Solarworld stockt Personal kräftig auf
Belegschaft soll dieses Jahr um ein Viertel wachsen - Auch Zentrale in Bonn profitiert - Vorstandschef Frank Asbeck erwartet kräftiges Umsatzwachstum
Von Julian Stech
Bonn. Der Solartechnikkonzern Solarworld will die Belegschaft in diesem Jahr analog zum erwarteten Umsatzwachstum kräftig um ein Viertel aufstocken. Davon soll auch die Konzernzentrale in Bonn profitieren. Dort soll die Zahl der Beschäftigten bis Jahresende von 110 auf rund 140 steigen.
"Das größte Problem ist es, gute Leute zu bekommen", sagte Vorstandschef Frank Asbeck am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Bonn. Weltweit beschäftigt Solarworld derzeit rund 1 500 eigene Mitarbeiter sowie etwa 500 Leiharbeiter. "Wir werden wie bisher vorzugsweise die Leiharbeiter in feste Beschäftigungsverhältnisse übernehmen", sagte Asbeck.
Kräftig ausbauen will Solarworld das Auslandsgeschäft. In Südkorea wird gerade eine Solarproduktion aufgebaut. Auch in Spanien brumme das Geschäft, sagte Asbeck. In diesem Jahr sollen 60 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftete werden, nach 49 Prozent im Vorjahr.
Viel Arbeit hat laut Asbeck die Sanierung der von Shell übernommenen Produktion in den USA gemacht. Die Erfahrungen sind offenbar auch ein Grund, warum Solarworld keine Firmenzukäufe plant. In diesem Jahr soll das US-Geschäft aber die Gewinnzone erreichen.
Ausbauen will Solarworld auch Forschung und Entwicklung. Die Ausgaben dafür sollen von derzeit gut zehn Millionen auf 80 Millionen Euro im Jahr 2010 steigen. Technologisch hält Asbeck aber an der traditionellen auf kristallinem Silizium basierenden Fotovoltaik fest; von den neuen so genannten Dünnschichttechniken hält er nichts. Es müsse giftiges Cadmium eingesetzt werden und der Wirkungsgrad sei zu niedrig. "Diese Fabriken sind Investitionsruinen", sagte Asbeck.
Bei der eigenen Produktion sieht der Solarworld-Chef Kostenfortschritte von durchschnittlich sieben Prozent im Jahr. Der Wirkungsgrad der Fotovoltaik-Anlagen werde in den kommenden Jahren von derzeit 16 bis 17 auf bis zu 21 Prozent steigen.
Im Jahr 2015 könne Solarstrom voraussichtlich zum gleichen Preis produziert werden wie der Endverbraucherpreis von Steckdosenstrom, prognostizierte Asbeck. Spätestens ab diesem Zeitpunkt werde die private Nachfrage nach Solaranlagen kräftig anziehen. Dagegen amortisieren sich Anlagen, die sich Privatleute heute auf ihr Dach setzten, erst in 13 Jahren.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr (siehe Tabelle) will Solarworld die Dividende kräftig von zehn auf 14 Cent erhöhen. Laut Asbeck ist das eigentliche Geschäft gut gelaufen. Wegen geringerer Ausgleichszahlungen von Shell für die marode US-Fabrik sankt der Jahresüberschuss allerdings um gut 13 Prozent.
Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) rechnet Solarworld damit, den Vorjahreswert von 174,5 Millionen Euro in diesem Jahr um 25 bis 30 Prozent zu verbessern. Die Anleger hatten offenbar mehr erwartet: Die Aktie verlor am Donnerstag 4,6 Prozent und schloss bei 29,86 Euro.
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