Und ja, die Speicherung von Wasserstoff macht aus bekannten physikalischen Gründen weniger Sinn als die Speicherung von Methan. Für Methan gibt es eine bestehende Infrastruktur mit riesigen unterirdischen Kavernenspeichern, in denen problemlos synthetisches Methan aus sommerlicher Überproduktion gelagert werden kann.
Die einfache Multiplikation von Wirkungsgraden einer Prozesskette reicht nicht aus, um das Problem in seiner Komplexität zu verstehen. Der von mir sehr geschätzte Timo Leukefeld vom Sonnenhaus Institut spricht in diesem Zusammenhang von einer saisonalen Illusion. Er beschreibt damit das Problem, das bei einem Strommix von >70% aus erneuerbaren zwar in der Jahresbilanz der Strombedarf zu 70% gedeckt ist, was aber leider bedeutet, dass man bei Wind und Sonne im Sommer eine Deckung von 200% hat und im Winter bei Flaute und Dunkelheit vielleicht noch eine Deckung von 15% vornehmlich aus Wasserkraft.
Was im Klartext bedeutet, dass man für diesen Lastfall eine Reservekapazität von 85% an Kraftwerksleistung vorhalten muss. Die derzeitige Spitzenlast im deutschen Stromnetz liegt bei ca. 80 GW.
Im Fall der flächendeckenden Elektrifizierung von Verkehr und Wärme kommen nach Schätzungen des Fraunhofer IWES-Instituts nochmal 40-60 GW an Spitzenlast dazu.
Die Frage aller Fragen lautet: Woher soll diese Kraftwerkskapazität kommen. Und die favorisierte Antwort lautet derzeit: Aus kleinen dezentralen Anlagen, die in der Lage sind, das Stromnetz über längere Zeit zuverlässig zu beliefern. Und das könnten zum Beispiel Autos sein, die in der Regel sowieso 90% der Zeit sinnlos herumstehen. Dann wären die Autos praktisch ein Schwarm von Notstromaggregaten für das deutsche Stromnetz. Und deshalb könnte es sehr wohl Sinn machen, dass BEVs einen Stromerzeuger an Bord haben.
Die Alternative dazu wäre sonst der Neubau von Kohle- und Atomkraftwerken zur Abdeckung von maximal 1.000 Stunden Spitzenlast pro Jahr. Das kann niemand wollen und auch niemand bezahlen.
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