verteidigte sich gegenüber der SEC damit, dass sie in der Lage sein müsste, Spitzenkräfte zu gewinnen, in dem sie eine Bezahlung böte, die mit anderen Unternehmen konkurrieren könne.
Der Pensionsfonds des Staates New York, der 2,4 Mio. Aktien von Sprint Corp. sowie 2,9 Mio. PCS-Tracking Shares der Mobilfunksparte von Sprint in seinem Portefeuille hat, verlangt, dass Sprint ihre Politik ändert. Der Telekomkonzern soll nicht mehr den Kurs der Aktienoptionen für Mitarbeiter senken können, ohne vorher die Genehmigung der Aktionäre einzuholen. Mit derartigen Maßnahmen wird das Management belohnt, während die Anleger kein Sicherheitsnetz haben, bemängelt der Fonds.
Sprint-Mitarbeiter konnten letzten Oktober Optionen, die aus dem Geld sind, in neue Optionen, deren Kurs im Mai festgesetzt wird, eintauschen. In einer Mitteilung an die Aktionäre diesen Monat lehnte das Unternehmen den Vorschlag ab mit der Begründung, dass der Vorstand Handlungsspielraum brauche, um in ungewöhnlichen Zeiten Mitarbeiter halten zu können.
Die Fonds haben sich mit der Gewerkschaft AFL-CIO verbündet. Diese tritt schon lange dafür ein, die Gehaltsschere zwischen Mitarbeitern und Führungskräften zu verinngern. Spitzenmanager verdienen derzeit das 425fache eines normalen Mitarbeiters, berichtet AFL-CIO. Aber die Gewerkschaften sind auch wegen der Pensionsfonds ihrer Mitglieder an dem Thema interessiert und ebenfalls über den Verwässerungseffekt für die Aktionäre beunruhigt, sagt Richard Trumka, Finanzdirektionssekretär bei AFL- CIO. ,Mit der Abschwächung der Konjunktur und der Märkte stellen immer mehr Aktionäre unangenehme Fragen zu diesen Gehaltspaketen," kommentiert Trumka. ,Das System ist außer Kontrolle, und wenn wir dazu beitragen können, es wieder unter Kontrolle zu bringen, gewinnt jeder dabei."