Thielert liefert Motoren und Ersatzteile nur gegen Vorkasse
26.05.2008
LICHTENSTEIN/SACHSEN (Dow Jones)--Die Thielert Aircraft Engines GmbH hat nach einer kurzen Pause die Lieferung von Motoren und Ersatzteilen mittlerweile wieder aufgenommen. Aus insolvenzrechtlichen Gründen werden Garantie- und Instandhaltungsleistungen vorläufig nur noch gegen Vorkasse erbracht, wie der vorläufige Thielert-Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler am Montag erläuterte.
Mit dem Vorkasse-Verfahren will Kübler die Produktion bei der Thielert Aircraft Engines GmbH kurzfristig sichern, damit mögliche Investoren eine Perspektive für einen Einstieg bekommen und das Unternehmen auch langfristig erhalten wird. Thielert hat sich auf verbrauchsarme Dieselflugmotoren für Kleinflugzeuge spezialisiert.
In der Thielert Aircraft Engines GmbH wird das operative Geschäft des Hamburger SDAX-Unternehmens Thielert AG geführt. Beide Gesellschaften mussten Ende April wegen drohender Zahlungsfähigkeit Insolvenz beantragen und werden derzeit von vorläufigen Insolvenzverwaltern geleitet.
Ein mit Investoren bereits vereinbartes Restrukturierungskonzept für den Konzern war geplatzt, nachdem der Aufsichtsrat den Vorstand wegen des Verdachts auf Bilanzbetrug fristlos entlassen hatte.
Nach Angaben Küblers hat Thielert ausreichend Kolbenflugmotoren und Ersatzteile. Kunden müssten sich keine Sorgen machen, nach der Vorkasse nicht beliefert zu werden.
Kübler wies in diesem Zusammenhang die Darstellung des österreichischen Flugzeugherstellers Diamond Aircraft zurück, er sei nicht kooperationsbereit und an einer langfristigen Sicherung des Motorenherstellers offenbar nicht interessiert. Diamond habe darauf gedrängt, eine große Zahl von Motoren und Ersatzteilen zu Sonderkonditionen abzunehmen, die allerding deutlich besser gewesen wären als der Thielert-Endkunden. Dem Ansinnen habe er nicht zustimmen können.
Diamond stellt Flugzeuge für Flugschulen und Privatkunden her. Thielert hat bereits seit geraumer Zeit Probleme mit diesem Kunden. Diamond hat Lieferverzögerungen und den After-Sales-Service von Thielert kritisiert und deswegen mit der Entwicklung eines eigenen Motors begonnen.
Auf ein Thielert-Angebot vom Mitte Mai zur Lieferung von 90% des Ersatzteilbestandes habe sich Diamond bisher nicht direkt geäußert, sagte der Insolvenzverwalter. Stattdessen habe Diamond mit unwahren Behauptungen versucht, die Kunden von Thielert massiv zu verunsichern und über die Öffentlichkeit Druck auf das Unternehmen auszuüben.