Experten erwarten einen Boom beim Anlagebetrug. Strafen drohen kaum.
Frankfurt - „Das Jahr 2003 könnte zu einem Rekordjahr für Anlagebetrüger werden“, befürchtet Klaus Nieding, Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes (DASB). Die Flaute an den Börsen, der Vertrauensverlust gegenüber Bankberatern und die Steuerpläne des Bundes hätten private Anleger so verunsichert, dass sie noch leichter als bisher auf die Versprechen unseriöser Finanzberater hereinfielen. Der DASB rechnet damit, dass allein 2002 rund 30 Milliarden Euro auf dem grauen Kapitalmarkt versickert sind. Betrügern in Deutschland werde es zu leicht gemacht, sagt Nieding, da die Kontrolleure finanziell und personell zu schlecht ausgestattet seien.
Beliebte Opfer sind laut DASB Mittelständler, die ihr Geld vor den Steuerplänen der Bundesregierung retten wollen. Seitdem sich die EU-Finanzminister auf eine Zinsbesteuerung auch für Auslands-Anlagen geeinigt haben, werben Schleuserbanden damit, das Geld sicher und steuerfrei aus Luxemburg zurück nach Deutschland zu bringen. Oder der Betrüger nimmt den Kontoinhaber mit ins Ausland, lässt ihn das Geld abheben und luchst es ihm dann mit Taschenspieler-Tricks ab.
Selbst aus dem drohenden Irak-Krieg versuchen Anlagebetrüger Profit zu schlagen und gehen mit Irak-Fonds auf Kundenfang. Dabei wird auf einen Wiederaufbau des Landes nach einer möglichen Bombardierung spekuliert.
Zunehmend werben unseriöse Anbieter mit der Zugehörigkeit zum staatlichen Entschädigungsfonds für Wertpapiergeschäfte (EDW). Diese Behörde zahlt Kunden maximal 20 000 Euro Schadenersatz, wenn ein Wertpapierhändler zahlungsunfähig wird. Die EDW leistet aber nicht in Betrugsfällen.
Schon seit 1988 verspricht die Ni geria-Connection demjenigen Millionenbeträge, der afrikanischen Geschäftsleuten hilft, versteckte Millionen außer Landes zu schaffen. Investoren müssen eine Gebühr von einigen Tausend Dollar zahlen. Ihr Geld sehen sie nie wieder. (mit afp)
