SOLARAKTIEN
Morgengrauen oder Abendröte?
Von Christoph Rottwilm
Sämtliche Solarwerte im TecDax sind zum Wochenschluss erheblich unter Druck geraten. Ausschlaggebend dafür war der dramatische Kurseinbruch des Solarkonzerns Conergy nach einer Gewinnwarnung. Zu Recht?
Hamburg - Minus 3,3 Prozent bei Solarworld Chart zeigen, minus 3,2 Prozent bei Ersol Chart zeigen zum Ende des Parketthandels. Solon Chart zeigen und Q-Cells Chart zeigen lagen ebenfalls im roten Bereich. Die Solarwerte im TecDax Chart zeigen wurden am Freitag für die Gewinnwarnung von Conergy Chart zeigen gleich mitbestraft, auch wenn ein Teil der Verluste im späten elektronischen Handel wieder aufgeholt werden konnte. Das Papier des Hamburger Solarunternehmens Conergy selbst allerdings verlor am Freitag mehr als ein Drittel seines Wertes.
© Jari Jetsonen
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Difuse Lage: Die Aussichten der Solarbranche sind nicht uneingeschränkt positiv
Zu Recht? Wie steht es tatsächlich um den Solarsektor? Klar ist: Die Unternehmen Solarworld und Ersol haben ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr vor dem Hintergrund der Gewinnwarnung von Conergy bekräftigt.
"Wir liegen voll auf Kurs und werden ordentliche Zahlen für das dritte Quartal vorlegen", sagt Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck der Agentur dpa-afx in Adelaide (Australien). Die im TecDax notierte Gesellschaft will am 5. November vorläufige Zahlen vorlegen. Solarworld hatte zuletzt ein Gewinnplus von mindestens 20 Prozent in Aussicht gestellt. Auch Ersol bleibt bei seinem Ausblick für 2007. Zuletzt hatte das Unternehmen einen Umsatz von 148 bis 155 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Kurs-Gewinn-Verhältnis in Höhe von 60
Konkurrent Conergy hatte am Donnerstagabend seine Prognose für 2007 gesenkt und den Schritt mit Lieferverzögerungen von Solarmodulen begründet. "Das sind absolut unternehmensspezifische Probleme", urteilt Fondsmanager Henning Gebhardt von der DWS im Gespräch mit manager-magazin.de. "Conergy ist in der Vergangenheit sehr schnell gewachsen, vielleicht zu schnell. Da hat man möglicherweise die eine oder andere Kennzahl aus dem Blick verloren."
Schon auf der Jahreshauptversammlung von Conergy im Juni dieses Jahres hatte die DWS das rasante Wachstumstempo des Hamburger Unternehmens kritisiert, angesichts dessen der Fokus auf Profitabilität, Cashflow und Bilanzqualität etwas verloren gegangen sei. Die DWS hatte seinerzeit bereits auf die auf Basis des 2006er Nettoergebnisses sehr hohe Bewertung von Conergy mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis in Höhe von 60 hingewiesen.
Fondsmanager Gebhardt glaubt deshalb nicht, dass der heutige Kurssturz bei Conergy einen Schatten auf die gesamte Solarbranche werfen sollte. "Unternehmen wie Solarworld oder Q-Cells haben in der Vergangenheit meist konservativ kalkuliert und mit Prognosen selten enttäuscht."
"Genau hinschauen"
Gebhardt sieht das Wachstum der Branche zwar nach wie vor beispielsweise durch die Engpässe beim Rohstoff Silizium begrenzt. Gleichzeitig spielt seiner Ansicht nach aber die Entwicklung der Öl- und Energiepreise den Fotovoltaik-Unternehmen in die Karten. "In einigen Jahren wird die Solarstromerzeugung auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig sein", sagt der Branchenfachmann. "Ich erwarte vor dem Hintergrund, dass sich der Markt weiterentwickeln und in den kommenden Jahren zweistellig wachsen wird."
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Ist Conergy also ein Einzelfall? Klar ist, dass auch bei Solaraktien nicht blindlings investiert werden darf. Zu den kritischen Faktoren in diesem Markt zählt nach Ansicht von Experten neben den Lieferengpässen beim Silizium vor allem die Unternehmensgröße, die wiederum Einfluss auf die Möglichkeit zu kosteneffizienter Produktion hat. Unternehmen mit größerer Marktkapitalisierung wie Solarworld und Q-Cells seien aus diesem Grund möglicherweise im Vorteil gegenüber kleineren Firmen wie etwa Ersol. "Letztere ist allerdings mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 20 deutlich günstiger bewertet als Solarworld und Q-Cells, die beide jenseits der 30 liegen", so ein Analyst gegenüber manager-magazin.de.
Spätestens 2009 dürfte sich in diesem Markt ohnehin die Spreu vom Weizen trennen. Dann nämlich tritt laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine neue Degressionsstufe in der Vergütung des Solarstroms in Kraft. Im Klartext: Die vom EEG garantierten Mindestpreise werden sinken. Der Rahmen, innerhalb dessen die Solarunternehmen wirtschaften, wird dadurch nochmals enger.
die Quelle ist
www.manager-magazin.de/geld/geldanlage/0,2828,513880,00.html