Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Gute Zahlen vom deutschen Arbeitsmarkt. Zum ersten Mal seit April 2007 ist die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt unter die Grenze von vier Millionen gesunken! Aktuell sind 3,976 Mio. Menschen ohne Arbeit. Das Beachtliche dabei ist, dass eben auch versicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen wurden und die Verbesserung landesweit zu erkennen ist.
Auch hier zeigt sich wieder einmal, dass viele Prognose einfach zu negativ waren, wie so oft.
Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im vierten Quartal 2006 stärker angestiegen als erwartet. Das BIP stiegt um annualisiert 3,5%. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg um 3,0 % gerechnet. Für uns wesentlich wichtiger: Der von der US-Notenbank als Inflationsmaß favorisierte PCE-Deflator sank um annualisiert 0,8%, nach dem im Vorquartal noch ein Plus von 2,4% vermeldet wurde. Das ist der stärkste Rückgang seit 52 Jahren! Allerdings stieg die Kernrate um 2,1 %. Das bedeutet der Einbruch ist tatsächlich durch den Energiesektor verursacht.

Das ist natürlich so kurz vor der Zinsentscheidung der Fed eine wichtige Nachricht. Dieser Einbruch des PCE Deflators ist ein sicheres Indiz dafür, dass zumindest aktuell kein Anlass besteht, die Zinsen weiter anzuheben. Diese Sorge dürfte damit vom Tisch sein. Es kann sein, dass die Märkte darauf traden, wenn die anderen Zahlen und die Fed-Sitzung erst einmal durch sind.
Die US Arbeitskosten sind um vierten Quartal 2006 um 0,8 % angestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg von 1,0 %. Auch hier von der Inflationsseite wesentlich bessere Zahlen.

US-Einkaufsmanagerindex Chicago ist saisonbereinigt auf 48,8 gesunken. Analysten hatte mit einem Wert von 52,5 gerechnet. Der Chicagoer-Einkaufsmanagerindex ist deswegen so interessant, weil er Rückschlüsse auf die Entwicklung des ISM-Index zulässt, auch wenn die Korrelation nicht immer stimmig ist. Wir wissen, dass der ISM-Index knapp an der 50er Marke liegt und die Fed, wenn der ISM Index längere Zeit (zwei bis drei Mal) unter 50 Punkten notiert, eigentlich fast immer die Zinsen senkt. So gesehen wird dieser Wert die fast schon tot geglaubte Zinssenkungsphantasie wenigstens ein wenig beleben. Auch weil die bezahlten Preise weiter und stetig zurückgehen, ein Hinweis auf nachlassende Inflationsdruck.

Die US-amerikanischen Rohölvorräte sind in der vorangegangenen Woche um 2,7 Mio. Barrel gestiegen, nach einem Plus von 700.000 Barrel zuvor. Die Benzinvorräte haben sich in den USA um 3,8 Mio. Barrel ausgeweitet, nach zuletzt Plus 4,0 Mio. Barrel. Die Heizölvorräte sind gegenüber der Vorwoche um 2,6 Mio. Barrel gesunken, nach zuvor plus 700.000 Barrel.
Die von uns mit hohem Interesse beobachteten strategischen Ölreserven bleiben weiterhin unverändert bei 688,6 Mio. Barrel.

Man sieht deutlich, dass die Rohölvorräte seit Dezember wieder deutlich zulegen, auch die Benzinvorräte steigen bereits an und haben einen neuen Höchstwert (!) erreicht. Lediglich die Heizölvorräte sinken leicht, aber noch nicht nachhaltig.
Immer noch sind die Vorräte auf hohem Niveau, das sollte eigentlich den Ölpreis wieder ein wenig unter Druck bringen, der gestern stärker zulegen konnte.
Alles in allem sind das eigentlich Zahlen, die den Markt ziemlichen Rückenwind verschaffen sollten. Aber bevor sich hier die größeren Adressen positionieren, wird wahrscheinlich die Fed-Entscheidung abgewartet werden.
Die einzige Zahl, die etwas bedenklich stimmt, ist, dass die US-Bausausgaben im Dezember um 0,45 % auf 1.177.7 Mrd Dollar gesunken sind. Analysten hatten mit einem Anstieg von 0,2 % gerechnet.

Auch bei den Bausausgaben zeichnete sich nach den zuletzt besseren Zahlen ein zarter Boden ab, der durch die heutigen Zahlen wieder hinfällig wurde. Hier müssen wir also weitere Zahlen zum Immobilienmarkt abwarten, um ein klareres Bild zu erlangen.
Gruß Moya