Als hätten Thielert-Aktionäre nicht schon genügend dreiste und intransparente Informationspolitik verkraften müssen: Nun werden auch noch Zweifel am operativen Geschäft laut. Doch allein damit lässt sich der Kursrutsch von bis zu 41 Prozent wohl kaum erklären.
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Der Flugzeugmotorenbauer Thielert selbst bemühte sich bislang nicht, diese Zweifel an seinem operativen Geschäft auszuräumen. Und nannte auch keine Erklärung für den Kurssturz. Der Kurseinbruch der vergangenen Monate könnte Thielert schon in wenigen Wochen den Platz im Kleinwerte-Index SDax kosten. Seit Jahresbeginn hat die Akte knapp 79 Prozent an Wert verloren, seit April vergangenen Jahres sind es 87 Prozent.
"Eine reine Flipper-Aktie"
Dabei dürften die DID-Meldung wohl nicht allein Schuld sein an dem extremen Kurseinbruch der Thielert-Aktie am Dienstag. "Das ist eine reine Flipper-Aktie", meinte etwa ein Händler. "Diesen Wert sollte man nicht einmal mehr mit spitzen Fingern anfassen."
Tatsächlich war Thielert Anfang März in eine Liquiditätskrise geschlittert und hatte deshalb Anfang April eine Kapitalerhöhung angekündigt. Doch nun scheinen offenbar immer mehr Anleger zu befürchten, dass Unternehmen könnte bereits pleite sein oder kurz davor stehen.
Verspätete Anlegerinformation hat Tradition
Was an derlei Gerüchten stimmt, dürften Anleger allerdings wohl erst dann erfahren, wenn ohnehin schon alles zu spät ist. Zumindest unter der Voraussetzung, dass Thielert seine völlig intransparente Informationspolitik beibehält, für die es von Aktionärsschützern in der Vergangenheit mehrfach kritisiert wurde: So hatte der Flugzeugmotorenbauer seine Aktionäre erst am 9. April per Pflichtmitteilung informiert, dass die Firma bereits seit einem Monat "von einer akuten Liquiditätskrise bedroht" sei.
In der gleichen Adhoc-Meldung gab Thielert bekannt, dass der mittlerweile zurückgetretene Vorstandsvorsitzende und Firmengründer Frank Thielert seine sämtlichen 2.653.552 Aktien an die Investoren Sputnik Group, Pogan Invest, Stichting Bewaarbedrijf Guestos, Drake Associates L.P. und Butterfield Trust zum Preis von einem Euro verkauft habe.
Stoßen Großaktionäre ihre Anteile ab?
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Tatsächlich spricht die Umsatzhistorie eine klare Sprache: Gleich zu Handelsauftakt wurde direkt ein Paket von über 30.000 Stück abgestoßen, weitere große Pakete von zweimal über 10.000, einmal 14.000 und 27.500 folgten allein in der ersten halben Stunde. Verunsicherte Privatanleger waren da wohl kaum am Werke.
Quelle: boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_288382